Gollwitz – Vom Piratennest zum Urlaubsparadies

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Es war Sonntag und dem Namen entsprechend ein traumhaft schöner Tag. Zeit für neue Abenteuer, Zeit ein wenig auf Störtebekers Spuren zu wandeln. Das kleine Örtchen Gollwitz im Norden der Insel Poel mit seinen rund 80 Einwohnern war uns bisher irgendwie durchgeflutscht. Doch das sollte sich heute ändern.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: R. Kerpa

Schon beim Aussteigen aus dem Auto wurden wir auf die wilden alten Zeiten eingestimmt. Eine Nord-Ost-Strömung sorgte für reichlich Seegang. Das ohrenbetäubende Getöse der Wellen zog uns magisch zum Strand.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Den Piraten auf der Spur

Vorbei an einer alten Schatztruhe, die uns samt Infotafel so richtig auf die Piratenzeit einstimmte. Zur Zeit der Freibeuter, deren Anführer Klaus Störtebeker war, sollen sich hier an die 2000 Gesellen getummelt haben. Ein richtiges Räubernest, das Angst und Schrecken verbreitete. An die 30 Handelsschiffe wurden gekapert und versenkt, was dem Seehandel natürlich ganz schön zu schaffen machte.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: R. Kerpa

Aber schon am Strand wird der stetige Wandel sichtbar. Früher war das Wasser zwischen dem Gollwitzer Strand und der Insel Langenwerder noch für Schiffe befahrbar und wurde sogar als Nothafen benutzt. Das ist heute natürlich nicht mehr so. Gerade mal eine Handvoll Fischerboote lassen sich von den Wellen hin und her schaukeln. Doch mit ein wenig Phantasie lässt sich noch erahnen, was zur damaligen Zeit hier abgegangen sein muss.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Piraten tummeln sich heute keine mehr auf der Insel Langenwerder, dafür mehrere tausend Seevögel, von denen der eine oder andere auch leichte räuberische Aktivitäten aufweist. Die rund einen Kilometer lange und bis zu 450 Meter breite Insel ist unbewohnt und für Besucher grundsätzlich gesperrt. Daher bleibt für uns auch nur der sehnsüchtige Blick aus der Ferne.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Langenwerder ist das älteste Vogelschutzgebiet an der deutschen Ostseeküste

Lediglich außerhalb der Brutzeit bietet der Verein Langenwerder meist sonntags Führungen auf die Insel an. Langenwerder ist zwar eine Insel, aber bei ruhiger See kann man sie von Gollwitz aus betreten, indem man durch das flache Wasser rüber watet. Die Wassertiefe beträgt meistens einen halben Meter, bis auf einige tiefere Stellen. Da sollen dann schon öfters allzu unvorsichtige Urlauber ein unfreiwilliges Bad genommen haben. Aber Vorsicht, betritt man das Vogelschutzgebiet während der Brutzeit, muss man zu Recht mit einer Strafe rechnen.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Zu den brütenden Vögeln gehören Arten wie der Austernfischer, Küstenseeschwalben, Silber-, Lach- und Sturmmöwen sowie eine Reihe weiterer See- und Wattvogelarten. Sogar der Kranich ist hier wieder heimisch geworden. Mit den umliegenden Seen umfasst das Vogelschutzgebiet insgesamt 35 Hektar und wurde bereits 1910 gegründet. Damit ist Langenwerder das älteste Vogelschutzgebiet an der deutschen Ostseeküste.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Hier gab es jedoch kein Weiterkommen für uns und so drehten wir kurzerhand in die andere Richtung um. Aufgrund des hohen Seegangs war der ohnehin nicht so breite Strand heute nicht passierbar. Wir mussten uns also einen Weg oberhalb der Steilküste suchen, was auf Poel überhaupt kein Problem ist. Überall gibt es gut zugängliche Wander- und Fahrradwege.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Außerdem entschädigt der Blick von oben für den nicht vorhandenen Strand. Man sah richtig wie die Wellen den Strand aufwühlten. Die Farben des Meeres reichten von tiefblau bis hin zu erdig braun, je dichter sie an das Ufer kamen. Ein Hinweisschild verriet uns, dass wir uns auf dem Weg in Richtung Schwarzer Busch bewegten. An diesen ungewöhnlichen Namen werde ich mich irgendwie nie gewöhnen.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Auf uns sollte aber noch eine weitere Überraschung warten, denn bis dato wussten wir gar nicht, dass es in Gollwitz einen weiteren Leuchtturm gibt. Bisher kannten wir nur den in Timmendorf, was mich als Leuchtturmliebhaberin natürlich besonders freute.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Der Leuchtturm von Gollwitz

Aufgrund seiner zurückgesetzten Lage und wie es drum herum aussah, waren wir auch echt am Grübeln, ob es wirklich einer ist oder ob sich da jemand nur ein privates Domizil in Form eines Leuchtturms gebaut hatte. Wie sich im Nachhinein herausstellte, wurde aufgrund der Gegebenheiten mit der Grundinstandsetzung des Bauwerkes im Jahre 1996 eine separate Errichtung des Leitfeuers Gollwitz auf einem 23,4 Meter hohen Stahlgittermast etwas westlich vom Standort des Leuchtturmes errichtet. Gesehen hatten wir die auch, aber als solche beim Vorbeigehen nicht wahrgenommen.

Strandabschnitt am "Schwarzen Busch" auf der idyllischen Insel Poel // Foto: R. Kerpa

In Schwarzer Busch angekommen, hatten wir nun auch endlich wieder die Möglichkeit an den Strand zu gehen. Hier war es aufgrund des herrlichen Sonntags auch gleich etwas voller am Strand, aber trotzdem noch leer genug, um sich richtig frei und wohl zu fühlen.

Strandabschnitt am "Schwarzen Busch" auf der idyllischen Insel Poel // Foto: R. Kerpa

Bis zu diesem Moment hatten wir die eisigen Temperaturen völlig vergessen. Doch am Strand hatte der Wind uns wieder voll im Griff und dazu machte sich so langsam der Hunger bemerkbar. Ganz in der Nähe hatte sogar ein Lokal geöffnet. Doch die Vorstellung sich jetzt dort aufzuwärmen, um dann anschließend den langen Weg wieder zurückzugehen, schreckte uns dann doch ab.

Strandabschnitt am "Schwarzen Busch" auf der idyllischen Insel Poel // Foto: R. Kerpa

Wir verschmähten die heißen Leckereien, die so großzügig auf dem vom Wind durchgeschüttelten Schild standen und gingen zurück in Richtung Gollwitz. Immerhin würde am Auto auch ein gefüllter Picknickkorb auf uns warten.

Ein schöner Wintertag im Februar 2015 auf der Insel Poel // Foto: MeerART

Die neue Promenade Am Schwarzen Busch wurde übrigens erst im Sommer 2003 fertiggestellt. Sie ist insgesamt 973 Meter lang und verbindet den weißen Sandstrand mit den Bungalows. Der Tourismus hat hier eine lange Tradition. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts standen Am Schwarzen Busch die ersten Badekarren.

6 Kommentare zu „Gollwitz – Vom Piratennest zum Urlaubsparadies“

  1. Hallo Ihr 2,
    da hattet Ihr ja echt Klasse Wetter an dem Tag!!! Und reichlich Wasser:)
    Sehr schöne Photos und Claudia hat wie immer exakt recherchiert.
    Und der Weg von Gollwitz zum Schwarzen Busch hat seinen ganz eigenen Reiz.
    Übrigends der Name Schwarzer Busch stammt von einem dichten Buschbewuchs mit angrenzendem Waldstück, das überwiegend aus Eichen und Sanddorn besteht. Dieses Gehölz liegt auf einem alten Hof, das angeblich mal einen Bauern mit Namen Schwartz gehörte. Daraus leitet sich “Schwarzer Busch” ab. Dass der „schwarze Busch“ noch steht, ist Schiffskapitänen zu verdanken, die den Grünstreifen als Landmarke benötigten und diesen so vor der Abholzung gerettet haben.

    Wirst Dich an den Namen gewöhnen müssen:)

    Liebe Grüße von Harald

    1. Moin Harald,

      herzlichen Dank. Das von dir zu hören freut uns ganz besonders. 😉
      Danke für den Hinweis, dass mit dem Namen habe ich noch gar nicht gewusst. Klasse was man alles lernt, das macht richtig Spaß. Schade nur, dass man nicht alles behalten kann, aber wir können es ja immer wieder nachlesen. Nach dem was ich von dir lese, können wir den Schiffskapitänen in der Tat dankbar sein. Diese regelrechte Abholzung ist eine Schande. Und mit dieser Geschichte fällt es auch viel leichter sich an den Namen zu gewöhnen. 😉

      Herzliche Grüße,
      Claudia

  2. Christine Mayer

    Guten Morgen,

    das war gerade wie ein kleiner Urlaub, vielen Dank.
    Die Bilder sind super.

    Eine gute Zeit und viele Grüße
    Christine

    1. Liebe Christine,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar.
      Schön, dass wir dir diesen kleinen Urlaubsgedanken mit auf den Weg geben konnten. Genau das sollen unsere Beitrag nämlich sein. Ein kurzer Ausflug aus dem Alltag. Und bei so schönen Gegenden fällt es besonders leicht. 🙂

      Herzliche Grüße,
      Claudia

  3. Karin Vietheer

    Liebe Claudia,

    das sind sehr schöne Fotos von Gollwitz und Umgebung, die neugierig machen, mehr davon zu sehen.
    Im letzten Jahr waren wir im September auf Poel – in Kirchdorf, Timmendorf und beim Cap Arkona-Denkmal. Hinweise auf Gollwitz und Schwarzer Busch haben wir gesehen. Weil es schon später Nachmittag war, haben wir uns das dann nicht mehr angesehen, weil wir nach Wismar zurück mussten zu unserem Hotel.

    Aber ich glaube schon, dass Poel noch mehr zu bieten hat. Kommt fürs nächste Jahr auf unsere Liste, die auch schon immer länger wird. 🙂

    Liebe Grüße
    von Karin

    1. Liebe Karin,

      schön mal wieder von dir zu hören.
      Ich weiß nicht ob du dir immer nur die Bilder anguckst oder auch die Beiträge dazu liest. Falls nicht gebe ich dir hier noch einmal den Link: https://www.meerart.de/gollwitz-vom-piratennest-zum-urlaubsparadies/
      Gollwitz hatten wir bis dato auch immer übersehen, keine Ahnung warum. Dabei hat das ehemalige Piratennest unheimlich viel zu bieten. So wie die ganze Insel, das hast du richtig erkannt. 😉 Wir mögen dieses kleine Eiland unheimlich gerne und sind schon unzählige Male hier gewesen. Trotzdem haben auch wir noch nicht alles gesehen. Somit bleibt auch unsere Liste enorm lang. 🙂

      Ganz liebe Grüße und bis bald,
      Claudia

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