Das grenzenløs Barcamp 2018

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Das erste deutsch-dänische Barcamp grenzenløs in Nordfriesland

Von wegen Pampa, an der Westküste geht was, und zwar grenzenløs. Diese Woche fand in Enge-Sande auf dem GreenTEC Campus das erste deutsch-dänische Barcamp statt. Und auch dies wird nur der Anfang von einer der vielen zukunftsweisenden Geschichten sein, die hier gerade an der Westküste passieren. Warum? Lest selbst.

Beinahe ist es uns schon unangenehm, dass wir schon wieder über die deutsch-dänische Grenzregion berichten, aber momentan passiert einfach so viel und schließlich hatten wir versprochen euch auf dem Laufenden zu halten. Gerade auch weil sich viele von euch ebenfalls ein Leben auf dem Land wünschen, das auch berufliche Perspektiven bietet.

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Neben unserem eigenen Engagement grenzübergreifend tätig zu werden, nutzen wir natürlich auch die Möglichkeiten, die sich uns von anderer Seite bieten. Diese Woche hatte das Team des Interreg-Projekts „Fit4Jobs@WaddenC“ zum ersten deutsch-dänischen Barcamp eingeladen und das durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Zumal wir inzwischen unheimlich viel spannende Menschen, sowohl auf deutscher, als auch auf dänischer Seite kennenlernen durften und das Barcamp uns die Möglichkeit gab, diese weiter zu vertiefen.

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Während ich hier sitze und das Erlebte zusammenfasse, fällt mir wieder folgende Frage ein, die uns ständig vor unserem Umzug nach Nordfriesland gestellt wurde. Warum um Himmels willen wollt ihr ausgerechnet in die Pampa ziehen? Und dann noch so nah an die dänische Grenze? Welche Pampa sagen wir da nur, denn wenn man mal genau hinschaut, dann sind wir mitten drin. Da, wo Deutschland seinen nördlichsten und Dänemark seinen südlichsten Zipfel haben, passiert gerade etwas ganz Besonderes. Es werden Grenzen abgebaut, und zwar nicht nur die in den Köpfen.

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Gegen den Strom

Während überall die Rede von Landflucht ist und die Menschen – vor allem die jüngeren – oftmals ihre Heimat in den ländlichen Regionen verlassen, um in die Städte zu ziehen, passiert in der deutsch-dänischen Grenzregion gerade eine spannende Umorientierung.

Einen großen Anteil daran hat natürlich auch die voranschreitende Digitalisierung, denn sie bietet vielen Menschen ein flexibleres und modernes Arbeitsumfeld. Plötzlich öffnen sich Türen und Möglichkeiten, die ein Umdenken sogar erst möglich machen.

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Mal abgesehen davon, dass Deutschland noch ganz schön Nachholbedarf hat, was die Infrastruktur angeht, ist die Digitalisierung oftmals verflucht oder schlimmer noch mit Angst behaftet. In vielen Köpfen herrscht das Vorurteil, dass mit der voranschreitenden Digitalisierung auch die Arbeitslosigkeit steigt. Was eigentlich völliger Quatsch ist, denn die Wahrheit ist, die Digitalisierung bietet neue Arbeitsplätze. Was wohl auch eher zum schlechten Ruf führt ist, dass viele eigentlich gar keine rechte Vorstellung davon haben, was Digitalisierung wirklich bedeutet, bzw. jeder interpretiert es für sich anders. Aber auf dieses Thema will ich gar nicht hinaus, sondern anhand von Dänemark mal zeigen, welche neuen Chancen sich bieten.

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Was am deutsch-dänischen Austausch nämlich auch spannend ist, ist dass man viel über seine Mitmenschen erfährt. Genauso wie es uns Deutsche seit Jahren in die Großstädte zieht, haben unsere dänischen Nachbarn sich bisher eher nach Kopenhagen orientiert. Auch bei ihnen hat die voranschreitende Digitalisierung plötzlich neue Wege eröffnet. Vielen Dänen war es nun nicht nur möglich von der Stadt wieder aufs Land zu ziehen, sondern sogar wieder zurück auf die kleinen Inseln, um von dort zu arbeiten. Nun muss man ehrlicherweise auch sagen, dass uns die Dänen, was die Digitalisierung angeht, mindestens zehn Jahre voraus sind, aber inzwischen sind auch wir (zumindest) in Nordfriesland – dank der Windenergie – auf einem guten Weg.

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Aber nicht nur das, wie man in den letzten Wochen und Monaten immer wieder verfolgen konnte, kommen zahlreiche neue und innovative (vor allem nachhaltige) Ideen oder Unternehmen aus Nordfriesland. Jede Menge Chancen also, und zwar nicht nur für den Otto-Normalo, sondern auch für Fachkräfte.

Taler du tysk or dansk?

Genug mit den wirtschaftlichen Fakten und zurück zum ersten grenzenløs Barcamp. Das war wirklich ein spannendes Zusammentreffen aus Freiberuflern und Unternehmern, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Wirtschaftsorganisationen und sogar auch aus Verwaltung und Politik der Grenzregion. Dafür, dass das Format des Barcamps in Dänemark noch nicht so bekannt ist, waren von den rund 75 Teilnehmern etwa ein Drittel aus Dänemark.

Da es bei einem Barcamp keine festgelegten Themen gibt, sondern alles spontan und von den Teilnehmern passiert, war das Zusammentreffen ein buntes Miteinander mit dem Ziel Kontakte über die Grenzen hinaus zu knüpfen, Ideen auszutauschen, sich kennenzulernen und natürlich auch Vorurteile abzubauen.

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Auch wenn man es vielleicht glauben könnte, aber die Sprache war zu keinem Zeitpunkt eine Barriere. Es wurde mal auf deutsch und mal auf dänisch gesprochen, wenn nichts mehr ging, dann eben auch mal englisch. Für die grundlegenden Sachen gab es eine tolle Simultan-Übersetzung. Übrigens an dieser Stelle einen großen Dank an die Übersetzerin. Ich bewundere, wie man das so nahtlos in beiden Sprachen hinbekommt.

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Nicht nur das Format eines Barcamps, sondern auch die Tatsache, dass man offen und neugierig auf sein Gegenüber zugeht und damit Grenzen in den Köpfen abbaut, sorgt dafür, dass sich unendlich viele neue Möglichkeiten in der Grenzregion auftun. Ich denke, wir werden weiter zusammenwachsen und den Blick zu den Großstädten immer öfters mal abwenden, denn auch hier, im deutsch-dänischen „ländlichen“ Grenzraum gibt es so viele gemeinsame Perspektiven der Zusammenarbeit.

Das Barcamp „grenzenløs 2018“ auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) // Foto: MeerART

Nach dem grenzenløs Barcamp ist bekanntlich vor dem grenzenløs Barcamp und das findet nächstes Jahr in Dänemark statt. Wir sind schon sehr gespannt.

Übrigens: „Fit4Jobs@WaddenC“ ist ein EU-finanziertes Projekt, das von der Kommune Tønder, dem Kreis und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland WFG NF, der Tønder Handelsskole und der Syddansk Universitet getragen wird. Wer mehr darüber erfahren möchte, klickt einfach mal auf www.f4j.de

6 Kommentare zu „Das grenzenløs Barcamp 2018“

  1. Gegen den Strom

    „Während überall die Rede von Landflucht ist und die Menschen – vor allem die jüngeren – oftmals ihre Heimat in den ländlichen Regionen verlassen, um in die Städte zu ziehen, passiert in der deutsch-dänischen Grenzregion gerade eine spannende Umorientierung.“

    Danke an Claudia und Ralph von MeerArt – für mich seid Ihr der beste Blog – weil Ihr Euch nicht „nur“ mit wunderschönen Bildern und inspirierenden Texten zufriedengebt – sondern weil Ihr unermüdlich als Botschafter für den ländlichen Raum unterwegs seid. #dasurbanelebenfindetaufdemlandestatt

    1. Liebe Inga,

      vielen Dank für die netten Zeilen.
      Ja, uns ist es in der Tat wichtig, denn wir möchten etwas bewegen. Es liegt doch auch an uns, wie wir unser Umfeld gestalten und da geht was. Ganz sicher. Von daher freuen wir uns über unsere gemeinsamen Aktivitäten und Kooperationen.

      Liebe Grüße,
      Claudia

  2. Liebe Claudia,
    lieber Ralph,

    klasse, was Ihr alles macht, wie aktiv Ihr seid und wie neugierig und tatkräftig. Ja, die Dänen sind uns meilenweit voraus. was die Digitalisierung betrifft und ich denke auch, wenn es um den Austausch geht.

    Aus der Ferne kommt es mir so vor, als ob bei Euch in der ländlichen Region viel mehr bewegt wird und vor allem in einem engeren Miteinander als hier in der Stadt, wo vermeintlich alles den Menschen offen steht.

    Ja, man kann hier theoretisch an zig Veranstaltungen usw. teilnehmen, aber da sind dann gleich hundert Leute (mindestens) und ein richtiger Kreis bildet sich nicht, das ist dann so oberflächlich. Vielleicht habe ich auch noch nicht das Richtige für mich gefunden.

    Ich wünsche Euch weiterhin einen vergnüglichen und konstruktiven Austausch.

    Liebe Grüße in den Norden
    Martina

    1. Hallo du Liebe,

      ja, momentan ist das voll krass. Wir haben derzeit so viel mit und um Dänemark zu tun, dass ich mich manchmal kneifen muss. Bin ich noch in Nordfriesland oder schon in Dänemark. (Schmunzel)

      Im ländlichen Raum geht in der Tat eine Menge, man muss es nur sehen oder sich für interessieren. Es ist ein tolles Miteinander, ganz anders als in der Stadt. Eben hyggelig. 😉

      Was ich total spannend finde ist, dass die deutsch-dänische Grenzregion jetzt sogar Kulturerbe ist. „Beispielhaft für ein friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in Grenzgebieten: Nord- und Südschleswig sind jetzt Kulturerbe.“ So stand es gestern in der Zeitung.

      Ganz liebe Grüße zu euch und einen wundervollen Tag,
      Claudia

      1. Liebe Claudia,

        das glaube ich Dir, dass es ein schönes Miteinander ist. Sicherlich eben auch weil es in kleinerem Rahmen stattfindet.

        Super, dass Nord- und Südschleswig jetzt Kulturerbe sind! Das ist eine tolle und besondere Auszeichnung. Ich bin gespannt, was bei Euch noch so passiert – ist spannender als bei uns hier. 😉

        Viele liebe Grüße
        Martina

      2. Liebe Martina,

        da hast du sicherlich recht. Ich sage nur… gestern Abend Weihnachtstreffen in Åndehullet in Skærbæk und diesen Freitag eine Session bei uns im Atelier. Wenn das kein gelebter deutsch-dänischer Austausch ist, dann weiß ich auch nicht. 🙂

        Vielleicht solltet ihr euch doch gegen die Großstadt und für den Norden entscheiden. Übung im Umziehen habt ihr ja. 😉

        Ganz liebe Grüße,
        Claudia

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