Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

Vester Vedsted liegt gefühlt irgendwo im Nirgendwo an der dänischen Westküste und ist doch so reich an Geschichte und Entdeckungen. Wir geben dir einen ersten Einblick.

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

Schon lange hatten wir uns nicht mehr so treiben lassen wie heute. Das Wetter fies kalt und wenig einladend. Und dennoch ist die Sehnsucht, endlich mal wieder herauszukommen und etwas Neues zu sehen, groß. Ein richtiges Ziel hatten wir eigentlich gar nicht. Außer, dass wir uns endlich mal die Zeit nehmen wollten, um ein paar Antikläden anzufahren. Wo es uns hinführen würde, hatten wir ein wenig dem Zufall überlassen. Einzige grobe Richtung, die wir uns vorgenommen hatten, war die Westküste hinaufzufahren. Wir versuchten uns an Läden zu erinnern, die wir bereits mehrfach bei unseren Touren gestreift hatten und Schildern zu folgen, die uns wiederum an ganz neue, noch unbekannte Orte führten, wie Vester Vedsted.

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

Der Grænsestien bei Vester Vedsted

An diesen Ort hat uns das Abfahrtsschild gelockt, das uns den Weg nach Mandø zeigte. Eine Insel, die noch auf unserer To-Do-Entdeckerliste steht und von der wir wissen, dass diese nicht ganz einfach zu erreichen ist. Man kommt dort nur über einen Damm hin, der sehr stark von den Gezeiten abhängig ist. Wir folgten der Beschilderung, die uns zu einem Schleichweg führte, der so schmal ist, dass nur ein Auto in eine Richtung fahren kann. Wenn ein Auto entgegenkommt, und das Pech hatten wir gleich zwei Mal, dann bleibt nur der Rückwärtsgang. Der Weg endet direkt am Deich. Vor uns lag ein imposantes Gebilde, das eine Art Denkmal für den ehemaligen Grenzpfad (Grænsestien) zu sein schien.

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

Wir befanden uns hier wieder mal auf historischem Boden. Bei der Niederlage an Preußen im Jahr 1864 verlor Dänemark ein Drittel seiner Fläche. Sønderjylland wurde deutsch. Die neue Grenze verlief südlich um Kolding, entlang des Kongeåen und südlich um Ribe. Was wieder Mal so wunderbar an Dänemark ist, das Geschichte mit Natur verbunden wird. Es gibt einen Grenzpfad (Wanderweg), der entlang der Grenze vom Wattenmeer bis hin zum Kongeåen führt. Auf dieser Route könnt ihr, dank vieler Hinweistafeln, ein wenig über die Geschichte von Gendarmen, Grenzgängern, Zollbeamten, Schmugglern und dänisch gesinnten Südjütlandern im deutschen Kriegsdienst in Erfahrung bringen.

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

MYRTHUE – Natur, Kultur & Lernen

Genau hier in Vester Vedsted haben wir noch etwas anderes entdeckt. Neben einigen alten Bunkern gibt es kleine Shelters, die für einen Aufenthalt im Freien gebucht werden können. Lagerfeuerromantik direkt am Deich. Sowohl Lagerfeuer als auch Unterstände können beim Joint Office for MYRTHUE – Nature, Culture & Learning reserviert werden. Bei Interesse könnt ihr eure Anfrage über folgenden Link https://myrthue.esbjerg.dk/baalhytte-og-shelters/book-shelters senden.

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

Gebuchte Gruppen haben Vorrang und derartige Ausflüge sind beliebt. Es können durchaus mehrere Gruppen gleichzeitig sein, also solltet ihr darauf vorbereitet sein, den Platz mit anderen zu teilen.

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

Da wir uns noch ein wenig die Beine vertreten wollten, liefen wir oben auf dem Deich entlang. Obwohl es ein typisch grauer Novembertag war, waren wir vom Licht begeistert. Besonders die Spiegelungen über dem Wattenmeer sind immer wieder atemberaubend. Es war so still an diesem Tag. Kein Lüftchen, keine Bewegung. Wie ein Spiegel.

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

Die Sage von Okholm

Wir sind bis zum Vandhøjde Mandøvejen gegangen. Das ist die Stelle, wo in den Sommermonaten täglich der Traktorbus über die Furt von und nach Mandø fährt. Dort wartete bereits eine nächste Geschichte auf uns. Oder besser eine Sage, nämlich die von Okholm.

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

Okholm heißen die vier Höfe, die nordwestlich von Vester Vedsted liegen. Früher soll es hier mal eine Seeräuberburg gegeben haben. Der Burgherr, Okke oder Aage genannt, ging auf Wikingerfahrt, während seine Frau Ingeborg alleine zurück blieb.

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

Es sollen Tage und Jahre vergangen sein, in denen sie vergeblich auf die Heimkehr ihres Mannes wartete. Jeden Abend, wenn die Sonne unterging, ging sie zum Meer, wo sie lange stand und Ausschau hielt. Vergebens. Ihr Mann kam niemals zurück. Ingeborg soll vor Sehnsucht gestorben sein. Aber nicht mal der Tod gab ihr Ruhe. In sternenklaren Nächten, wenn der Westwind sanft gegen die Küste wehte, saß ihr Geist, eingehüllt in weiße Gewänder, am Ufer. Ihr Haar flatterte im Wind und sie hielt weiterhin Ausschau. Sogar ein Weg ist nach ihr benannt.

Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch // Foto: MeerART

Es war nur ein kleiner Abstecher nach Vester Vedsted und doch haben wir wieder so viel Neues entdeckt. Wir werden auf jeden Fall im Frühjahr noch einmal wiederkommen und noch das eine oder andere Dorf vorstellen, das uns auf dieser Tour begegnet ist. Seid also gespannt.

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2 Kommentare zu „Vester Vedsted, mal deutsch, mal dänisch“

  1. Ach man, es ist schon spät und dunkel… Dabei möchte ich doch immer direkt nach dem Lesen deiner wundervollen Berichte losfahren. Ingeborgs Schicksal macht Gänsehaut ♡

    1. Moin liebe Heike,

      lach, momentan ist es aber auch früh dunkel. Freut mich, dass dir unser Kurztrip gefallen hat. Das Schicksal ist in der Tat traurig, aber auch so rührend. Ich möchte gar nicht wissen, wie vielen es vielleicht ähnlich ergangen ist. Auf jeden Fall hatte sie einen sehr schönen Ort der Sehnsucht.

      Liebe Grüße,
      Claudia

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