Rømø – aufgeregt wie beim ersten Mal

Eine Inselauszeit während der Corona-Pandemie // Foto: MeerART

„Nar du tåler om solen, skinner det! / Wenn man von der Sonne spricht, dann scheint sie!“

Und dann war es wieder so weit, am 15. Juni 2020 öffneten sich die Grenzen zu Dänemark und die Vorfreude war unfassbar groß. Wie sich das angefühlt hat und warum dieses Datum für uns nun in doppelter – fast schon dreifacher – Hinsicht historisch ist, möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Die letzten Wochen waren schon echt beklemmend. Mitzuerleben wie ein ganzes Land heruntergefahren wird, ist schon ein echt komisches Gefühl, das nicht so spurlos an einem vorübergeht. Wer dann noch – wie wir – in einer Grenzregion lebt und es gewohnt ist, einfach zu jeder Zeit, zwischen den Ländern zu pendeln und das auf einmal nicht mehr geht, das ist schon arg krass. Und das meine ich nicht nur, weil wir plötzlich auf schöne Landschaften verzichten mussten, sondern auch Menschen voneinander getrennt wurden. Menschen, die sich mögen, lieben, einander brauchen.

Eine Inselauszeit während der Corona-Pandemie // Foto: MeerART

Auf einmal wurdest du wieder in eine andere Zeit versetzt. Eine Zeit, in der die Reisefreiheit nicht nur eingeschränkt war, sondern verboten. Wenn wir an den abgeriegelten Grenzen vorbeikamen, dann fühlte ich auf einmal mit den Menschen, die durch das Setzen von Grenzen oftmals nicht nur getrennt, sondern ihrer Heimat beraubt wurden. Und das ausgerechnet in diesem Jahr, wo doch schon seit Monaten die 100-Jahr-Feierlichkeiten zur Entstehung der deutsch-dänischen Grenze stattfinden sollten.

Eine Inselauszeit während der Corona-Pandemie // Foto: MeerART

100 Jahre deutsch-dänische Grenze

Vielen ist heutzutage gar nicht mehr bewusst, dass vor 100 Jahren im ehemaligen Herzogtum Schleswig darüber abgestimmt wurde, welcher Teil zu Dänemark und welcher zu Deutschland gehören sollte. Laut Versailler Vertrag sollte Schleswig 1920 – also die Bevölkerung – in Volksabstimmungen nämlich selbst darüber entscheiden, ob sie zu Dänemark oder zu Deutschland gehören wollten. Damals fanden zwei Volksabstimmungen statt. Wie man heute in alten Unterlagen lesen kann, wurde heiß darum gekämpft, wer zu wem gehören möchte. Dennoch, das Volk hatte demokratisch entschieden und somit wurde am 15. Juni 1920 Nordschleswig in das Königreich Dänemark integriert.

Eine Inselauszeit während der Corona-Pandemie // Foto: MeerART

Da wir früher das Thema in der Schule nicht hatten – oder vielleicht habe ich es auch nur vergessen – brauchten wir nach unserem Umzug in die Grenzregion erstmal eine Weile, bis wir kapiert haben, was mit Nord- und was mit Südschleswig gemeint ist. In unserem Bewusstsein gab es bisher nur die kleine Stadt Schleswig an der Schlei bzw. unser Bundesland Schleswig-Holstein. Einfacher ist es dann doch wie die Dänen es machen, denn die bezeichnen Nordschleswig als Südjütland (Sønderjylland).

Eine Inselauszeit während der Corona-Pandemie // Foto: MeerART

Bis heute hat sich an dem Grenzverlauf nichts mehr verändert. Anfangs war das ganz sicher nicht leicht, denn auch dort wurden Menschen getrennt. Somit entstanden auch die deutsche und die dänische Minderheit, die es zur damaligen Zeit ebenfalls nicht leicht hatten. Jedoch leben wir inzwischen seit 100 Jahren friedlich miteinander. Und das Schöne ist, dass in beiden Teilen Schleswigs die dänische und die deutsche Kultur immer noch gelebt wird. Vielleicht heutzutage sogar noch ein Stück weit mehr als damals. Das ist wohl auch mit ein Grund dafür, dass seit Ende 2018 die deutsch-dänische Grenzregion mit ihren Minderheiten im nationalen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO verzeichnet ist. Sowohl auf deutscher, als auch auf dänischer Seite.

Eine Inselauszeit während der Corona-Pandemie // Foto: MeerART

Eine Einreise mit kleinen Hindernissen

Wie sehr uns das kleine Nachbarland Dänemark inzwischen ans Herz gewachsen ist, haben wir in den letzten Wochen gespürt. Jede Reportage, die im Fernsehen ausgestrahlt wurde, haben wir verschlungen und uns danach gesehnt, endlich wieder auf Entdeckungsreise gehen zu dürfen. Als wir dann vor ein paar Tagen erfuhren, dass es ab dem 15. Juni möglich sein würde, stand fest, den Tag machen wir frei und nutzen das aus. Ralph äußerte den Wunsch als allererstes auf die Insel Rømø fahren zu wollen, um endlich mal wieder die unendliche Weite genießen zu dürfen. Für uns ein Gefühl der Freiheit und nach dieser Zeit sogar in doppelter Hinsicht.

Eine Inselauszeit während der Corona-Pandemie // Foto: MeerART

Als wir morgens starteten, hatten wir schon den schönsten blauen Himmel, den man sich nur vorstellen kann. In meinem Bauch tanzten die Schmetterlinge wie beim ersten Mal, als wir nach Rømø fuhren. Doch dann gab es für uns doch eine kleine Überraschung. Der von uns so geliebte Grenzübergang in Rudbøl war nach wie vor dicht und es sah auch nicht wirklich danach aus, als sollte sich das schnell ändern. Das stimmte uns anfänglich ein wenig traurig, aber wir versuchten dann einfach unser Glück bei einem nächsten, etwas größerem bzw. mehr frequentieren Grenzübergang.

Eine Inselauszeit während der Corona-Pandemie // Foto: MeerART

Das erste Mal nach drei Jahren, dass wir von einem Grenzbeamten kontrolliert wurden. Dennoch verlief die Kontrolle relativ zügig, auch wenn sie ein leicht mulmiges Gefühl im Bauch hinterließ. Trotz dieses kleinen Umwegs stand unserem Trip nach Rømø nun nichts mehr im Wege. Ich sage euch, das war ein so großartiges Gefühl. Erst sich der Insel zu nähern, dann über den Damm zu fahren, um dann letztlich die Füße in den endlosen Sandstrand zu halten. Einfach nur fantastisch. Wir haben die Insel genossen wie lange nicht mehr.

Eine Inselauszeit während der Corona-Pandemie // Foto: MeerART

Wie ihr seht, der 15. Juni ist nun in doppelter Sicht ein historisches Datum und da die 15 für uns eine ganz persönliche Glückszahl ist, sogar in dreifacher Hinsicht.

3 Kommentare zu „Rømø – aufgeregt wie beim ersten Mal“

  1. Karin Vietheer

    Liebe Claudia,
    ich freue mich mit Euch ganz doll, dass Ihr wieder nach Dänemark dürft.
    Wir werden Anfang Juli fahren, um Freunde bei Bredebro zu besuchen und eventuell auch mal am Strand von Rømø spazieren zu gehen und Nordseewasser an den Füßen zu spüren. Das habe ich schon lange vermisst.

    Mal sehen, was wir an der Grenze erleben. Ob man uns wohl auch kontrolliert? =)

    Liebe Grüße an Euch zwei
    von Karin

    1. Liebe Karin,

      danke dir. Es war so schön.
      Für deine Reise wünsche ich dir auch ganz viel Freude und genieße es in vollen Zügen.

      Kontrolliert werdet ihr auf alle Fälle, also stellt euch schon mal darauf ein.

      Liebe Grüße,
      Claudia

  2. Liebe Claudia,
    wir freuen uns auch schon sehr, dass es mit unserer Reise Mitte Juli ins schöne Dänemark klappt. Der Himmel ist nirgends so blau wie dort;-))
    Herzliche Grüße
    Ingrid

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