Neulich haben wir von einem Leser den Tipp bekommen, dass der Schlossgarten von Schackenborg nun auch für Besucher öffentlich zugänglich ist. Das hat uns natürlich neugierig gemacht.
Denn die kleine Schlossstraße von Møgeltønder hatte uns bei unserem ersten Besuch schon begeistert. Auch Teile des Schlosses durften wir bei einer Veranstaltung, an der wir einmal teilgenommen hatten, bereits kennenlernen. Aber als Gartenliebhaberin hat mich natürlich vor allem eines interessiert: Wie sieht es hinter dem Tor zum Schlossgarten aus?
Das Wetter war an diesem Tag zwar nicht gerade prickelnd, aber das sollte uns nicht davon abhalten, uns eine kleine Auszeit zu gönnen. Glücklicherweise liegt Møgeltønder von uns aus nicht allzu weit entfernt.
Und wenn ihr den Ort noch nicht kennt, schaut unbedingt auch bei unserem Beitrag „Møgeltønder – ein hyggeliges Dorf mit Geschichte“ vorbei. Dort nehmen wir euch ausführlicher mit durch die historische Schlossstraße, zur Kirche und natürlich zu Schackenborg.
Hier soll es heute aber vor allem um eines gehen: den Schlossgarten.

Flanieren in der Altstadt von Møgeltønder
Wir waren extra früh losgefahren, in der Hoffnung, dass zu dieser frühen Stunde noch nicht so viel los sein würde. Wie sich herausstellte, waren wir sogar ein bisschen zu früh. Der Schlossgarten öffnet erst um 11 Uhr.
Also nutzten wir die gewonnene Zeit für einen weiteren Spaziergang durch die Altstadt von Møgeltønder und die Slotsgade. So früh am Tag wirkte alles noch ein wenig verschlafen. Bis auf den kleinen Antikhändler in der Straße hatte noch kaum etwas geöffnet.
Für Fotos natürlich perfekt. Na ja, bis auf das Wetter. Das wollte nach wie vor nicht so recht mitspielen. Aber was soll’s. Hauptsache mal wieder raus.

Besonders schön war es, Møgeltønder einmal im Frühjahr zu erleben. Bei unseren früheren Besuchen waren wir meist in der kalten Jahreszeit hier gewesen und hatten deshalb weder das frische Laub an den Bäumen noch die vielen Rosen vor den Häusern blühen sehen. Auch deshalb hat sich dieser Besuch schon gelohnt, bevor wir überhaupt einen Fuß in den Schlossgarten gesetzt hatten.

Gartengenuss mit kleinen Hindernissen
Pünktlich um 11 Uhr standen wir wieder vor dem Torhaus. Mit uns hatten offenbar noch einige andere Besucher darauf gewartet, dass sich das Tor öffnet. Nur … Es tat sich nichts. Wir warteten. Und warteten. Nach etwa zehn Minuten beschlossen wir, die Zeit nicht einfach verstreichen zu lassen, und gingen noch einmal in den angrenzenden Park. Offenbar mussten wir uns ein wenig in dänischer Gelassenheit üben. 😉

Møgeltønder liegt übrigens auch am Marschpfad durch die Tønder Marsken. Wer gern wandert, kann den Ort deshalb wunderbar mit einer längeren Tour durch die südjütländische Landschaft verbinden.
Für uns sollte es heute allerdings deutlich gemütlicher werden. Wir wollten in den Garten und aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Also versuchten wir es noch einmal.

Endlich im Schlossgarten
Beim dritten Anlauf hatten wir Glück. Während wir wieder auf das Torhaus zusteuerten, kamen zwei Damen angelaufen, die etwas hektisch auf ihre Uhren schauten. Schnell wurden die Tore geöffnet und uns wurde fröhlich zugerufen: „Komm rin!“
Na, wenn das keine Einladung ist.

Heute wissen wir, dass der innere Schlossgarten von Schackenborg seit dem Sommer 2021 öffentlich zugänglich ist. Jeden Tag können Besucher die Wege zwischen 11 und 16 Uhr erkunden – mit Blumen, Sträuchern und alten Bäumen, die dem Garten seinen besonderen Charakter geben. Und genau diese Mischung aus gepflegter Anlage und gewachsener Natur hat uns gefallen.
Der Schlossgarten wirkt wie ein kleiner Park
Im Vorfeld hatte ich mir ehrlich gesagt überhaupt keine richtige Vorstellung davon gemacht, was uns hinter dem Tor erwarten würde. Wie groß ist der Garten? Wie ist er angelegt? Ist er eher streng und formal oder eher natürlich? Die Antwort war für mich irgendwo dazwischen.
Der Bereich des inneren Schlossgartens, den wir betreten durften, wirkte angenehm überschaubar. Kein riesiger Park, in dem man sich erst einmal verlaufen muss, sondern ein Ort, den man ganz in Ruhe erkunden kann.

Der Weg zum Schloss selbst war bei unserem Besuch noch abgesperrt. Auch ein Nebengebäude, in dem sich offenbar ein Café befand, war noch geschlossen. Alles wirkte sehr gepflegt und gleichzeitig ein wenig verschlafen.
Dazu die dunklen Wolken am Himmel. Das sorgte für eine ganz eigene Stimmung. Und irgendwie passte es.

Besonders imposant finde ich in historischen Gärten immer die alten Bäume. Manche dürfen ganz für sich wirken, andere bilden einen schützenden Rahmen um die Gartenbereiche. Auch im Schlossgarten von Schackenborg sind sie ein wesentlicher Teil der Atmosphäre.

Dazwischen leuchteten riesige Rhododendren, die gerade in voller Blüte standen. Die Staudenbeete waren dagegen noch eher zurückhaltend. Hier und da zeigten sich bereits Taglilien, während andere Pflanzen offenbar noch auf ein paar mehr Sonnenstunden warteten. Es war Frühling. Und der Garten war noch mitten im Erwachen.

Ein Garten mit Geschichte
Was ich besonders spannend finde: Der Schlossgarten ist nicht einfach irgendwann neben dem Schloss entstanden. Seine Geschichte reicht bis in die Zeit zurück, als Schackenborg selbst erbaut wurde. Bereits damals wurden innerhalb des Wassergrabens Gärten angelegt. Der heutige innere Schlossgarten hat sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert und wurde von den Vorstellungen und Gartenidealen verschiedener Epochen geprägt.
Auch der äußere Schlossgarten, Sønderhaven, hat eine lange Geschichte. Er wurde Ende des 17. Jahrhunderts von Sophie Dorothea Schack angelegt und begann als klassischer Barockgarten. Später wurde er unter anderem mit Lindenalleen erweitert und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Mischung aus Wald, offenen Flächen, Wegen und alten Bäumen.
Beides zusammen macht deutlich, dass Schackenborg nicht nur aus dem eigentlichen Schloss besteht. Auch die Gärten erzählen ihre ganz eigene Geschichte.

Ein paar Exoten
Da wir selbst Gartenbesitzer sind, schaut man natürlich automatisch, was in anderen Gärten wächst. Ich mache das jedenfalls so. Wir versuchen in unserem eigenen Garten möglichst viele heimische Pflanzen zu verwenden. Ganz ohne den einen oder anderen Exoten kommen wir allerdings auch nicht aus. Und natürlich entdeckte ich auch hier im Schlossgarten einige Pflanzen, bei denen ich genauer hinschauen musste.

Besonders ins Auge fiel mir das Mammutblatt (Gunnera manicata). Eine beeindruckende Staude, die ursprünglich aus Südbrasilien stammt und mit ihren riesigen Blättern wirklich etwas hermacht. Schon allein wegen ihrer Größe bleibt man unweigerlich stehen.

Und dann war da noch dieser eine Baum. Auf dem Rückweg fiel mir aus dem Augenwinkel etwas auf, das zunächst wie silbrig schimmernde, herabhängende Blätter aussah. Ich wollte natürlich wissen, was das ist. Also Handy gezückt, Pflanzenerkennungs-App geöffnet – und siehe da: ein Taschentuchbaum.
Die großen weißen Hochblätter hängen wie kleine Taschentücher zwischen den Zweigen und geben dem Baum ein ganz eigenartiges, fast märchenhaftes Aussehen. Wie gut, dass es inzwischen Apps gibt, mit denen man neugierige Gartenmenschen wie mich nicht völlig ratlos stehen lässt. 😉
Ruhe hinter dem Tor
Was mir am Schlossgarten besonders gefallen hat, war gar nicht unbedingt eine einzelne Pflanze. Es war die Ruhe. Kaum war das Tor hinter uns, veränderte sich die Stimmung. Draußen lag Møgeltønder mit seinen hübschen Häusern und der historischen Slotsgade.

Hier drinnen war plötzlich alles ein wenig langsamer. Alte Bäume, Rasenflächen, Blüten und das Schlossensemble bildeten einen Ort, an dem man ganz automatisch leiser wird. Vielleicht ist es genau das, was einen historischen Garten so besonders macht. Er muss nicht spektakulär sein. Manchmal reicht es, wenn er einem das Gefühl gibt, für einen Moment aus dem Alltag herauszutreten.
Schackenborg – Schloss, Garten und Geschichte
Bei unserem Besuch ging es uns eigentlich nur darum, endlich einmal einen Blick in den Schlossgarten werfen zu können. Am Ende haben wir aber wieder einmal festgestellt, dass Schackenborg viel mehr ist als ein schönes Schloss. Es ist ein Ort, an dem sich Geschichte, Gartenkunst und südjütländische Landschaft miteinander verbinden.

Heute gehört Schackenborg der Schackenborg-Stiftung, die das Schloss und die zugehörigen Anlagen betreibt und sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, Schloss und Park für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und genau das ist es, was einen Besuch heute so schön macht: Man darf ein Stück dieser besonderen Anlage selbst entdecken.
Unser Fazit
Wir hatten uns an diesem Tag eigentlich nur eine kleine Auszeit vorgenommen. Ein bisschen durch Møgeltønder schlendern, den Schlossgarten anschauen, ein paar Fotos machen und dann wieder nach Hause. Natürlich kam es anders.

Denn wie so oft bei unseren kleinen Ausflügen waren wir am Ende länger unterwegs als geplant und hatten wieder einmal mehr gesehen, als wir erwartet hatten. Für Gartenliebhaber ist der Schlossgarten von Schackenborg sicherlich ein schönes Ziel. Aber auch wer einfach einen ruhigen Ort sucht, an dem sich ein Spaziergang mit ein wenig Geschichte verbinden lässt, dürfte sich hier wohlfühlen. Und wer ohnehin in Møgeltønder ist, sollte die Gelegenheit nutzen. Denn hinter dem schönen Tor wartet ein Garten, der seine Geschichte nicht laut erzählt. Man muss schon ein bisschen hinschauen, aber genau das mögen wir.
Noch mehr Møgeltønder entdecken
Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, Møgeltønder selbst zu entdecken, nehmt euch ruhig ein bisschen mehr Zeit als wir bei unserem ersten Besuch. In unserem Beitrag „Møgeltønder – ein hyggeliges Dorf mit Geschichte“ nehmen wir euch mit durch die historische Slotsgade, zur Kirche und bis nach Schackenborg. Und wer den Schlossgarten besucht, kann danach vielleicht genau wie wir feststellen:
Für Møgeltønder braucht man mehr als einen kleinen Ausflugs-Quickie.
Buchtipp: Sønderjylland – eine Perle im Süden Dänemarks

Erscheinungsdatum: 13.12.2023
Autoren: Claudia Kerpa, Ralph Kerpa
Preis: 45,00 EUR
E-Book: 17,99 EUR
Gebundene Ausgabe: 134 Seiten
ISBN-13: 978-3758309694
Verlag: Books on Demand









