Der Traditionshafen Wischhafen

Impressionen aus dem wunderschönen und idyllischen Kehdinger Land // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Bei unserem Streifzug durch das Kehdinger Land sind wir auch an dem Traditionshafen Wischhafen vorbeigekommen. Klar, dass wir uns diesen näher angucken mussten. Schon das Wort Traditionshafen zieht uns immer an, denn in der Regel sind in solchen Häfen nicht nur schicke Oldtimer untergebracht, oft verbirgt sich auch eine spannende Geschichte dahinter.

Dieser Hafen unterliegt den Gezeiten der Nordsee. Als wir ankamen war gerade Ebbe. Ich weiß nicht warum, aber immer wenn ich Schiffe im Schlick feststecken sehe, muss ich an den Begriff „Schlickrutscher“ denken, aber das nur nebenbei. 😉 Es fasziniert mich ja schon immer, dass sich Schiffe mit ihrem Gewicht über Wasser halten können, dass sie ohne Wasser unter dem Kiel von ihrem Eigengewicht nicht erdrückt werden, ist für mich mindestens genauso eindrucksvoll.

Impressionen aus dem wunderschönen und idyllischen Kehdinger Land // Foto: MeerART

Ein Schiff hat es mir gleich besonders angetan. Dieses blaue (T 48) mit den verwitterten Planken finde ich besonders schön. Schiffsfanatiker einfach die nächste Zeile überlesen, damit ihr eure Stirn nicht kräuseln müsst. Denn ich könnte mir das zweckentfremdet auch im heimischen Garten vorstellen.

Impressionen aus dem wunderschönen und idyllischen Kehdinger Land // Foto: MeerARTImpressionen aus dem wunderschönen und idyllischen Kehdinger Land // Foto: MeerART

Aber Spaß beiseite, Leser des Blogs wissen, dass wir die alten Schiffe lieben und absoluten Respekt vor ihren Liebhabern haben, die diese Oldtimer mühevoll restaurieren und am Leben erhalten. Diese Exemplare hier sehen sogar richtig gut aus. Schautafeln an Land informieren über die jeweilige Vita des Schiffes.

Impressionen aus dem wunderschönen und idyllischen Kehdinger Land // Foto: MeerART

Ein Hafen mit Geschichte

Auch der Hafen selbst hat eine bewegte Vergangenheit. Die jetzige Anlage geht auf das Jahr 1717 zurück, nachdem sein Vorgänger samt Schleusen bei der großen Weihnachtsflut zerstört wurde. Seine Anlage ist typisch für die Marschregion. Diese Art von Häfen wurden oft im Verlauf eines Entwässerungsfleetes, das durch eine Schleuse unterm Deich vom Außentief des Hafens getrennt wird, angelegt.

Diese Bauweise sorgt in der Regel dafür, dass mit dem Wasser des Fleetes der Hafen bei Ebbe vom eingetragenen Schlick durch Spülen befreit werden kann. Bei regelmäßigem Gebrauch und Schiffsverkehr funktioniert dieses System sehr zuverlässig. In ruhigeren Zeiten muss mechanisch nachgeholfen werden, damit der Schlick sich löst und bei Ebbe hinausgetragen wird.

Impressionen aus dem wunderschönen und idyllischen Kehdinger Land // Foto: MeerART

In den damaligen umliegenden Außendeichwiesen (Wischen) hat sich der gleichnamige Ort Wischhafen entwickelt und war zur Hochzeit komplett auf die Schifffahrt ausgerichtet. Eignerkapitäne fuhren mit ihren Ewern von hier in die Elbe und in die näheren und ferneren Seegebiete. Umgeschlagen wurden vor allen Baumaterial, ganz besonders Bauholz, da die Marsch keine Wälder kennt. Der ebenfalls für diese Region so typische Ziegelumschlag fand in diesem Hafen nicht statt, denn die Ziegeleien hatten alle eigene Verladeanlagen.

Impressionen aus dem wunderschönen und idyllischen Kehdinger Land // Foto: MeerART

Museumsschiffe und ein paar Sportboote bestimmen heute die Hafenszene

Mit zunehmendem LKW-Verkehr nahm der Umschlag im Hafen immer mehr ab und der Hafen verlor an Bedeutung. Lediglich durch die Entsorgungsfirma Karl Meyer konnte der Hafen in den Jahren 1978 bis 1984 noch einen kleinen Aufschwung im Hafenumschlag verzeichnen. Die Firma wickelte in diesem Zeitraum die Versorgung und Entsorgung der Insel Helgoland ab. Auch die Altglasverschiffung durch das Küstenmotorschiff „LOTA“ wurde von hier durchgeführt.

Impressionen aus dem wunderschönen und idyllischen Kehdinger Land // Foto: MeerART

Heutzutage bestimmen Museumsschiffe und ein paar Sportboote die Hafenszene, und zwar keine schlechte, wie man sieht. Der alte Hafen mit den Museumsschiffen und dem Kehdinger Küstenschifffahrts-Museum hinter dem Deich ist ein authentisches Ensemble ländlicher Küstenschifffahrt, wie man es nicht mehr allzu oft vorfindet.

Es herrschte eine entspannte und gemütliche Atmosphäre im Hafen. Trotz einiger lauter Restaurierungsarbeiten an den Schiffen, die ja nun mal dazugehören, konnten wir das ruhige Hafenflair in vollen Zügen genießen. Auch ein paar Campingbus-Ausflügler gaben sich dieser Stille hin. Im Hafen gibt es extra einen Stellplatz für sie.

Tipp: für Interessierte werden auch geführte Spaziergänge angeboten, bei denen man sich über die maritime Geschichte Wischhafens ausgiebig informieren kann.

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2 Kommentare zu „Der Traditionshafen Wischhafen“

  1. Liebe Claudia,
    eigentlich wollte ich nur noch „ganz kurz“ mal bei FB reingucken, und da stolpere ich über Euren schönen Blog mit tollen Bildern und der immer so schön lebendigen Beschreibung. Da konnte ich dann doch nicht dran vorbeigehen.
    Du kannst Dir vorstellen, was mir dazu einfällt: Wunderschön – da muss ich auch unbedingt mal wieder hin. Den Hafen von Wischhafen habe ich lange nicht gesehen.

    Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende. Heute ist es grau und gruselig, morgen wird’s hoffentlich besser.

    Herzliche Grüße an Euch beide
    Karin

    1. Liebe Karin,

      vielen Dank für diese lieben Zeilen, die mich total gerührt haben.
      Es ist unheimlich schön zu lesen, wenn das was man zeigt und schreibt auch Gehör findet.
      Ich sage ja, wir heizen uns gegenseitig an mit den Orten, die wir unbedingt besuchen wollen. Wischhafen ist ein sehr schöner und gemütlicher Hafen, dort hatte es uns sehr gut gefallen. Außerdem hatte uns aufgrund unseren Beitrages einer der Skipper angeschrieben, der uns das blaue Boot, welches ich so süß fand, tatsächlich verkaufen wollte, also zumindest die Kabine davon. Schade, dass wir dafür einfach keinen Platz haben, das wäre die Gelegenheit gewesen.

      Dir noch ein ganz tolles Restwochenende.

      Herzliche Grüße,
      Claudia

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