Husum – du Geisterstadt am Meer

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Moin Moin aus Husum, der grauen Stadt am Meer. Oder sollten wir lieber Geisterstadt sagen? Seit dem zweiten Lockdown wirkt Husum wie ausgestorben. Habt ihr trotzdem Lust auf einen kleinen Rundgang?

Es ist schon ein wenig bizarr. Seit Wochen, nein eigentlich schon seit Monaten sehen auch wir nichts anderes als unser beschauliches Langenhorn und den Deich. So manches Mal sehnt man sich dann doch schon mal nach ein wenig Abwechslung. Da wir dringend Kaffeenachschub brauchten, haben wir unsere Abholung gleich mit einem kleinen „Mini“-Rundgang verbunden.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Zeit für eine neue Novelle

Würde Theodor Storm noch leben, wer weiß, was er dann für eine neue Novelle in Zeiten von Corona losgelassen hätte. Jedenfalls wirkt das alles schon irgendwie surreal. Die Parkäuser sind zwar geöffnet, aber um trotz allem Distanz zu wahren, haben wir unser Auto lieber ein wenig abseits geparkt. So erspart man sich wenigstens weitere Berührungspunkte an Kassenautomaten etc.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Während sonst im Hafen das blühende Leben tobt, ist nichts als Stille zu hören. Es scheint, als hätten nicht mal die Möwen Lust sich auf irgendeine Art zu äußern. Vielleicht sind sie aber auch müde von der unfreiwilligen Diät. Da die Gastronomie nach wie vor geschlossen hat und in der Innenstadt von Husum Maskenpflicht herrscht, dürfte wohl nur wenig menschliche Kost abfallen, die Passanten freiwillig oder unfreiwillig mit den Räubern teilen.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

50 shades of grey

Eigentlich hätte heute die Sonne ein wenig ihr Antlitz zeigen sollen, aber selbst die hat wohl keinen Bock mehr auf Mutter Erde. Stattdessen zeigt der Himmel mal wieder seine komplette Farbpalette in Grau. Dunkelgrau, hellgrau, mittelgrau und mal hier und da auch etwas dazwischen. Dazu ist es noch bitterkalt. Würden die bunten Fassaden der schönen alten Häuser nicht so leuchten, dann könnte man schon fast in Depressionen verfallen. Ja, selbst zwei so gutlaunige Menschen wie wir hätten jetzt nichts gegen ein extra volles Sonnenkonto, um weiter gut durch den Lockdown-und-Winterblues zu kommen.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Wie im Film

Wir schlendern durch die verlassenen Gassen und ich kann nicht leugnen, dass es sich anfühlt, als wäre man gerade einem Kinofilm entsprungen, in dem es mal wieder um irgendein Endzeitszenario geht. Geschlossene Geschäfte weit und breit. Ok, bis auf die Lebensmittelgeschäfte und Drogerien oder den Markt, der noch mit ein paar Beschickern am Start ist.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Ansonsten hängen überall nur Schilder an den Schaufenstern der Läden, dass sie weiterhin für ihre Kunden da sein möchten, man anrufen oder eine E-Mail schreiben kann, wenn man etwas entdeckt und abholen möchte. Jeder versucht was er kann, um der Ohnmacht zu entfliehen und ein Teil seiner Existenz zu retten. Schon ein echt trauriges Bild.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

An zwei, drei Läden sind wir allerdings vorbei gekommen, da frage ich mich schon, ob die wirklich systemrelevant sind oder nur Gewitzte, die sich den Anweisungen widersetzen. Wer weiß? Es ist zwar nicht richtig, aber zu verdenken ist es auch niemandem.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Wenn man mal ehrlich ist, sind nicht alle Anweisungen der Bundesregierung nachvollziehbar. Warum dürfen andere wie Handwerker zum Beispiel, noch arbeiten? Mal abgesehen von einem Notdienst müssten doch auch die Zuhause bleiben. So viele Gewerke wuseln nach wie vor untereinander und kaum einer trägt eine Maske dabei. Genau wie beim Profisport. Der ist in meinem Augen auch nicht wirklich systemrelevant. Der Lockdown fühlt sich nicht gerecht verteilt an.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Die Vorstellung, dass so viele die Krise vielleicht nicht überstehen und ihre Existenz oder Gesundheit verlieren, ist schon beängstigend. Wie lange mag der Lockdown noch gehen? Und wer wird am Ende dann noch da sein oder alles verloren haben? Wer vielleicht sogar selber Opfer von Coronavirus? Die Einschläge kommen jedenfalls immer näher.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Noch ein letzter Blick

Im letzten Jahr waren wir bei einer Nachtwanderung durch Husum dabei und bei dieser wurden wir auf so viele schöne Details aufmerksam gemacht, die sich an vielen der schönen Fassaden befinden und die man immer übersieht, wenn die Geschäfte mit ihrer Ware locken. Menschen durch die Straße wuseln oder die Außenbereiche der Gastronomie füllen. Nichts von alledem ist derzeit denk- oder fühlbar. Die Straßen sind leer, Husum schläft.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Wir versuchen einige der Gebäude wiederzuentdecken, zumindest bei denen, die, auf unserem Weg liegen, um uns an die Geschichten zu erinnern. Doch so recht mag die Nostalgie nicht aufkommen, denn obwohl die Straßen leer sind, beschleicht uns kein gutes Gefühl. Wir ziehen uns lieber wieder zurück, machen uns auf den Heimweg in unser beschauliches Langenhorn.

Die graue Stadt am Meer im zweiten Lockdown wegen der Corona Pandemie // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Tschüß Husum, du graue Stadt am Meer. Wir werden uns wiedersehen, aber es wird wohl noch wieder eine Weile dauern.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren:

Nordsee – Daenemark – Højer in der Tønder-Marsch in Sønderjylland // Foto: MeerART

Højer – eine Marschstadt mit Potential

Højer – Dänemarks zukünftiges Tor zur Marsch In den letzten Monaten fiel in zahlreichen Gesprächen immer wieder der Name Højer. Højer soll nicht nur Dänemarks einzige richtige Marschstadt sein, sondern dieser Ort befindet sich gerade im Auf- und Umbruch. Oder etwas romantisiert ausgedrückt, er wird gerade wieder wachgeküsst.

Weiterlesen »
Impressionen von der Nordseeinsel Amrum // Foto: MeerART

Norddorf auf Amrum im tiefsten Grau

Es war schon wirklich gemein, unser erstes Mal auf Amrum und das Wetter spielte einfach nicht mit. Auf dem Festland würden wir so einen Trip normalerweise abbrechen bzw. gar nicht erst starten. Aber hey, das ist die Insel der Freiheit und vom Wetter lässt man sich die Laune doch nicht vermiesen, oder? Da wir unser Hotel in Norddorf hatten, lag es nahe, sich hier am ersten Abend einmal umzusehen.

Weiterlesen »
Ein sonniger Sommervormittag an der Nordsee im Watt und auf der Sandbank vor Westerhever // Foto: MeerART

Was bleibt ist die Erinnerung

Ihr kennt das doch sicherlich auch? Kaum ist der Urlaub da, da ist er auch schon wieder vorbei. Der Alltag hat einen im Nu wieder. Alles was bleibt ist die Erinnerung. Daheim helfen oft Fotos oder Mitbringsel das schöne Gefühl so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Manchmal werden Erinnerungen aber auch ganz unverhofft geweckt.

Weiterlesen »

4 Kommentare zu „Husum – du Geisterstadt am Meer“

    1. Moin liebe Marina,

      vielen Dank. Freut uns, dass dir unser Beitrag zu dieser besonderen Zeit gefallen hat, die mit Sicherheit in vielen Bereichen sehr nachhaltig sein wird..

      Liebe Grüße,
      Claudia

  1. Ach Husum! Wenn wir uns das nächste Mal sehen, hoffe ich, dass es dir und den vielen kleinen Geschäften noch genauso gut geht wie vor dem Lockdown. Bis bald!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

UNSER WHATSAPP-KANAL //

NEUSTE BEITRÄGE //

MeerART Shirtladen - Shirts und Hoodies mit Meer-Sprüchen
Rabattaktion bis zum 02.07.23

15%

Auf alles im Shop. Nicht mit anderen Gutscheincodes kombinierbar.

Hol dir die fangfrischen Neuigkeiten mit unserem Newsletter!

Verpasst keine Neuigkeit und holt euch die MeerART // Flaschenpost. Einmal im Monat halten wir euch so über alle Aktivitäten rund um MeerART auf dem Laufenden.
Detailtiere Informationen zum Versand unseres Newsletter, findet ihr in den Datenschutzhinweisen. Ihr habt natürlich jederzeit die Möglichkeit das Abonnement mit nur einem Klick wieder zu kündigen.