Der Schrevenpark in Kiel

Auf eine Runde im Schrevenpark in der Landeshauptstadt Kiel // Foto: MeerART

Der Schrevenpark in Kiel ist ein beliebter Treffpunkt für alle, die eine grüne Oase in der Stadt suchen. Der Park gliedert sich in verschiedene Bereiche, in denen die Besucher unterschiedlichen Aktivitäten nachgehen können. Aufgrund seines Alters hat der Park auch eine spannende Geschichte.

Neulich durften wir mal wieder ein wenig Stadtluft schnuppern, denn wir hatten einen Geschäftstermin in Kiel. Die Firma, bei der waren, hat ihre Geschäftsräume in einem Gebäude, das unmittelbar an den Schrevenpark grenzt. Und da wir schon mal da waren und der Blick in den Park sehr verheißungsvoll aussah, haben wir das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden und vor der Heimfahrt noch einen Spaziergang durch den Park gemacht.

Auf eine Runde im Schrevenpark in der Landeshauptstadt Kiel // Foto: MeerART

Neugierig wie wir sind, versuchen wir im nachhinein immer ein wenig über neu entdeckte Plätze zu erfahren. Und auf der offiziellen Internetseite von Kiel steht ein spannender Artikel zum Stadtpark, den wir versuchen ein wenig zusammenzufassen.

Ein Naherholungsgebiet für die Kieler Stadtbevölkerung

Nachdem Kiel 1871 Reichskriegshafen geworden war, stieg die Bevölkerungszahl sprunghaft an. Umliegende Dörfer wurden eingemeindet, neue Wohngebiete und Grünanlagen ausgewiesen. Mit dem Städtewachstum wuchs bei der vermögenden Bevölkerungsgruppe der Wunsch möglichst nobel in einer Parkanlage zu wohnen. „Die Bauherren und Investoren versuchten die Attraktivität, den Charakter, das Prestige sowie den Erholungswert des neuen Stadtteils und damit den Wert der Immobilie zu steigern, indem sie Raum für großzügige Parkflächen ließen. Der vermögende Bewohner einer Villa oder großen Eigentumswohnung sollte in unmittelbarer Nähe den Komfort einer grünen Oase genießen können und sich fühlen, als wohne er in einem vom Landschaftsgarten umgebenen herrschaftlichen Haus“ (Jörg Matthies).

Auf eine Runde im Schrevenpark in der Landeshauptstadt Kiel // Foto: MeerART

Ein Kölner Stadtplaner wurde damit beauftragt einen Stadterweiterungsplan zu erarbeiten. Dieser wies bereits 1897 in seinem Bebauungsplan das Gebiet um den Schreventeich als neuen Stadtpark aus. Im Norden und Südosten wurden zwei große Schmuckbeete angelegt, die im Park, der Jahreszeit entsprechend, mit wechselnden Blumen für bunte Akzente sorg(t)en. Der gesamte Park wurde kranzförmig angelegt und mit Silberahornbäumen umgeben. Einige von ihnen sind in Teilen bis heute noch erhalten. Der neugestaltete Park sollte sowohl zur Erholung der städtischen Bevölkerung dienen, als auch die Wohnqualität der neuen umliegenden Bebauung steigern. Das Anlegen des Parks war quasi eine Art Vorleistung für die Entstehung des großbürgerlichen Wohnviertels.

Anfang des letzten Jahrhunderts, am 26. Juli 1902, wurde der Park der Öffentlichkeit übergeben. In all den Jahren wurde er mehrfach umgestaltet. Dennoch soll noch viel von der ursprünglichen gestalteten Anlage übrig, bzw. wieder rückgebaut worden sein. Die Stadt Kiel wuchs stetig weiter und so entstanden im Laufe der Jahre weitere neue Gebäude, die an den Park grenzten und das Stadtbild von heute prägen. Damals wie heute, dient(e) der Park zur Erholung für die umliegende Bevölkerung.

Auf eine Runde im Schrevenpark in der Landeshauptstadt Kiel // Foto: MeerART

Der Schreventeich

Inmitten des Parks gibt es den Schreventeich, der ungefähr ein Drittel der Parkfläche einnimmt. Umsäumt wird dieser von einem alten, sehr eindrucksvollen, Baumbestand und geschwungenen Wegen. Die Wege, die durch den Park führen, dienen gleichzeitig als verbindendes Element der umliegenden Stadtteile.

Früher hatte der Teich für Kiel eine tragende Bedeutung, denn er wurde genutzt, um die Wasserversorgung des Schlosses, des Franziskanerklosters und einiger umliegender Adelshäuser zu gewährleisten. Damals floss das Wasser durch ausgehöhlte Baumstämme, die „Piepenbäume“, in die niedriger gelegene Stadt. 1862 erwarb Kiel den Schreventeich vom Landesherrn, um ihn dann selbst für die Wasserversorgung der Einwohner zu nutzen. Erst als der wachsende Wasserbedarf Kiels durch Tiefenbrunnen und ein Grundwasserwerk gedeckt werden konnte, wurde der Schreventeich 1880 vom Versorgungsnetz der Stadt getrennt. Damals soll der Schreventeich noch doppelt so groß gewesen sein. Heute definitiv nicht mehr erkennbar, dass vor 1875 der nördliche Teil noch durch einen Damm abgetrennt war und verlandete. Dieser wurde aufgefüllt und in Pachtgärten umgewandelt. Wer mehr über die einzelnen Bauphasen und die Veränderungen erfahren möchte, kann das auf der offiziellen Seite von Kiel nachlesen.

Auf eine Runde im Schrevenpark in der Landeshauptstadt Kiel // Foto: MeerART

Eine pfiffige und nachhaltige Idee

Eine Geschichte zum Schrevenpark möchte ich noch aufgreifen, denn die fand ich besonders. Um Sichtachsen im Park freizugeben, wurden Bäume und Sträucher in Gruppen gepflanzt. Das geschah sowohl aus Kostengründen, als auch, um dem Park gleich ein fertiges Aussehen zu geben. Das reichte aber nicht zur kompletten Bepflanzung, also schlug der damalige Bauplaner vor, sich an die Kieler Bevölkerung zu wenden. Am 14. Mai 1901 war in der Kieler Zeitung zu lesen: „In manchen Privatgärten sind Bäume oder Sträucher für die Verhältnisse des Gartens zu groß geworden und müssen über kurz oder lang fallen, während sie in einem großen Park noch weiter das Menschenherz erfreuen können. Die Besitzer solcher Bäume und Sträucher würden nun sich selbst und vor allem der Allgemeinheit einen großen Dienst erweisen, wenn sie dieselben der Stadt überließen. Bäume bis zu 25 Zentimeter Durchmesser sind leicht verpflanzbar. Wer also auf diese Weise zur Verschönerung des Parks beitragen kann, braucht nur der Stadtgärtnerei eine Mitteilung zukommen zu lassen.“ Nach diesem Aufruf wechselten mehr als 100 große Bäume aus Kieler Privatgärten in den neuen Park.

Bis heute ein beliebter Erholungspark

Im Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile des Parks und die ehemals vorhandenen Gebäude durch Bomben zerstört. Der 1947 in Schrevenpark umbenannte Landschaftspark wurde zwischen 1946 und 1953 mit vereinfachtem Wegnetz und ohne Parkarchitektur wieder hergestellt. Wo früher die Terrassen waren, entstand ein Kinderspielplatz. Im nördlichen Teil wurde ein Planschbecken angelegt, das sich an heißen Sommertagen wie heute großer Beliebtheit erfreut. 2002 wurde der Park 100 Jahre alt. In diesem Zuge wurde an der Stelle des Kinder-Sandspielplatzes ein Boule-Platz angelegt und das Rosenbeet mit der „Schlummernden“ wieder hergestellt. Letztere war seit 1950 wegen Verschmutzung und Beschädigung im Hiroshimapark aufgestellt.

Auf eine Runde im Schrevenpark in der Landeshauptstadt Kiel // Foto: MeerART

Der Park, der auch nach der Umformung in seiner Grundstruktur erhalten geblieben ist, gilt in Schleswig-Holstein neben dem Lübecker Stadtpark als bedeutendstes Zeugnis eines Landschaftparks aus der Kaiserzeit.

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