Eigentlich ist Feierabend. Der Laptop ist zu. Die Arbeit für heute erledigt. Vielleicht steht sogar schon ein Glas Wein auf dem Tisch oder eine Tasse Tee, und man hat sich vorgenommen, jetzt einfach ein bisschen auf dem Sofa zu sitzen. Nur der Kopf hat von Feierabend offenbar noch nichts gehört.
Da ist noch diese eine Mail, auf die man morgen antworten muss. Der Termin nächste Woche. Eine Sache, die heute nicht so gelaufen ist, wie sie sollte. Und warum hat dieser Mensch ausgerechnet diesen Satz gesagt? Während man darüber nachdenkt, fällt einem ein, dass man morgen unbedingt noch einkaufen muss. Milch. Brot. Und irgendetwas fürs Abendessen.
Man nimmt das Handy in die Hand, schaut kurz nach und plötzlich ist man wieder mitten im Geschehen. Dabei wollte man doch eigentlich gar nichts mehr machen. Nur ein bisschen Ruhe, aber der Kopf macht Überstunden.
Das kann übrigens auch am Wochenende passieren. Der Freitag ist vorbei, Samstagmorgen ist da und eigentlich müsste man längst im Wochenendmodus angekommen sein. Stattdessen laufen die Gedanken weiter. Was muss nächste Woche erledigt werden? Was könnte man an diesem Projekt noch verbessern? Was war da noch mit dem Kunden? Und wenn man schon darüber nachdenkt, könnte man eigentlich auch gleich die nächsten Schritte planen.
Manche Menschen tragen ihren Arbeitsmodus eben nicht nur mit nach Hause, sondern gleich mit ins Wochenende. Und andere haben dafür einen ganz anderen Grund.
Da ist vielleicht die Familie, die auch nach Feierabend nicht einfach Feierabend macht. Die Kinder müssen irgendwohin, die Schule hat ihre eigenen Termine, jemand braucht etwas zu essen, der Haushalt wartet und nebenbei gibt es vielleicht noch den eigenen Beruf oder das eigene Business. Selbst wenn gerade niemand etwas von einem möchte, läuft im Kopf die kleine Schaltzentrale weiter. Was muss morgen mit? Wann war noch gleich der nächste Arzttermin? Hat das Kind eigentlich noch genügend Hosen? Was essen wir am Wochenende? Und war da nicht noch diese E-Mail, die ich unbedingt beantworten wollte?
Manchmal ist es erstaunlich, wie viele Leben in einem einzigen Kopf gleichzeitig Platz finden.
Und dann gibt es noch die ganz andere Variante. Die, bei der eigentlich alles schön ist. Man hat eine Idee. Zum Beispiel für den Garten. Plötzlich sieht man vor dem inneren Auge schon das neue Beet. Vielleicht könnte dort hinten ein Weg entstehen. Oder doch lieber ein kleiner Sitzplatz? Welche Pflanzen würden dort wachsen? Und wenn man die Ecke ohnehin neu macht, könnte man eigentlich auch gleich … Und schon liegt man abends im Bett und baut im Kopf den halben Garten um. Auch schöne Gedanken können Überstunden machen.
Ein voller Kopf hat nicht immer mit Stress zu tun
Das ist vielleicht das Merkwürdige daran. Ein voller Kopf bedeutet nicht automatisch, dass gerade etwas Schlimmes passiert. Manchmal sind es Sorgen. Manchmal Arbeit. Manchmal zehn Dinge, die gleichzeitig organisiert werden wollen. Und manchmal ist es einfach die eigene Begeisterung, die noch lange nach Feierabend weiterdenkt.
Nur, wie bekommt man den Kopf dann eigentlich wieder ein bisschen leiser?
Was hilft, wenn der Kopf nicht abschalten will?
Ich glaube, genau da gibt es kein Patentrezept. Der eine setzt sich hin und meditiert. Der andere geht eine Runde spazieren. Wieder jemand anderes braucht Bewegung, Musik oder eine Dusche. Und vielleicht gibt es Menschen, bei denen erst Ruhe einkehrt, wenn die Hände etwas zu tun bekommen.
Bei mir ist das zum Beispiel oft der Garten. Wenn ich mit den Händen in der Erde stecke, etwas pflanze, schneide, umsetze oder einfach irgendwo herumwerkle, passiert irgendwann etwas Merkwürdiges. Die Gedanken sind natürlich nicht plötzlich verschwunden. Aber sie müssen sich nicht mehr alle gleichzeitig vordrängeln.
Auch beim Schreiben kenne ich das. Da ist der Kopf zwar weiterhin beschäftigt, aber auf eine andere Art. Aus vielen einzelnen Gedanken wird langsam einer, aus einem Gefühl vielleicht ein Satz. Und während man versucht, etwas aufs Papier zu bringen, verlieren andere Gedanken manchmal ganz von selbst ihre Lautstärke.
Vielleicht ist genau das der Punkt. Wir müssen unseren Kopf nicht unbedingt dazu bringen, gar nichts mehr zu denken. Das wäre vermutlich ohnehin ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Vielleicht braucht er manchmal einfach etwas anderes, worauf er sich konzentrieren kann.
Einen Weg, den man geht, ohne irgendwo ankommen zu müssen. Erde zwischen den Fingern. Einen Stift in der Hand. Eine Tasse Tee, die ausnahmsweise nicht nebenbei getrunken wird. Musik, bei der man nicht gleichzeitig etwas anderes erledigt. Oder einfach ein paar Minuten draußen. Nicht, um dabei noch schnell 8.000 Schritte zu sammeln oder, um den Kopf „frei zu bekommen“, sondern einfach, um einmal aus dem Gedankenkarussell auszusteigen.
Denn vielleicht ist das mit dem Abschalten sowieso ein bisschen anders, als wir denken. Vielleicht muss der Kopf gar nicht auf Knopfdruck still werden. Vielleicht reicht es manchmal schon, wenn er aufhört, an zehn Dingen gleichzeitig festzuhalten. Und irgendwann merkt man, dass es stiller geworden ist.
Nicht unbedingt ganz still, aber still genug. Zumindest für einen Moment und manchmal ist das schon eine ziemlich gute MeerPAUSE.








