Sommer in Nordfriesland

Unser erster Sommer in Nordfriesland

Eine grandiose InselAuszeit auf Amrum mit einer ganz besonderen Überraschung // Foto: Ralph Kerpa

Wo bleibt nur die Zeit? Jetzt ist schon unser erster Sommer in Nordfriesland vorbei und eh wir uns versehen, rückt unser Einjähriges immer näher. Zeit also, wieder ein paar unserer Eindrücke niederzuschreiben.

Was das Wetter angeht, war dieser Sommer mit Sicherheit einer der genialsten seit langem. Sommersonne satt und das über Wochen. Wie drückte Rosa, eine liebe Nachbarin von uns, das so schön aus… „ihr denkt ihr zieht an die Nordsee und landet in der Karibik.“ Damit hatte sie nicht ganz unrecht, denn eigentlich fehlten nur noch die Palmen.

Eine grandiose InselAuszeit auf Amrum mit einer ganz besonderen Überraschung // Foto: Ralph Kerpa

Ein Sommer, in dem sich das Leben definitiv nur draußen abspielte. Manchmal kam es uns wie ein Deja vu vor, denn als wir vor 15 Jahren in unsere damalige Bleibe in Geesthacht einzogen, hatten wir auch so einen bombastischen Sommer. Aber wer nun darauf hofft, dass wir dem Sommer zu Liebe nun öfters umziehen – Fehlanzeige. Daraus wird nix werden, jedenfalls nicht freiwillig. 😉

Eigene Gartenträume erwachen lassen

Was in diesem Jahr tatsächlich ungewöhnlich war ist, dass der Sommer schon sehr früh begann. Unsere Seelen hat das enorm gestreichelt, den Renovierungsarbeiten im und am Haus jedoch ganz schön geschadet. Wer hat bei 30° C Grad schon Lust auf Renovierungen?! Wir jedenfalls nicht und so verlagerten wir prompt alle Aktivitäten in unseren Garten. Der hatte es dringend nötig.

Impressionen aus dem heimischen Garten // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Unsere Vorgänger hatten zwar allerhand im Garten gepflanzt, aber anscheinend nicht wirklich darauf geachtet, ob die Pflanzen standortgerecht stehen. Sommerstauden standen im Schatten und umgekehrt. Vieles kümmerte vor sich hin  und war zudem großflächig mit Unkraut überwuchtert. Darüber hinaus standen viele Bäume, Sträucher und Pflanzen viel zu eng bzw. wurden merkwürdigerweise überhaupt nicht nach Größen angeordnet. Große Bäume standen vor kleinen Sträuchern und Stauden. Es hatte den Eindruck, als wurde immer nur angeschafft und gepflanzt wo gerade Platz war. Ohne Sinn und Verstand, ober wir haben ihn nur nicht erkannt. 😉

Impressionen aus dem heimischen Garten // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Des weiteren hatten wir auch noch allerhand aus unserem alten Garten mitgebracht, das im Winter von uns erstmal zwischengeparkt werden musste. Tja, all das brauchte dann natürlich auch reichlich Wasser und das bei dem heißen Sommer. Was für ein Glück, dass wir einen Brunnen haben, der prall gefüllt vom letzten Regenjahr uns über diese trockene Zeit gebracht hatte. Fertig sind wir zwar noch lange nicht, aber das ist ja wie beim Eigenheim – es wird niemals fertig. 😉

Impressionen aus dem heimischen Garten // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Während alle Urlauber und auch viele Einheimische sich die Sommerzeit an der Nordsee vertrieben haben, haben wir jeden freien Moment im Garten genossen. Bei all den schlimmen Schlagzeilen über das Artensterben – wir selber haben es in der alten Heimat auch miterlebt – schätzen wir uns richtig glücklich, so viele Insekten und Amphibien im Garten zu haben. Die Racker, vor allem die Kröten und Frösche haben es uns nicht immer leicht gemacht. Egal wo wir auch zugange waren, mussten wir stets aufpassen keines der Tiere zu verletzen oder gar unnötig zu stören. Ganz neu war für uns auch das Taubenschwänzchen, das in diesem Sommer wohl viele Menschen verzaubert hat.

Impressionen aus dem heimischen Garten // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Unser Tipp: Für alles Wildbienenliebhaber haben wir noch eine Staudenentdeckung des Jahres gemacht, und zwar Beinwell. Diese Staude blüht bei uns schon seit April und tut es noch immer. Wildbienen lieben den Nektar und laben sich täglich daran. Zudem sieht die Pflanze auch noch schick aus. Wir haben sie nun an vielen Stellen im Garten verteilt, auf dass sich die Insekten auch im nächsten Jahr wieder daran erfreuen können.

Ungewohnte Stille

Der Sommer hatte aber nicht nur seine schönen Seiten. Wir mussten auch lernen mit der Stille umzugehen. Pünktlich zum Sommeranfang wurde eine Art Schalter umgelegt und alles um uns herum war im Urlaubsmodus. Während wir uns im Frühjahr vor Aufträgen kaum retten konnten, war nun beinah alles auf Null gefahren. Eine merkwürdige und aus beruflicher Sicht beängstigende Erfahrung. Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich nicht sagen würde, dass uns das trotz Sommerwetters des öfteren Sorge bereitet hat.

Das Atelier „MeerART / För to Huus“ in Langenhorn (Nordfriesland) mit handgefertigten Wohnaccessoires und Rahmen mit maritimen Motiven / Kerzenständer von Falko Drochner // Foto: MeerART/Ralph Kerpa

Was auch eine ganz neue und ungewohnte Herausforderung für uns war, auf dem Land ohne Auto zu leben. Das passierte uns von einem Tag auf den anderen. Unser Auto machte merkwürdige Geräusche (Verdacht auf Steuerkettenschaden) und musste abgeschleppt werden. Nicht nur die nächste Werkstatt ist von uns aus fußläufig nicht mehr erreichbar – wie man das in der Stadt sonst gemacht hat – sondern auch die Terminlage ist dort eine andere. Das kann auf dem Lande schon mal ein paar Tage länger dauern bis du an der Reihe bist.

Eine InselAuszeit im „Mein Inselhotel“ auf Amrum // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Wie gut, wenn man da so liebe und hilfsbereite Nachbarn und Mitmenschen hat, die einem sofort Hilfe angeboten haben. Ich kann gar nicht beschreiben wie dankbar wir dafür sind. Die Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft, die wir hier um uns herum erleben dürfen, ist grandios und die möchten wir defintiv nicht mehr missen wollen.

Sommerfest in Langenhorn

Und da wäre ich dann auch schon bei einer nächsten Überraschung. Ich schreibe das deshalb so ausführlich, weil ich an dieser Stelle auch mal gegen einige Vorurteile angehen möchte. Unsere netten Medien stellen Dorfgesellschaften gerne hinter die der Stadtgesellschaften. Wer das behauptet, kann beide Seiten definitiv nicht kennengelernt haben und dafür reicht schon ein einziges Beispiel, wie das Sommerfest in Langenhorn.

Impressionen aus der Gemeinde Langenhorn in Nordfriesland // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Das legendäre Sommerfest findet einmal im Jahr direkt auf dem Dorfplatz vor unserem Haus statt. Im Vorhinein haben uns dazu viele Geschichten ereilt, mal positiver und mal negativer Natur. Uns blieb jedenfalls nichts anderes übrig, als das Fest einfach auf uns zukommen zu lassen und so traten wir in die Reihe der stillen Beobachter. Ob man derartige Feste mag oder nicht mag, das möchte ich mal ganz außen vor lassen. Was ich aber gerne erwähnen möchte ist, zum einen die Art, wie der Auf- und Abbau vonstatten ging. Daran beteiligt sind zum einen die Gemeinde, aber auch viele Freiwillige – meist aus hiesigen Vereinen. Keiner hat sich wichtig genommen, sondern alle kompetent ihre Arbeit verrichtet – Hand in Hand.

Impressionen aus der Gemeinde Langenhorn in Nordfriesland // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Und das Beste kommt zum Schluss… nach dem Fest sah der Dorfplatz wieder aus wie vorher und dazu brauchte es keine riesigen Mülltrupps, die die Hinterlassenschaften der Feiernden wegräumte. Wozu auch, hier schmeißt man seinen Müll nicht auf den Boden, sondern nutzt die Müllbehältnisse, die dafür bereitgestellt wurden. Etwas, wovon sich Städter gerne eine große Scheibe abschneiden dürfen. Und noch etwas ist uns aufgefallen… viele der Jungs aus dem Fußballverein, die hier an den Ständen freiwillig Getränke ausgeschenkt haben, sahen richtig schnieke aus (also überhaupt nicht dörflich wie gerne behauptet wird) und konnten sogar (Standard) tanzen. Ich könnte noch weiter schreiben, um Vorurteile abzubauen, aber ich denke, das reicht erstmal als Gedankenanstoß. 😉

Eine kleine Zeitreise…

In unserem Beitrag „Langenhorn: Ein Dorf, das zur Heimat wurde“ haben wir schon einiges über unsere neue Heimat beschrieben. Vor drei Wochen durften wir noch ein wenig tiefer in die Historie eintauchen. Von zwei hiesigen Vereinen wurde ein Ortskulturspaziergang angeboten, an dem wir beide auch teilgenommen haben. Da wir im historischen Teil von Langenhorn wohnen, fanden wir es ganz spannend noch mehr über die Geschichte zu erfahren. Damit waren wir nicht allein, denn die Teilnehmerzahl war so groß, dass die Personen sogar in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Die Stadtionen beim Rundgang waren u.a. der alte Marktplatz, das Friedrich-Paulsen-Denkmal, die Alte Schmiede, die St. Laurentius Kirche (inklusive einer Kostprobe der legendären Orgel) und der Alten Schule.

Impressionen aus der Gemeinde Langenhorn in Nordfriesland // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Dabei haben wir viel erfahren über die Zeitgeschehnisse im Dorf, über die damaligen Marktrechte, über Friedrich Paulsen, die Kirche, was es mit der Orgel auf sich hat u.v.m. Sogar eine Zeitzeugin hat noch von dem großen Brand berichtet – dem wir letztendlich, so blöd wie das klingt, auch unser Haus zu verdanken haben. Es war spannend zu erfahren, wie es hier früher (vor dem Brand) ausgehen hat. Erläutert wurde auch die enorme Erfolgsgeschichte des Dorfes und, was uns ja auch schon aufgefallen war, dass es Langenhorn gelingt nicht nur traditionelle Baustile mit neueren harmonieren zu lassen, sondern auch Historie und Zukunft zu vereinen. Wir wissen schon warum wir ausgerechnet hier gelandet sind. 😉

Eine grandiose InselAuszeit auf Amrum mit einer ganz besonderen Überraschung // Foto: Ralph Kerpa

Es war wirklich ein ereignisreicher, erster Sommer für uns in Nordfriesland und wir hoffen, dass noch viele weitere folgen werden. Auch wenn wir den Sommer nur ungern ziehen lassen, aber auch auf den Herbst sind wir schon sehr gespannt.

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