Kleine Momente der Stille zulassen

Das Sturmtief Sabine trifft auf die Westküste hier an der Küste in Schlüttsiel // Foto: MeerART

Bist du hibbelig und nervös? Hast du Schwierigkeiten dich zu konzentrieren oder zu schlafen? Wenn ja dann kann es sein, dass du zu viel Lärm ausgesetzt bist. Was dir jetzt hilft, sind kleine Momente der Stille.

Unser Alltag ist vollgestopft mit Geräuschen. Das Rauschen vorbeifahrender Autos, startende Flugzeuge, Rasenmäher, Laubbläser, der allgegenwärtige Gewerbe- oder Nachbarschaftslärm, Musik, Maschinen oder auch spielende Kinder und und und. Am Tag sind wir den verschiedensten Geräuschen ausgesetzt. Einige nehmen wir bewusst wahr, andere weniger und dennoch machen sie etwas mit uns.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir uns gefühlt haben, als wir noch in Geesthacht gelebt haben und wir 24 Stunden am Tag den unterschiedlichsten Geräuschen ausgesetzt waren. Wir waren zum Teil richtig aggressiv und nervös. Auch hatten wir mächtige Probleme uns zu konzentrieren. Zum Teil geht es mir auch heute noch so. Zum Beispiel, wenn ich in einem Raum mit mehreren Leute sitze, die sich angeregt unterhalten. Dann habe ich mitunter echte Schwierigkeiten, dem Gespräch meinem Gegenüber zu folgen.

Der Yachthafen von Dyvig mit dem idyllischem Badehotel // Foto: MeerART

Auch wenn ich meine Texte schreibe, brauche ich absolute Stille, da ich mich sonst nicht konzentrieren kann. Würde Ralph neben mir telefonieren, wäre meine Konzentration sofort dahin. Und ich fürchte, daran wird sich wohl so schnell nichts mehr ändern. Denn obwohl wir hier inzwischen sehr ruhig leben dürfen und nur wenig Beschallung ausgesetzt sind, ist unser Gehirn immer noch in Alarmbereitschaft, sobald Geräusche sich häufen oder unangenehm für uns werden.

Lärm ist nicht gleich Lärm

Ob wir ein Geräusch als Lärm empfinden, ist sehr subjektiv, denn die einen finden laute Musik zum Beispiel gut, während sie anderen völlig auf die Nerven geht. Kinder, ganz gleich ob sie lachen, weinen oder schreien, werden von einigen als nicht störend empfunden, während sich andere von den Geräuschen stark belästigt fühlen. Auch spielen Emotionen eine große Rolle. Wenn wir unseren Nachbarn zum Beispiel nicht mögen, dann empfinden wir jedes Geräusch, sei es der Rasenmäher, die Heckenschere oder auch nur eine Unterhaltung im Garten als besonders nervig. Ein Geräusch wird für uns zu Lärm, wenn es uns bewusst oder unbewusst stört und damit unser Wohlbefinden beeinträchtigt. Die Lautstärke, die Art des Geräuschs, die persönliche Bewertung und die jeweilige Situation spielen also auch eine Rolle.

In Deutschland gehören zu unseren größten Störgeräuschen im Alltag der Straßenverkehrslärm, aber auch der Zug- und Fluglärm. Ganz besonders nachts. Das Problem ist nämlich, dass wir im Gegensatz zu unseren Augen, unsere Ohren ganz einfach nicht verschließen können. Die Hörzellen im Inneren der Ohren empfangen ununterbrochen die Schallwellen jeden Tons und verarbeiten sie zu Signalen, die in unserem Gehirn bewertet werden.

Rundwanderweg um den Nordborg Sø // Foto: MeerART

Lärm macht uns krank

Unumstritten ist, dass Lärm nicht nur krank machen, sondern auch die Leistungsfähigkeit eines Menschen negativ beeinflussen kann. Das Krasse ist, dass bereits geringe Lärmpegel ab 25 Dezibel ausreichen, um bei uns Menschen Konzentrations- oder Schlafstörungen auslösen zu können. Allerdings spielt die Art der Geräusche eine große Rolle, denn das Rauschen der Blätter an den Bäumen oder die Brandung im Meer – ja sogar das Kreischen der Möwen – wird meist als angenehm empfunden, während das Laufen eines Motors, der mitunter dieselbe Lautstärke haben kann, störend wirkt.

Studien haben sogar belegt, dass Dauerbelastungen von mehr als 65 Dezibel ein erhöhtes Gesundheitsrisiko mit sich führen. Nicht nur unser Stoffwechsel, sondern auch unser Hormonhaushalt, sowie unsere Gehirnstromaktivität verändern sich. Dadurch wird unser Schlaf beeinträchtigt und Stresshormone freigesetzt. Langfristig können auch hoher Blutdruck und Herzinfarkt die Folge sein. Wenn ich bedenke, wie viele Menschen allein in unserem Umfeld regelmäßig an Schlafstörungen leiden, macht das schon sehr nachdenklich. Darum sollte das Nerven eines Geräusches ein wichtiges Signal für dich sein zu handeln und etwas zu ändern.

Wie dir kleine Momente der Stille helfen

Im Alltag kann man sich den Beschallungen nur schwer entziehen, denn sie sind quasi überall. Allein der Weg zur Arbeit kann schon eine belastende Herausforderung sein. Was man aber tun kann ist, sich bewusst Momente der Stille zu gönnen. Auch im Alltag gibt es dazu viele Möglichkeiten.

Die Süderlügumer Binnendüne und ein Märchenwald // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Gehörst du auch zu den Leuten, die ständig im Hintergrund Fernsehen oder Radio laufen haben, obwohl du gar nicht hinguckst bzw. hinhörst? Versuch mal dir bewusste Momente einzuräumen, wo du die Geräte einfach mal auslässt. Geräusche, die schon da sind, noch mit anderen Geräuschen zu übertönen, sorgt meistens für noch mehr Stress. Auch wenn ich es liebe im Auto Musik zu hören, schalte ich dennoch oft ganz bewusst das Radio aus. Anfangs war das noch etwas ungewohnt, da man die Fahrgeräusche des Wagens gleich viel intensiver wahrnimmt, aber mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und es wirkt mitunter sehr beruhigend.

Bewusst in den Tag starten

Was ich im Alltag auch sehr angenehm finde ist, dass ich meinen morgendlichen Kaffee oder Tee ganz bewusst auf dem Sofa trinke und mir dabei einfach nur Ruhe gönne, um in den Tag zu starten. In der dunklen Jahreszeit zünde ich sogar für diesen kurzen Moment eine Kerze an.

Natürlich helfen auch Spaziergänge in der Natur. Wie oft begegne ich Menschen, die dann Kopfhörer aufhaben oder mit dem Smartphone beschäftigt sind. Nicht, dass ich das jetzt verurteilen möchte, nein im möchte einfach nur den Tipp geben, dir auch hier mal einen Moment der Stille zu gönnen. Auf einmal nimmst du selbst in der Stadt jede Menge schöne Geräusche wahr, wie zum Beispiel Vögel und das Rauschen der Blätter an den Bäumen. Wenn man das eine Weile für sich trainiert, hört man immer mehr kleine Nuancen aus dem Ganzen Gewirr heraus. Auch hilft es – sofern möglich – zu Fuß zur Arbeit zu gehen oder das Fahrrad zu nutzen.

Rundwanderweg um den Nordborg Sø // Foto: MeerART

Wenn ich mal wieder den ganzen Tag am Rechner gesessen habe und ihn abends abschalte, dann merke ich ganz deutlich welcher Beschallung ich den ganzen Tag über ausgesetzt war. Kaum ist der Rechner heruntergefahren, ist es auch einmal ganz still im Raum. Manchmal bleibe ich ganz bewusst noch einen Moment auf meinem Stuhl sitzen, um genau diese Stille für mich wahrzunehmen, bevor ich mich auf das nächste Ereignis des Tages stürze.

Brauchen wir das wirklich alles?

Wie gesagt, nicht alle Geräusche können wir eliminieren, aber manche schon. Selbst im Haushalt haben wir viel zu oft Maschinen, die uns das Leben zwar leichter machen sollen, aber aufgrund ihrer Geräuschpegel uns ganz schön belasten. Für mich ist das u.a. der Staubsauger. Nach einer Weile bin ich echt genervt von dem Ding, weil er einfach so laut ist. Leider gibt es hier noch nicht wirklich eine Alternative, aber bei vielen anderen Geräten können wir uns schon fragen, ob wir sie wirklich brauchen oder durch leisere ersetzen können, wenn nicht sogar ganz drauf verzichten. Brauchen wir im Haushalt und im Garten wirklich für alles eine Maschine?

Rundwanderweg um den Nordborg Sø // Foto: MeerART

Eine sehr gute und vor allem fast überall zu praktizierende Methode für den Alltag ist auch einfach mal nur einen Moment so dazusitzen. Ganz ohne jegliche Beschäftigung. Die Stille genießen und von mir aus Löcher in die Luft zu starren. Leider trauen sich das heutzutage aber nur noch wenige. Viele fühlen sich sogar richtig schuldig, wenn sie einfach nur mal so dasitzen und nichts tun. Aber das hilft. Ich mache das am liebsten draußen auf der Terrasse und wenn das Wetter dafür nicht gut genug ist, genieße ich von drinnen. Dafür setze ich mich auf den Fußboden vor der Terrassentür und gucke raus. Einfach einen Moment lang beobachten was im Garten passiert und nach Möglichkeit auch mal an nichts denken.

Mehr Achtsamkeit im Alltag

Auch Entspannungsübungen wie Yoga sind ein wichtiges Element der Achtsamkeit. Seitdem wir an die Westküste gezogen sind, habe ich damit angefangen und ich möchte es nicht mehr missen. Gerade beim Yin Yoga kann ich mega gut entspannen.

Genauso wie wir es eingeführt haben, keinen Fernseher mehr im Schlafzimmer zu haben. Während ich früher gefühlt nie einschlafen konnte, wenn nicht die Glotze im Hintergrund lief, genieße ich nun, in aller Stille schlafen zu gehen.

Das sind nur einige Impulse, die mir geholfen haben Stille in meinen Alltag zu integrieren. Wer weiß, vielleicht probierst du das mal aus oder du hast sogar noch ganz andere Vorschläge, dann würde ich mich freuen, wenn du sie mir mitteilst.

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2 Kommentare zu „Kleine Momente der Stille zulassen“

  1. Ein wirklich toller Bericht, wirklich wenigen ist Bewusst, wieviel Ruhe ausmachen kann, wieviel Energie man tanken kann, wenn man mal während des Spazierengehens stehen bleibt die Luft einsaugt und sich die Umgebeung bewusst ansieht. Ich lebe auf dem Land, wenig Verkehrslärm, keine stete Beschallung von irgendwelchen Nachbarn und ich schaue wenig TV und höre kaum Radio…trotzdem suche ich oft die Ruhe, bin gerne mal mit mir alleine,denn im Berufsalltag muss ich viel reden und am PC sitzen, da hole ich mir die Entspannung entweder bei einem Buch oder einem Gang in die Natur.

    1. Moin liebe Melli,

      vielen Dank. Freut mich, dass dir der Bericht gefallen hat.
      Ja, ich finde auch, dass die Ruhe unheimlich viel mit uns macht und ich kann mir für jeden eigentlich nur wünschen, dass er sie für sich entdeckt. Es ist wirklich eine Wohltat. Seitdem wir in Nordfriesland leben, genießen wir die Ruhe umso mehr. Keine zehn Pferde würden uns zurück in die Stadt kriegen. 🙂

      Ganz liebe Grüße und viele Momente der Stille wünscht dir,
      Claudia

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