Wer ist hier der Narr?

Die dänische Ostseeküste bei der „Diernæs Bugt“ in Südjütland // Foto: MeerART

Lust und Frust beim Dänisch lernen

Hallo ihr Lieben, so langsam wird es wohl mal wieder Zeit mich zu offenbaren und damit spiele ich auf (m)ein persönliches Dänisch-Tagebuch an. Seitdem ich das ins Leben gerufen habe, ist schon wieder einiges passiert.

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann weiß ich momentan gar nicht so recht wie oder wo ich anfangen soll, denn seitdem ich mich, besser gesagt wir uns, mit Dänemark und insbesondere der Sprache auseinandersetzen, nimmt dies unheimlich viel Raum in unserem Leben ein. Zumal wir auch versuchen, neben unserem eigenen Netzwerk viele deutsch-dänische Veranstaltungen zu besuchen, einfach um zu lernen und Erfahrungen zu sammeln.

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Was hast du dir da bloß eingebrockt?

Das frage ich mich derzeit tatsächlich öfters, denn es ist nicht so, dass ich jetzt berichten könnte, wow guck mal.. so viel habe ich schon gelernt. Nein,  ganz im Gegenteil. Momentan befinde ich mich eher in der Phase, in der ich mich frage, warum ich mit alldem bloß angefangen habe? Kennt ihr das, wenn man plötzlich das Gefühl hat von allem überrannt zu werden? Und das obwohl man sich das selber – ganz freiwillig – eingebrockt hat? Nach der anfänglichen Euphorie fühle ich mich gerade sehr klein und nicht selten beschleicht mich das Gefühl, so sehr ich mich auch bemühe, ich werde die Sprache nie lernen.

Der Gendarmenpfad an der deutsch-dänischen Grenze entlang der Flensburger Förde // Foto: Ralph Kerpa

Meistens passiert mir das im Auto, denn dort hören wir seit neuestem einen dänischen Sender. Natürlich auch um mehr Gefühl für die Sprache zu bekommen. Doch wenn ich den Moderatoren so zuhöre, die allesamt in einer Geschwindigkeit reden, als seien sie auf der Flucht, dann rutscht meine Motivationskurve schon mal in den Keller. Ganz zu schweigen davon, dass sich die dänische Sprache nun wirklich nicht melodisch anhört. Und doch kann ich dem dann auch wieder etwas Positives abgewinnen, nämlich dann, wenn Worte fallen, die ich dank Babbel doch schon verstehe. Oder manchmal erkenne ich auch um welches Thema es geht, obwohl ich nur ein paar Wortfetzen verstehe.

Mein Motivations-Engel

Dennoch will ich nicht jammern, denn zum einen zwingt mich niemand das zu tun, sondern alles geschieht freiwillig und zum anderen sollte ich langsam mal lernen nicht immer so ungeduldig zu sein. Außerdem bin ich über eine Neuentwicklung richtig glücklich. Nachdem ich bzw. wir in unserer unmittelbaren Umgebung keinen Dänisch-Kurs gefunden haben, der freie Plätze zur Verfügung hat bzw. sich in unseren Arbeitsalltag integrieren lässt, haben wir nun eine ganz tolle Lösung gefunden, und zwar eine Tandempartnerin. Tatsächlich habe ich bis vor kurzem nicht mal gewusst, was sich dahinter verbirgt. Diesen Vorschlag bekamen wir nämlich aus unserem Dänisch-Netzwerk.

Die idyllische Grenzdorf Rudbøl an Dänemarks Westküste // Foto: MeerART

Falls ihr auch nicht wisst was das ist… Ein(e) Tandempartner(in) ist ein(e) Muttersprachler(in), aus dem Land, dessen Sprache du lernen möchtest. In unserem Fall also eine Dänin, die ihr Deutsch verbessern möchte und die uns im Gegenzug hilft, die dänische Sprache zu erlernen. Das ist in doppelter Sicht großartig, denn so können wir nicht nur mit einer Muttersprachlerin die dänische Sprache erlernen, das sogar flexibel in unseren Alltag integrieren, sondern uns auch über Sitten und Bräuche austauschen. Für uns die beste Lösung überhaupt und es macht trotz aller Holpersteine sogar richtig Spaß.

Die ersten Lämmer erkunden ihr Revier in Nordfriesland an der Westküste // Foto: MeerART

Zwar ist uns Jeanette schon zweieinhalb Jahre im Deutschlernen voraus, aber sie ist für mich in der Tat ein echter Motivations-Engel, wenn ich mal wieder in ein Tief falle. Zudem haben wir das Glück ähnliche Interessen zu haben und uns darüber, manchmal auch mit Händen und Füßen, auszutauschen. Und was ich an dieser Lösung auch noch großartig finde, dass selbst mein Mann uns ab und zu über die Schulter schaut, um ebenfalls ein paar dänische Brocken aufzuschnappen. Ihr seht, trotz gefühlter Rückschläge geht es irgendwie voran. 😉

Der Narrenbrief zu Ostern

Was zudem auch spannend ist, dass wir uns natürlich auch über Sitten und Bräuche austauschen können und da gibt es erstaunlicherweise tatsächlich einige Unterschiede. Da wir bald Ostern haben, möchte ich euch von einem niedlichen dänischen Brauch zu Ostern erzählen, und zwar dem „gækkebrev“ (Narrenbrief).

Ein sonniger Frühlingstag in Vejers Strand an der dänischen Nordseeküste // Foto: MeerART / Ralph KerpaIn Dänemark ist es Tradition Freunde oder Verwandte mit einem Narrenbrief an der Nase herumführen. Der Empfänger soll dann erraten, wer den Brief an ihn geschickt hat. Wenn dieser nicht schafft den Absender zu erraten, ist er ihm ein Osterei schuldig. Da es sich hierbei in der Regel um Ostereier aus Schokolade handelt, ist die Tradition natürlich bei Kindern sehr beliebt.

Eine auf der Elbinsel in Geesthacht gefundene Flaschenpost aus Kiel // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Die Narrenbriefe werden aus Papier gebastelt und mit Scherenschnitten kunstvoll verziert. Der Text ist immer ein kurzer Reim und der Name des Absenders wird nur mit Punkten geschrieben.

Der wohl am meisten verwendete Reim lautet wie folgt:

„Mit navn det står med prikker, pas på det ikke stikker.“ (Mein Name, der steht mit Punkten geschrieben, pass auf, dass er nicht pikst.)

Ein weiterer beliebter Reim lautet:

„En vintergæk, en sommernar, en fugl foruden vinger, en lille ven, som har dig kær, en kærlig hilsen bringer.“ (Ein Schneeglöckchen, ein Sommernarr, ein Vogel ohne Schwingen, ein kleiner Freund, der dich hat lieb, einen lieben Gruß tut bringen.)

Impressionen aus dem schönen Hohwacht an der Ostsee // Foto: MeerART

Man kann aber auch gerne eigene Reime verwenden, das macht das ganze dann noch persönlicher. Ursprünglich wurde dem Brief immer ein Schneeglöckchen (et vintergæk) beigelegt, woher auch der Name gækkebrev kommt. Ein gæk ist aber auch ein Narr, also der Empfänger, wenn er den Namen des Absenders nicht errät.

Ansonsten hat Ostern in Dänemark dieselbe Bedeutung wie bei uns. Meist nutzen die Dänen die Tage zum Ausspannen, denn im Gegensatz zu uns ist bei ihnen der Gründonnerstag auch schon ein Feiertag.

10 Kommentare zu „Wer ist hier der Narr?“

  1. Hej Claudia, ich kann das gut nachvollziehen, was du berichtest! Dass man manchmal denkt, man steckt fest mit einer neuen Sprache. So ging es mir mit Spanisch! Ich bin 2 Jahre einmal die Woche zum Spanischkurs gelaufen und hatte das Gefühl, ich könnte gerade mal sagen, wie ich heiße und nachfragen, wo es zur Kirche oder einer anderen Sehenswürdigkeit geht. Aber ich glaube, es lohnt sich dran zu bleiben! Denn ihr lebt in der unmittelbaren Nachbarschaft des Landes, dessen Sprache du lernst, das wird dir immer weiter helfen. Und mit deiner Tandempartnerin ist es noch ein bisschen leichter. Weiter so!

    1. Hej Nicole,

      Mange tak. Vielen Dank für deinen Zuspruch. Ja das stimmt, so ging es mir damals auch. Ich weiß ja auch, dass es normal ist und ich nicht so ungeduldig sein sollte. Aber ihr alle – um mich herum – seid der Sprache schon mächtig, das spornt nicht nur an, sondern frustet auch, wenn man es selber nicht auf die Reihe kriegt. 😉
      Außerdem möchte ich mit meinem persönlichen Dänisch-Tagebuch auch anderen Mut machen über ihren Schatten zu springen. Auf alle Fälle ist Jeanette klasse und es macht richtig viel Spaß.

      Liebe Grüße, (venlig hilsen)
      Claudia

  2. Moin Claudia,
    total schön geschrieben…. Aus dem puren Leben mit all seinen Höhen und Tiefen ❤️ Mach weiter so!!!

  3. Monika Becker

    Moin liebe Claudia,
    Du weißt ja, der Weg ist das Ziel. Auch wenn Dir momentan alles zuviel ist wird der Tag kommen, an dem alles einfach erscheint. Und dann wirst Du sehr zufrieden mit Dir sein, dass Du durchgehalten hast. Mach weiter so. Andere Sprachen, andere Sitten bereichern unser Leben. Alles Liebe

    1. Moin liebe Monika,

      da hast du absolut recht. Ich werde auf alle Fälle weitermachen und dank meines Tandem-Engels macht es auch richtig Freude. Genau das ist das Ziel, lernen von anderen Kulturen und sich dadurch bereichert fühlen.

      Liebe Grüße,
      Claudia

  4. Moin du Liebe
    Oje, wie gut ich dich verstehen kann….ich hätte im Gegensatz zu dir vermutlich schon aufgegeben, mir fehlt da mittlerweile die Geduld und das Durchhaltevermögen. Bleib dran und gib nicht auf, ich bin richtig stolz auf dich

    Sonnige Grüsse von der Schlei
    Sabina

    1. Moin meine Liebe,

      ich muss zugeben, dass ich einen ziemlichen Ehrgeiz besitze, obwohl es mir momentan ganz sicher nicht so leicht fällt. Ich bin nur froh und dankbar so eine tolle Tandempartnerin gefunden zu haben.

      Liebste Grüße von der Westküste,
      Claudia

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