Die Wattwanderung – ein ganz besonderes Erlebnis

Ein sonniger Sommervormittag an der Nordsee im Watt und auf der Sandbank vor Westerhever // Foto: MeerART

Eine Wattwanderung gehört mit zu den schönsten Erlebnissen an der Nordsee. Allerdings sollte man ein paar Regeln beachten, damit aus dem Naturerlebnis kein Albtraum wird. Nachfolgend haben wir ein paar hilfreiche Tipps für euch.

Leider werden die Gefahren, die bei einer Wattwanderung lauern können, nur zu gern unterschätzt. Daher kommt es immer wieder zu unschönen Erlebnissen, die im schlimmsten Fall sogar mit dem Tod enden können.

Ein sonniger Sommervormittag an der Nordsee im Watt und auf der Sandbank vor Westerhever // Foto: MeerART

Und nein, es sind nicht immer die Draufgänger oder die Uneinsichtigen, denen etwas passiert. Es gibt in der Tat so viel Unvorhergesehenes. Zum Beispiel kann das Wetter von jetzt auf gleich umschlagen oder ihr vertrödelt die Zeit, weil es einfach zu schön ist. Das ist uns auch mal passiert.

Geführte Wattwanderung

Für alle, die zum ersten Mal eine Wattwanderung unternehmen, empfehlen wir eine geführte Wattwanderung. Erstens erfahrt ihr so unheimlich viel über den Lebensraum, was die Wanderung zu einem ganz tollen Erlebnis werden lässt und zweitens könnt ihr euch so auch mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen. Denn Watt ist nicht gleich Watt. Außerdem verändern sich die Strömungsverhältnisse ständig, daher prüfen auch erfahrene Wattführer stets auf´s Neue ob Wege noch sicher sind.

Seminarwochenende der Schutzstation Wattenmeer am Leuchtturm Westerhever // Foto: MeerART

Wir waren zwar schon oft allein im Watt unterwegs, aber immer nur an Orten, die wir kennen. Wenn wir neue Orte erkunden möchten, dann zumindest beim ersten Mal nur mit einem kundigen Wattführer. Der kann einen auf die Gefahren vor Ort hinweisen, ob Untiefen sind oder von wo die Priele zuerst voll laufen. Oft sieht man auf den ersten Blick gar nicht von wo das Wasser kommt und schwupps ist dein Rückweg abgeschnitten.

Ein Warnschild am Strand von St. Peter Ording // Foto: MeerART

Wie anfangs erwähnt ist auch uns das mal in St. Peter-Ording passiert. Zu lange hatten wir uns auf der Sandbank zwischen Böhl und Bad aufgehalten und vor uns hingeträumt. Die Zeit verging mal wieder viel zu schnell und wir merkten gar nicht, dass der Priel bereits voll gelaufen und unser Rückweg nach Böhl damit abgeschnitten war. Wie ihr euch denken könnt, war das ein ganz schöner Schreck, denn für ein paar Sekunden überkommt dich die Panik. Wichtig ist, die Ruhe zu bewahren. Natürlich war die Versuchung durch den Priel zu laufen oder zu schwimmen groß, das wäre aber lebensgefährlich gewesen.

Impressionen aus der größten Sandkiste Deutschlands, der weitläufige Strand an der Nordsee in St. Peter-Ording // Foto: MeerART

Wenn die Flut kommt, laufen die Priele nicht nur zuerst voll, sondern dies geschieht mit einer Geschwindigkeiten von bis zu 15 Kilometer pro Stunde. Das reißt dir den Boden unter den Füßen weg. In unserem Fall hatten wir das Glück uns hier auszukennen. So wussten wir, dass wir einfach weiter bis nach Bad laufen mussten, um trockenen Fußes davon zu kommen. Trotzdem war das ein Warnschuss, dass man niemals die Gezeiten unterschätzen soll, egal wie gut man sich auskennt.

Auf eigene Faust losziehen

Wenn man sich allein auf eine Wattwanderung begibt, sollte man auf alle Fälle ein paar Dinge beherzigen. Als allererstes empfehlen wir den Gezeitenkalender zu studieren oder zumindest vor Ort nachzufragen, wann ihr gefahrlos losmarschieren könnt.

Impressionen aus der größten Sandkiste Deutschlands, der weitläufige Strand an der Nordsee in St. Peter-Ording // Foto: MeerARTImpressionen aus der größten Sandkiste Deutschlands, der weitläufige Strand an der Nordsee in St. Peter-Ording // Foto: MeerART

Ich wiederhole noch mal, das ist ganz wichtig, denn viele denken irrtümlicherweise das Wasser ist weg, also laufe ich los. Das wäre fatal, denn gerade bei Niedrigwasser ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt eine Wattwanderung zu starten. Die Flut setzt nämlich sofort nach dem niedrigsten Wasserstand ein, d.h. ihr lauft genau in die Flut hinein.

Impressionen aus der größten Sandkiste Deutschlands, der weitläufige Strand an der Nordsee in St. Peter-Ording // Foto: MeerART

Behaltet auch immer das Wetter im Auge. Es versteht sich glaube ich von selbst, dass man bei Gewitter nicht losziehen sollte. Dasselbe gilt auch für Nebel oder Sonnenuntergänge. So verlockend und romantisch ein Sonnenuntergang im Watt auch sein mag, aber ihr verliert ganz schnell die Orientierung und dann lauft ihr im schlimmsten Fall genau in die falsche Richtung.

Rettungsturm am Strand von Westerhever // Foto: MeerART

Was wir euch auch wärmstens mit ans Herz legen möchten ist, meldet euch ab. Egal bei wem, ob im Hotel, im Restaurant oder bei Freunden. Das könnte im Notfall eure Lebensrettung sein. Es kommt nicht selten vor, dass euch euer Handy nichts nützt. Oftmals ist der Empfang schlecht oder es ist durch Panik oder Unachtsamkeit nass geworden und dann hilft es euch nicht weiter. Wann immer euch Gefahr droht, sucht die Rettungstürme auf und setzt einen Notruf ab.

Nützliches für den Rucksack

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würden, denn ich hasse Taschen oder Sachen, die ich mit mit rumschleppen muss, aber bei einer Wattwanderung ist so ein Rucksack mit nützlichen Dingen wirklich sehr wertvoll.

Das Nordseeheilbad Büsum // Foto: MeerART

Eine Wattwanderung kann mitunter sehr anstrengend sein. Auch die salzige Luft sorgt schnell für Durst, daher raten wir euch etwas zu trinken mitzunehmen. Eine kleine Brotzeit oder dergleichen ist, je nachdem wie lange man unterwegs ist, ratsam. Hunger und Durst sind jedenfalls schlechte Begleiter. Aber bitte nehmt euren Müll wieder mit. 😉

Seminarwochenende der Schutzstation Wattenmeer am Leuchtturm Westerhever // Foto: MeerART

Die entsprechende Kleidung versteht sich wohl von selbst und sollte an die Jahreszeit angepasst werden. Selbst im Sommer ist eine leichte Regenjacke oder ein Pulli zum Überziehen sehr wertvoll. Sonnenschutz, welcher Art auch immer ist ebenfalls ratsam. Vielleicht sogar eine Sonnenbrille, denn die Spiegelungen auf dem Boden können für die Augen anstrengend werden.

Impressionen von einem fantastischen Wochenende auf Amrum // Foto: MeerART

Als besonders nützliches Utensil erweist sich ein Kompass, denn wie gesagt, das Wetter kann ganz schnell umschwenken. Wo gerade noch Sonne und blauer Himmel war, kann unter Umständen dichter Seenebel eure Sicht vernebeln. Aufgrund des vielen Plastikmülls und der Gefahren, die dieser für die Tierwelt mit sich bringt, haben wir uns angewöhnt auch ein kleines Taschenmesser dabei zu haben. Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man einem Tier, das einem unterwegs begegnet und in Not ist, retten kann.

So, das war es eigentlich auch schon. Jetzt bleibt uns nur noch euch zu wünschen, dass eure Wattwanderung ein ebenso besonderes Erlebnis wird wie wir sie immer erleben dürfen.

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4 Kommentare zu „Die Wattwanderung – ein ganz besonderes Erlebnis“

  1. Liebe Claudia, lieber Ralph,

    danke für die ausführliche Information, was bei Wattwanderungen alles zu beachten ist. Das war mir eigentlich immer bewusst, doch es ist gut, von Zeit zu Zeit mal daran erinnert zu werden.

    Ich habe schon lange keine Wattwanderung mehr mitgemacht (das letzte Mal im Februar 2004!) im Rahmen einer Fastenwanderwoche. Das war mal was ganz Anderes.

    Ohne Führung würde ich in keinem Fall durchs Watt wandern. Es ist einfach sicherer mit einem kundigen Wattführer und, wie Du auch schreibst, erfährt man dabei sehr viel Interessantes über diesen Lebensraum, der normalerweise von Wasser bedeckt ist.

    Ich wünsche Euch einen schönen Rest-Mai und einen tollen Sommer.

    Ganz liebe Grüße
    Karin

    1. Moin Karin,

      sehr gerne.
      Ich bin immer wieder erstaunt, wie oft man hört, dass die Leute unvorsichtig sind. Anscheinend überschätzen sich immer noch zu viele und glauben, das Wattenmeer ist ein Kinderspielplatz. Blöd ist nur, dass die sich oft nicht allein in Gefahr bringen, sondern im schlimmsten Fall auch ihre Retter.

      Ansonsten kann ich nur immwer wieder sagen, dass das Erlebnis auf dem Meeresboden zu laufen unglaublich ist. Uns beeindruckt das jedes Mal.

      Danke liebe Karin, auch wir wünschen dir noch ein paar schöne Rest Mai Tage.

      Liebe Grüße,
      Claudia

  2. Moin Claudia,
    bei deinem Bericht zur Wattwanderung bekommt man direkt Fernweh.
    Zwar waren wir erst letztes Jahr zum Angeln dort, aber eine Wattwanderung haben wir nicht gemacht. Das soll sich dieses Mal ändern. So eine Wattwanderung wird dieses Jahr auf jeden Fall den Angelurlaub ergänzen.

    Petri und Grüße aus dem Süden

    1. Moin Daniel,

      oh das tut mir leid oder auch nicht. 😉 Schließlich hat so ein Fernweh auch seine Reize.
      Eine Wattwanderung können wir euch nur wärmstens empfehlen. Es ist ein ganz tolles Erlebnis auf dem Meeresboden zu wandern und die Artenvielfalt zu erleben. Zumindest, wenn man ein Auge dafür hat.

      Liebe Grüße in den Süden,
      Claudia

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