Eine Insel und ihre geheimnisvollen Ecken

Naturschutzgebiet an der Ostseeküste am Poel-Damm in der Wismarer Bucht // Foto: MeerART

Oft sind es die kleinen und unscheinbaren Dinge, die einen in den Bann ziehen, wie dieser Breitling. Wer dabei an Uhren denkt, sei eines besseren belehrt. Der Breitling ist ein Meeresarm, der das Festland mit der Insel Poel verbindet. Die Straßenverbindung (L 121) führt im Süden am Fahrdamm (Poeldamm) über eine flache Halbinsel hinweg nach Poel. Ich wette, dass ihn viele auf dem Weg zur Insel gar nicht richtig wahrnehmen, uns ist der Meeresarm sogar eine extra Erwähnung wert. 😉

Naturschutzgebiet an der Ostseeküste am Poel-Damm in der Wismarer Bucht // Foto: MeerART

Der Breitling ist ein sehr flaches, meist unter einem Meter tiefes Gewässer. Der Meeresarm ist ca. fünf Kilometer lang und maximal einen Kilometer breit. Große Teile können bei Niedrigwasser sogar trockenfallen, während es bei Hochwasser zur Überspülung des flachen Poeldammes kommen kann. Unter der Poeldammbrücke findet ein Wasseraustausch zwischen der inneren Wismarbucht und dem Breitling statt. Mehrere Bäche sorgen für den Eintrag von nährstoffangereichertem Süßwasser.

Naturschutzgebiet an der Ostseeküste am Poel-Damm in der Wismarer Bucht // Foto: MeerART

Landschaftlich wechseln sich kurze Hochufer an der Festlandseite mit sehr flachen Überflutungsabschnitten an der Poeler Küste ab. Die Salzgrünlandflächen mit Schwemmlandinseln und -ufern werden von Prielen durchsetzt. Die höher gelegenen Flächen sind sehr trocken und darum fühlen sich auf dem kargen Boden Trockenmagerrasen und Dornensträucher besonders wohl. Die beiden kleinen und unbewohnten Inseln Ahrendsberg und Baumwerder gehören ebenfalls zu diesem einmaligen Gebiet.

Ein Fauler See, der ganz und gar nicht stinkt

Das Naturschutzgebiet „Fauler See – Rustwerder“ befindet sich im Südwesten der Insel Poel und umfasst 136 Hektar. Der Abschnitt erstreckt sich im Süden von der Ausfahrt der Kirchsee um den West- und Nordteil der Insel bis zum Gollwitzer Strand. An der Westküste zwischen dem Ende des Kliffs im Süden und einem breiten nördlich angrenzenden Sandstrand liegt der Hafen von Timmendorf. Ganz im Norden befindet sich noch das Naturschutzgebiet „Insel Langenwerder“ mit einem zugehörigen breiten Flachwassersaum.

Naturschutzgebiet an der Ostseeküste am Poel-Damm in der Wismarer Bucht // Foto: MeerART

Leider oder Gott sei Dank darf das Schutzgebiet nicht betreten werden. Man würde die brütenden und rastenden Vögel sonst stören. Es wurde am 20. September 1984 unter Schutz gestellt, um ein beweidetes Strandwall- und Hakensystem unter Einschluss einer Brackwasserlage (wie sich das immer anhört) an der südwestlichen Ostseeküste zu erhalten.  Man hat aber von den Ortslagen Bradenhusen und Hinterwangern  einen sehr guten Blick über das Gebiet. Hier in Hinterwagern gibt es auch einen tollen, nicht überlaufenen, Naturstrand, der für Ruhesuchende sehr zu empfehlen ist.

Naturstrand bei Hinter Wangern auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Der Faule See wird von einer Salzwiesenabfolge umgeben, welche botanisch gesehen, sehr wertvoll ist. Um diese zu erhalten, wird sie mit Pferden und Rindern beweidet. Optisch gesehen ist es das i-Tüpfelchen, denn es wirkt für mich/uns total romantisch – wie eine wilde und unberührte Natur. Die Lagunenbereiche sind mit Seegras bedeckt. Im Spülsaumbereich wachsen Strand- und Spieß-Melde, Salzmieren, Kali-Salzkraut, Meersenf.

Naturschutzgebiet an der Ostseeküste am Poel-Damm in der Wismarer Bucht // Foto: MeerART

Zu den Brutvogelarten, denen es an diesen geheimnisvollen Ecken der Insel besonders gut gefällt, gehören Rotschenkel, Austernfischer, Mittelsäger, Kiebitz, Säbelschnäbler, Kampfläufer und Sandregenpfeifer. Und zu denjenigen, die vorbeikommen um sich auszuruhen, gehören Gänse, Enten und Schwäne. Sogar die Wechselkröte, eine Amphibienart, findet in brackigen Kleingewässern ihren Lebensraum.

Nicht immer sind es die touristischen Gebiete, die einen in den Bann ziehen.

10 Kommentare zu „Eine Insel und ihre geheimnisvollen Ecken“

  1. Hallo Claudia,
    in Deiner Beschreibung schwingt eine wunderbar nachvollziehbare, unvergessliche Stimmung, begleitet von Bildern zum träumen. Poel, ich bin reif für diese Insel.
    Herzliche Grüße,
    Axel

    1. Lieber Axel,

      herzlichen Dank für die romantische Umschreibung. Da kann ich nur sagen, Koffer packen, die Liebste einpacken und los. 😉

      Liebe Grüße
      Claudia

    2. Brigitte Kösch

      Moin an die Ostsee.im letzten Jahr waren wir für eine Woche in Wismar .
      Eine wunderschöne Stadt . So war eine Tour, auf die uns vorher nicht bekannte Insel
      POEL , angesagt.
      Kurz und knapp , KIRCHDORF , war für mich Liebe auf den 1. Blick .
      Und dann TIMMENDORF …. einfach wunderbar .
      Ein Bild , von einem Foto erstellt , hängt bei uns gerahmt an der Wand .
      Wir werden wieder nach Poel kommen .
      Grüße aus dem bergischen Land

  2. Hallo Claudia,

    jetzt weiß ich erst, was wir alles nicht gesehen haben an dem Wochenende auf Poel. Das heißt dann wohl der Insel noch einmal einen Besuch abzustatten, um all die „verborgenen“ Fleckchen noch einmal zu erkunden.

    Ein super schöner Bericht………………… wie immer. 🙂

    1. Liebe Ilona,

      vielen Dank für die lieben Worte. Was hält Dich ab? Koffer packen und los. Wir wünschen Dir vie Spass beim Erkunden.

      Liebe Grüße
      Claudia

  3. Denise Holtkamp

    Hallo Claudia,

    an unsere Überfahrt nach Poel kann ich mich noch sehr gut erinnern. Es war noch sehr früh am Tag und das Licht war einfach traumhaft. Wir haben dann einfach mal angehalten, um den Ausblick auf den Meeresarm und die unberührte Natur zu genießen. Es hatte etwas Mystisches.
    Am Hafen von Timmendorf haben wir auch Halt gemacht und dort eines der leckersten Fischbrötchen weit und breit direkt vom Kutter gegessen. Da musste gleich noch ein zweites hinterher. Liebe geht eben auch durch den Magen.
    Poel ist einfach liebenswert und wir werden die Insel ganz bestimmt ein zweites Mal besuchen.

    Liebe Grüße aus HH
    Denise

    1. Moin liebe Denise,

      dann ging es euch ja wie uns. Die Insel ist wirklich zauberhaft und wir hoffen sehr, dass sie sich ihren Charme bewahren kann. Überall gibt es noch so schöne Ecken, die nicht überlaufen sind. Wir persönlich mögen das ja sehr. Schade nur, dass wir es vor unserem Umzug nicht mehr geschafft haben. Eigentlich wollten wir auch noch mal hin. Nun sind die Wege weiter, aber dafür haben wir nun anderes direkt vor der Haustür. 😉

      Oh ja, die Fischbrötchen… die sind wirklich sau lecker.

      Senden dir ganz liebe Grüße nach Hamburg,
      Claudia

  4. Gerade zurück von Poel und ja ich kann es nur bestätigen, Poel ist super schön. Ich war auch am Faulen See und die Sonne hat ein unvergessenes Naturschauspiel geboten. Die überfahrt nach Poel ist immer traumhaft. Diese Mal waren die Sonnenauf- und Untergänge super schön. Als Wiederholungstäter freue ich mich schon auf den nächsten Poel Besuch.

    1. Moin liebe Sabine,

      das freut mich zu lesen. Schön, dass ihr so eine tolle Zeit hattet.
      Das Naturschauspiel am Faulen See hätte ich mir auch zu gerne angeschaut. Überhaupt, scheinen dieses Jahr – vermutlich durch das tolle Wetter – die Sonnenauf- und Untergänge ein Traum zu sein. Wenn ich mir den Himmel morgens und abend so betrachte, dann möchte man ständig draußen am Meer sein.
      Genieße deine Erinnerungen.

      Ganz liebe Grüße,
      Claudia

  5. Pingback: Poel – Infoseite – www.radundinsel.de

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