Alter Bahnhof Wallsbüll – Urlaub in einem Baudenkmal

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa
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An der nächsten Station machen wir halt, um euch ein ganz besonderes Feriendomizil zwischen Nord- und Ostsee vorzustellen, und zwar den Alten Bahnhof in Wallsbüll.

Oft sieht man an stillgelegten Bahngleisen die urigen alten Häuser, die einst Durchreisenden während der Wartezeit auf den Zug Unterschlupf boten. So manches Mal habe ich mir beim Vorbeifahren gedacht, wie cool es sein müsste, sich so ein Objekt für den Eigenbedarf wieder herzurichten. Die Lage, das historische Ambiente, das hast schon was.

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Tina und Kay Andresen haben wohl ganz ähnlich gedacht, als sie mitbekamen, dass der Alte Bahnhof in Wallsbüll zum Verkauf stand. Sie erzählten uns, dass es für sie sogar Liebe auf den ersten Blick war, als sie sich das Objekt zum ersten Mal anschauten. Und dafür zoll ich ihnen wirklich Respekt, denn als sie sich 2019 das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsempfangsgebäude und das dazugehörige Aborthäuschen anschauten, stand es nach einem Brand im Erdgeschoss bereits ein Jahr leer und glich eher einer Ruine als einem Wohntraum.

Da die beiden alte Häuser lieben und ihnen das Renovieren und Sanieren Freude zu bereiten scheint, hatten sie nach drei selbstbezogenen Häusern mal Lust, eine Ferienwohnung einzurichten. Et Voilá, nach vier Jahren liebevoller Sanierung sind nun zwei Ferienwohnungen im historischen Ambiente und in wohngesunder Bauweise entstanden, die wir euch näher vorstellen dürfen.

Von der Ruine zum historischen Baudenkmal

Als Erstes stand eine umfangreiche Schadstoffsanierung an. Tina und Kay haben das Gebäude von allen künstlichen Mineralfasern, Asbestplatten und giftigen Anstrichen befreit. Schon beim Gedanken an die verrußten Balken mag ich mir kaum vorstellen, was das anfangs für eine Drecksarbeit gewesen sein muss. Alle historischen Gegenstände sollten erhalten werden und so wurden Decken und Balken, Türen und Treppen in liebevoller Handarbeit abgeschliffen und geölt oder gestrichen. Das Holz der alten Decken und Türen sieht so gelebt und eindrucksvoll aus. Wir lieben es, wenn man am Holz seine Geschichte ablesen kann.

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Beim Wiederaufbau war den beiden schnell klar, dass sie einen anderen, gesünderen und nachhaltigeren Weg gehen wollen. Nach einigen Recherchen haben sie sich für eine Wandheizung in Kombination mit Lehmputz entschieden. Bei dieser Heizmethode kommt das Haus komplett ohne Dämmung aus. Eine spannende Methode, die wir vorher noch nicht kannten. Das Prinzip der Temperierung basiert darauf, dass das Mauerwerk erwärmt wird und durch die Strahlungswärme den Innenraum heizt. Diese Art der Wärmeverteilung soll nicht nur als besonders wohlig empfunden werden, sondern es kommt dabei auch zu keinerlei Thermik, die Hausstaub und Milben aufwirbelt.

Lehmputz ist bekannt dafür, dass er Feuchtigkeitsschwankungen ausgleicht und damit ein gesundes Raumklima schafft, bei dem die Schleimhäute nicht austrocknen.

Natürliche und nachhaltige Materialien

An den Stellen, an denen Dämmung nötig war, haben sie Hanf oder Seegras verwendet. Beides richtig geniale Rohstoffe. Auf die Vorteile von Seegras sind wir bereits schon mal in unserem Beitrag „Der Strand und seine Schatzkammer“ eingegangen. Von daher freut es mich sehr, dass dieser regionale Rohstoff aus dem Meer so langsam wieder ein Comeback erfährt. Auch beim Innenausbau haben Tina und Kay versucht, so nachhaltig wie möglich zu sein. So stammt zum Beispiel die Dielung aus ähnlichen alten Abrisshäusern und auch die verbrannten Innentüren wurden aus alten Gebäuden ersetzt.

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Zur Dielung selbst gibt es noch eine weitere besondere Geschichte, denn sie sollen einst aus der Villa von Jil Sander stammen. Als die Modedesignerin seinerzeit entschied, ihre Holzböden durch Marmor zu ersetzen, wurden diese auf einem Gutshaus in Plön viele Jahre zwischengelagert. Erstanden haben Tina und Kay die einzelnen Dielen aus dem Jahr 1899 über Bekannte, die diesen Fund bei ebay Kleinanzeigen machten. Jede einzelne Diele wurde gesäubert, geschliffen, geölt und wie ein Puzzle neu zusammengesetzt. Wirklich beeindruckend, denn wer macht sich heutzutage noch so eine Mühe?!

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Stück für Stück zum Ferienwohnglück

In einem Nebengebäude, dem kleinen Toilettenhäuschen, fanden sie noch ein originales Fenster von 1888. Dies diente den beiden als Muster. Nach diesem historischen Vorbild ließen sie die neuen Fenster für den Bahnhof von einem ortsansässiger Tischler nachbauen. Die Türen mussten sie anhand alter Fotos selber entwerfen und haben diese ebenfalls von dem Tischler anfertigen lassen. Das ist wirklich gelungen und sieht toll aus. Zwar gab es damals noch keine grünen Fenster, aber das war ein Kompromiss, auf den sich die Denkmalpflege eingelassen hatte, nachdem sie erfuhr, dass diese aus Holz eingebaut wurden. Und Tina liebt Farben, das zeigt sich nicht nur bei den Fenstern.

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Bei der Inneneinrichtung wurde ein bunter Mix aus Alt und Neu gewählt. Die alten Möbel und Gegenstände stammen überwiegend von Flohmärkten oder Kleinanzeigen, die die beiden während der Sanierung unsicher gemacht haben. So unterstreichen sie den Charakter des Baudenkmals perfekt. Und schließlich gibt es nichts Nachhaltigeres, als Dinge wieder zu verwenden, die es bereits gibt. Nur bei den Küchen, Bädern und Betten war es den beiden wichtig, auf neue Produkte zu setzen, damit sie die Qualität garantieren können, die sie sich für ihre Feriengäste wünschen.

Der Güterschuppen

Die kleinere der beiden Ferienwohnungen befindet sich im ehemaligen Güterschuppen vom Alten Bahnhof Wallsbüll. Dieser diente zu Zeiten der Staatsbahn als Umschlagplatz für sperrige Güter. Nachdem der Betrieb eingestellt wurde und der Bahnhof in Privatbesitz überging, wurden die großen Schiebetüren zur Straße und zum Bahnsteig verschlossen.

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Diese Wohnung war als erstes fertig und bei der ersten Besichtigung hatten wir uns bereits in das Feriendomizil verliebt. Es wirkt so kuschelig und authentisch. Vor allem die liebevollen Details, die an die Zeit des Bahnhofs erinnern, machen das Objekt so einzigartig. Heute brauchen die vielen Koffer zwar kein Gepäck mehr zu tragen, aber sie sind eine schöne Hommage an alte Zeiten. Auch die originale Bahnhofsbeschilderung konnte gerettet werden und hat heute wieder einen Platz im inneren des Gebäudes gefunden.

Besonders genial ist die Original-Dachkonstruktion aus Holz, die in der Ferienwohnung sichtbar gelassen wurde. Sie lässt die Räumlichkeit trotz gedämpfter Töne großzügig wirken. Das stimmungsvolle Licht, das ebenfalls für eine angenehme Wohlfühlatmosphäre sorgt, lädt direkt dazu ein, es sich auf dem Sofa mit einem Buch und heißem Tee gemütlich zu machen.

Vielen ist es nicht so wichtig, aber ich fand es toll, dass in den Wohnungen auch echte Pflanzen einen Platz bekommen haben. Für mich runden sie das Wohlfühlambiente erst richtig ab. Vor der Wohnung gibt es eine kleine Terrasse mit Blick in den Garten.

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Das Stationsgebäude

1981 befanden sich im Erdgeschoss des Stationsgebäudes der Schalterraum mit Fahrkartenverkauf und die Wartehalle. Nachdem der Alte Bahnhof von Wallsbüll in Privatbesitz übergegangen war, gab es hier einige Änderungen. So wurden zum Beispiel die Außentüren zur Bahnhofstraße und zu den Bahnschienen durch Fenster ersetzt. Heute befindet sich im Warteraum das Wohnzimmer und im Schalterraum die Küche.

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Zur damaligen Zeit stand dem Bahnvorsteher im Obergeschoss eine Wohnung zur Verfügung. Diese hatte einen eigenen Eingang neben der jetzigen Haustür, von wo aus er direkt ins Treppenhaus gehen konnte. Nun befinden sich im Obergeschoss die beiden Schlafräume und das Bad.

Farbenfroh und außergewöhnlich

Dass Tina viel Freude an Farben hat, spiegelt sich besonders in der Inneneinrichtung wider. In allen Räumen gibt es farbenfrohe Wände, die mal uni leuchten oder mit ausdrucksstarken Tapeten versehen sind. Das Ambiente erinnert an die Kolonialzeit. Alles in allem ein gelungener Mix aus Alt und Neu, der dem Baudenkmal eine ehrwürdige Note verleiht. Mit der Sanierung des Alten Bahnhofs von Wallsbüll wollten die beiden definitiv kein Museum erschaffen, sondern vielmehr Räume, die behaglich, praktisch und auch ein bisschen außergewöhnlich sind. Wir denken, das ist den beiden gelungen.

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Wenn ihr nun neugierig auf die Ferienwohnung geworden seid, dann könnt ihr diese direkt bei der Familie Andresen buchen.

Alter Bahnhof von Wallsbüll
Bahnhofstraße 1
24980 Wallsbüll
E-Mail: moin[at]Alter-Bahnhof-Wallsbuell.de
Telefon: 0177/31 45 726

Noch ein paar Facts zum Bahnhof Wallsbüll 1888/89

Der Bahnhof in Wallsbüll war ein Haltepunkt an der heute stillgelegten Bahnstrecke Flensburg–Niebüll, der ehemaligen Königlich Preußischen Staatseisenbahn. Die eingleisige Querbahn verband die Stadt Flensburg mir der Marschbahn im Westen. Nach zweijähriger Bauzeit konnte die Strecke 1889 in Betrieb genommen werden. Nachdem der Personenverkehr am 31. März 1981 endgültig eingestellt wurde, ging der Bahnhof in Privatbesitz über und wird seitdem zu Wohnzwecken genutzt.

Ein Traum von einem Feriendomizil, der liebevoll sanierte Alte Bahnhof in Wallsbüll // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Seit 2020 ist er im Besitzt der Familie Andresen, die ihn komplett auf den Kopf gestellt und in die heutige Zeit geholt hat. Chapeau vor dem, was ihr da in den letzten Jahre geleistet habt. Wir danken euch ganz herzlich für eure Gastfreundschaft, und dass wir dieses historische Baudenkmal unseren Lesern vorstellen dürfen.

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