Hallig-Leben: Hörst du die Stille?

Die Hallig Langeneß im nordfriesischen Wattenmeer // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Wenn die Zeit einfach so stehen bleibt, dann ist meist etwas Schlimmes passiert, das uns Menschen aus der Bahn wirft oder aber, wir befinden uns auf einer Hallig. Denn dort ticken die Uhren anders als auf dem Festland.

Erstmal möchte ich mich für die furchteinflößende Einleitung entschuldigen, aber oft ist es doch so. Wenn wir Menschen ein furchtbares Schicksal erleiden, dann fühlt es sich nicht selten so an, als würde alles um einen still stehen. Völlig konträr zu dem, wenn wir Schönes erleben. Dann rennt die Zeit und wir wünschten, dass wir die Zeit für einen Moment anhalten könnten.

Die Hallig Langeneß im nordfriesischen Wattenmeer // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Ähnlich fühlt es sich auf einer Hallig an. Schon der Weg dorthin ist Entschleunigung pur. Erstmal angekommen, irgendwo im Nichts der Nordsee, scheint die Zeit stehen geblieben. Es herrscht einfach nur Stille. So still, dass du deinen Atem hören kannst, die Vögel, das Rascheln der Wiesen, das Blubbern des Watts oder das Rauschen des Meeres. Der Wind pfeift dir mal sachte, mal heftiger um die Ohren. Wenn dann auch noch Nebensaison ist, bist du nicht selten ganz allein mit dir und der Natur.

Warum Hallig und nicht Insel?

Der Unterschied zwischen einer Hallig und einer Insel besteht darin, dass die Halligen keine Deiche haben, die sie vor den Fluten der Nordsee schützen. Sie also mehrfach im Jahr von Sturmfluten heimgesucht werden und dann Landunter ist. Dann sieht man nur noch die Häuser aus dem Wasser gucken, die auf Warften stehen. Sogenannte Erdhügel, die Mensch und Tier, mit all ihrem Hab und Gut schützen sollen.

Die Hallig Langeneß im nordfriesischen Wattenmeer // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Was für die einen Landunter bedeutet, trägt, so makaber das klingt, auch zum Küstenschutz bei. Ähnlich wie wir das von Buhnen an der Küste kennen, dienen auch die Halligen als Wellenbrecher für das Festland. Darum ist der Schutz der Halligen auch so wertvoll. Von den etwa 100 Halligen, die es im Mittelalter gegeben haben soll, sind gerade mal zehn übrig geblieben. Halligen gibt es übrigens nur bei uns in Nordfriesland.

Die Hallig Langeneß im nordfriesischen Wattenmeer // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Die Entstehungsgeschichte der Halligen ist so unterschiedlich wie jede Hallig selbst. Manche wurden durch den Wechsel von Ebbe und Flut aufgeschwemmt. Andere sind entstanden, wenn die Sturmfluten am Festland oder an den Inseln genagt und sie zerklüftet haben. Wind und Wellen und natürlich der Mensch haben in den vergangenen Jahrhunderten für weitere Veränderungen der Landschaft gesorgt.

Langeneß ist die größte der zehn Halligen

Von den zehn Halligen, die wir vor unserer nordfriesischen Küste haben ist Langeneß die größte. Wenn man die schmale und lang gestreckte Form der Hallig anschaut, dann kann man sich schon fast denken, was ihr Name wohl bedeuten mag, nämlich lange Nase. Auf ihr befinden sich 18 Warf(t)en. Dass ich das „t“ in Klammern schreibe, kommt nicht von ungefähr, denn dies mitzuschreiben oder gar zu sprechen, spart man sich auf Langeneß. Warf ist also völlig ausreichend. 😉

Die Hallig Langeneß im nordfriesischen Wattenmeer // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Ihre Form hat die Hallig aber auch erst im Laufe der Zeit entwickelt, denn vor der Burchar­dif­lut 1634 bildete Langeneß zusammen mit der Hallig Oland und weiteren Landmassen die Hallig Alt-Lan­ge­neß. Bis ins 18. Jahrhundert soll Langeneß sogar noch aus drei Halligen bestanden haben, und zwar Langeneß, Nordmarsch und Butwehl.

Der 1959 erbaute Hafen Schlüttsiel im Kreis Nordfriesland / Foto: Ralph Kerpa

Wer sich der faszinierenden Stille von Langeneß hingeben möchte, nimmt die Fähre. Die legt in Schlüttsiel (Festland) ab und bringt die Besucher mit einem Zwischenstopp auf Hallig Hooge nach Langeneß. Einheimische dagegen nutzen gerne ihre privaten Lo­ren, um unabhängiger zu sein. Langeneß ist nämlich mit ei­ner Lo­ren­bahn über die Hal­lig Oland durch das Wat­ten­meer mit dem Fest­land ver­bun­den. Fahren kann man immer nur in eine Richtung, d.h. wenn Gegenverkehr ist, dann hat derjenige Vorfahrt, der die meiste Strecke bereits hinter sich gebracht hat.

Noch mehr Impressionen von der Hallig Langeneß bieten folgende Links:

Langeneß: Einmal Hallig und zurück

Das Anker´s Hörn – ein Hotel im Meer

 

11 Gedanken zu „Hallig-Leben: Hörst du die Stille?

  1. Moin Ihr Lieben,
    ein sehr interessanter Beitrag, danke schön. Und da würde ich gerne einmal ein paar Tage entschleunigen, nichts als das Wasser, die Möven, nachts Dunkelheit…. so stelle ich mir das vor. Ruhe- und Erholungsurlaub.
    Ein schönes Wochenende und
    liebe Grüße
    Martina

    1. Moin meine Liebe,

      das freut mich.
      Entschleunigen kann man da definitiv richtig gut. Ein Ort, indem nur die Natur die Hauptrolle spielt. Einfach fantastisch.

      Danke dir. Das Wochenende ist zwar schon vorbei, aber es war sehr schön. Ihr hatte hoffentlich auch ein hyggeliges in der neuen Wohnung.

      Liebe Grüße,
      Claudia

  2. Moin Claudia, moin Ralph,
    schön das ihr wieder mal von der Hallig berichtet.
    Vorletzte Woche gab es dort mal wieder ein Landunter, habe dazu einen kleinen Beitrag auf meinen Meerblick.blog eingestellt, schaut doch mal rein.
    Herzlichen Gruß, Helmut

    1. Moin Helmut,

      das würden wir sogar gerne noch viel mehr tun, aber bisher fehlt es noch an Zeit. Schon komisch, dabei dachten wir, wenn wir erstmal in NF leben dann wird das einfacher, aber auch hier oben ist Zeit ein knappes Gut.

      Oh wie schön, das schau ich mir gleich mal an.

      Herzliche Grüße,
      Claudia

  3. Moin, Moin ihr Lieben, der Bericht war ja mal wieder richtig lehrreich für mich, einiges was ich noch nicht wusste. Danke für die Aufklärung und die tollen Bilder, ich glaube ich muss da mal hin, nix als Ruhe und Natur, genau mein Ding.
    Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich euch :-* <3

    1. Moin meine Liebe,

      das freut mich. Ich bin auch immer wieder überrascht darüber was wir alles durch MeerART erfahren und lernen dürfen. Das macht richtig Spaß.

      Danke dir. Wir hatten einen sehr ruhigen und faulen Sonntag, daher auch heute erst meine Antwort. 😉
      Einen schönen Start in die neue Woche.

      Liebe Grüße,
      Claudia

      1. Guten Morgen meine Liebe,

        wenn es bei mir irgendwann geht komme ich an die Küste und bleibe da 🙂 faul sein tut mal richtig gut, aber ich war auch gestern wieder fleißig, ich habe Quitten bekommen und habe schon einen Teil verarbeitet, die sind so hart 🙂
        Auch euch einen schönen Start in die Woche.

        Liebe Grüße an euch Beide

      2. Guten Morgen Sonnenschein,

        ich drück dir die Daumen, dass es klappt.

        Hm… hört sich an als würdest du wieder leckere Sachen zaubern. Viel Spaß dabei.

        Liebe Grüße,
        Claudia

  4. Guten Morgen ihr Lieben,

    oh ja, eine Menge leckerer Sachen, der Winter kommt und dann können wir uns an dem Erfreuen was der Sommer so gebracht hat 🙂
    Ganz liebe Grüße an euch
    Angela

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