Eckernförder Bucht: Zwischen Traum und Wirklichkeit

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Eigentlich wollten wir euch heute einen super schönen Strand präsentieren, aber wie sich nun herausstellt, könnte dies ein ziemlich schlüpfriger Beitrag werden. Die Rede ist vom Ferkelstrand in der Eckernförder Bucht.

Ja, ihr lest richtig… Ferkelstrand. Ich reibe mir bei den Zeilen gerade auch noch die Augen, denn das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Insider sprechen sogar von der Schweinebucht, aber dazu gleich mehr.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Wenn ihr schon mal in Eckernförde ward, dann kennt ihr ganz sicher auch die B 76. Auf dieser fährt man in der Regel, wenn man von Eckernförde nach Kiel möchte oder umgekehrt. Auch wir sind hier schon zu Hauf langgefahren und haben den Blick über die Eckernförder Bucht genossen. Dabei blickten wir auch immer noch auf einen Küstenabschnitt, den wir bisher noch nicht erkundet hatten, und zwar der Bereich, der vom Kiekut in Richtung Schwedeneck führt.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Laut Wetterbericht sollte uns heute ein schöner Tag erwarten und den wollten wir unbedingt nutzen. Immerhin haben wir schon Mitte November und jeder Sonnenstrahltag – sofern die Zeit es zulässt – möchte ausgekostet werden. Also machten wir uns auf den Weg, um genau diesen Küstenabschnitt zu erkunden. Das Parken gestaltete sich ein wenig schwierig, denn beim Kiekut, so heißt die Straße, gibt es nur private Parkplätze, die entweder zu den Ferienhäusern, der Klinik oder dem Küstenfrieden gehören. Also parkten wir direkt bei einem Rastplatz an der B 76. Was nicht gerade sehr schön ist, da man die viel befahrene Bundesstraße überqueren muss.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Vom Küstenfrieden zum Steinstrand

Beim Kiekut hatten wir noch keinen Zugang zum Strand gefunden, da auch hier alles Privatgelände zu sein scheint. Also folgten wir dem Weg in den Wald, was zu dieser Jahreszeit mit den bunten Blättern an den Bäumen einfach nur traumhaft ist. Der Weg führte uns direkt zum Küstenfrieden – ein Begräbniswald – der richtig zauberhaft gelegen ist. Wer hier seine Ruhestätte findet, der hat wirklich einen schönen Platz erwischt.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Die jahreszeitlich bedingte Stimmung passte heute zu diesem Ort wie die Faust aufs Auge. Die Sonne schien zwar, stand aber sehr tief, so dass sie ihre Strahlen nur mit Mühe und Not durch die Baumkronen der alten Bäume und das langsam herabfallende Laub scheinen konnte. Zudem war es noch recht neblig und so wirkte die Szenerie irgendwie magisch und doch, aufgrund des besonderen Ortes, auch ein wenig melancholisch.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Wir folgten dem Weg, immer an der Steilküste entlang, in der Hoffnung irgendwo einen Zugang zum Strand zu finden. Zum Teil wurde der Weg recht schmal, wird also nicht oft begangen und war auch aufgrund der nassen Blätter ziemlich rutschig. Also nur etwas für Entdeckungsfreudige, die auch gut zu Fuß sind. Dafür wird man immer wieder mit einem atemberaubenden Blick auf die Bucht verwöhnt.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Irgendwann hatten wir Glück und es gab einen Pfad, der zum Strand hinunter führte. Vor uns lag ein verträumter Steinstrand, der nicht so wirkte, als würden viele Menschen vorbeikommen. Die Ostsee war glatt wie ein Spiegel und das Licht war schön, aber doch irgendwie merkwürdig. Es hatte so ein anderes – eher untypisches Blau. Das Wasser der Ostsee erinnerte mich an Wick Eisbonbons und der Himmel hatte leicht rosa Einschlüsse. Vielleicht ist es auch einfach nur der Jahreszeit geschuldet, denn bei den zweistelligen Temperaturen fühlt man sich nun wirklich nicht wie im November.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Blickt man von unten auf die Steilküste, dann sieht es nicht nur imposant aus, sondern sie verrät auch, dass die Ostsee mitunter sehr rau sein kann. Zahlreiche Sturmfluten haben an der Böschung genagt und ihre Spuren hinterlassen. Schon traurig, wenn man hinaufblickt und die alten Bäume sieht, wie sie sich noch mit letzter Kraft festhalten. Die Wurzeln zum Teil schon frei gespült sind und es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann auch sie das Zeitliche segnen.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Die Aschauer Lagune

Was ich an unserem Bloggerleben so liebe ist, dass wir uns nur selten bis gar nicht auf eine Tour vorbereiten. Das heißt, dass wir oft nicht wissen was uns erwartet und wir so schon schönen Überraschungen begegnet sind. So auch heute. Am Horizont hatten wir immer ein Gebäude im Blick, das wir für unser Ziel ausgeguckt hatten. Sofern es möglich ist bis dahin überhaupt zu kommen, denn nicht selten versperren dir Zäune an der Ostsee den Weg.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Je dichter wir dem besagten Haus kamen, desto weniger wurden die Steine am Strand. Vor uns lag auf einmal ein mit Dünengräser gesäumter Sandstrand. Auch die Steilküste rückte in den Hintergrund und machte Platz für hügelige Weidelandschaften, die zum Teil von Rindern und zum Teil von Schafen beweidet wurden. Letztere hatten gerade einen neuen Strom-Zaun bekommen, was wohl den vielen Wolfsangriffen zu schulden ist. Zumindest ist das Thema momentan täglich in den Medien.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Mein Eindruck sollte mich nicht täuschen. Das Haus stand in einem Naturschutzgebiet und war deshalb logischerweise eingezäunt. Zum einen traurig, aber irgendwie auch nicht, denn vor uns lag die Aschauer Lagune und die darf man nicht nur umwandern, die ist auch traumhaft schön. Die Lagune war voll mit Wasservögeln und überall schallte uns das Geschnatter des Federviehs entgegen. Herrlich.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Obwohl wir für heute unser Tagesziel eigentlich erreicht hatten, konnten wir uns nicht so richtig trennen. Zum einen, weil es so schön war und zum anderen packte uns dann doch noch die Neugierde. Ob man hier vielleicht doch noch irgendwie weiter kommt? Und in der Tat. Nach der Lagune ging der Wander- bzw. Fahrradweg weiter.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Wir entdeckten eine ziemlich marode und reichlich in Schieflage geratene Brücke, die direkt zum Strand führte. Nachdem wir diese passierten, war es gänzlich um uns geschehen. So schön. Ein Strand, wie wir ihn hier in der Eckernförder Bucht nun wirklich nicht erwartet hätten. So bedauerlich, dass die Tage schon so kurz sind und wir, wenn wir nicht im Dunklen durch den Wald zurück tappen wollten, einfach umkehren mussten. Ich glaube, sonst wären wir noch ewig weiter gegangen.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Der Ferkelstrand von Aschau

Auf dem Rückweg fiel uns am Strand dann noch ein Schild auf. Auf dem „Kein FKK-Strand, Zuwiderhandlungen werden mit einem Bußgeld geahndet“, stand. Was für Spießer dachten wir. So ein Schild hätten wir schon ewig nicht mehr gesehen. Klar wird an den Stränden immer wieder mit Schildern hingewiesen, wo FKK-Strände oder Hundestrände anfangen bzw. enden etc., aber dieses Schild hatte so einen gefühlten Unterton. Erst zuhause ist mir bewusst geworden warum.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Daheim wollte ich mehr über die Aschauer Bucht herausfinden und alles was ich im Netz dazu fand, waren einschlägige Pressemitteilungen, die darüber berichten, dass hier beim schönen Wetter regelmäßig Sexgelage stattfinden sollen. Da der Strand so abgelegen ist, soll er sich perfekt für das Treiben von Perversen, Swingern und Voyeuren eignen, die sogar extra von weit her kommen, um sich hier zu vergnügen. Okay, das war uns wirklich neu. Also, ein Strand zwischen Traum und Wirklichkeit – wie auch immer das jetzt gemeint sein mag?!

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph KerpaDie Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Hm…?! Keine Ahnung ob an den Meldungen etwas dran ist, ich weiß nur, dass es hier so schön ist, dass wir ganz sicher wiederkommen werden. Und wer lieber auf Nummer sicher gehen will, nicht mit irgendwelchen frivolen Spielchen in Konflikt zu geraten, der kommt ganz einfach in der Nebensaison her. So wie wir heute.

Die Eckernförder Bucht zwischen Traum und Wirklichkeit // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Der einzige Frevel, der hier heute begangen wurde, waren nicht angeleinte Hunde, obwohl auch dieses laut Schildern gefordert wird.

6 Gedanken zu „Eckernförder Bucht: Zwischen Traum und Wirklichkeit

  1. Was ist daran „Frevel“ , wenn ein Hund nicht angeleint ist ?! Wenn er abrufbar ist, nicht wildert oder Menschen belästigt oder anfällt, also in keiner Weise gefährlich ist, ist es doch das natürlichste der Welt, ihn frei laufen zu lassen ! Und das auch noch, außerhalb der Badesaison ! Ich hoffe, dass Sie diese Bemerkung „ironisch“ meinten . Ich habe Ihre Berichte -bisher- immer mit Interesse und Freude gelesen, was mir allerdings -in Zukunft- schwerfallen würde, sollten Sie den „Frevelsatz“ ernst gemeint haben . Mit freundlichem Gruß, H.-J. Leopold .

    1. Moin lieber Hans-Jörg,

      ich kann dich beruhigen… in diesem Zusammenhang war das ganz sicher ironisch gemeint. Es sollte einfach nur unterstreiche, dass es jedem selbst überlassen ist, ob man dem sogenannten Ferkelstrand nun den Rücken kehren möchte oder eben doch kommt, weil es so schön ist.

      Bezüglich deiner Anmerkungen denke ich, dass jeder Erwachsen Mensch es selbst in der Hand hat zu entscheiden ob er sein Verhalten richtig findet oder nicht. Ganz gleich, ob man eine rote Ampel überquert oder beim Autofahren mit dem Handy spielt, Baden geht wo es verboten ist oder seinen Hund frei laufen lässt, obwohl Leinenzwang gewünscht ist und und und… Es kann tausend Mal gut gehen und das eine Mal nicht. Mir steht es nicht zu darüber zu urteilen und das möchte ich auch nicht.

      Herzliche Grüße von der Küste,
      Claudia

  2. Moin du Liebe

    Die Vorstellung, sich an diesem wunderschönen Ort mit seinem Liebsten zu vereinen hat sicher etwas Magisches….aber was letztendlich dort in Wahrheit abgeht muss man nicht wirklich haben *lach*
    Was den Freilauf der Hunde ausserhalb der Saison angeht bin ich auch der Meinung, dass das sicher ok ist. Ich würde meiner Hündin auch die Freiheit geben. Sie ist allerdings auch sofort abrufbar sollten wir anderen Hunden oder Menschen begegnen, die sich daran stören.
    Deine Bemerkung diesbezüglich habe ich mit einem Schmunzeln quittiert, die Ironie war zu deutlich….;-))

    Liebste Grüsse von der Schlei

    Sabina

    1. Moin du Liebe,

      ich sage ja, ich Nachhinein mussten wir ganz schön schmunzeln. Darum ja auch die Ironie am Ende.

      Da ich ein absoluter Tierfan bin, würde ich auch immer alles im Sinne des Tieres tun. Dazu würde für mich auch das Laufen ohne Leine gehören, denn ich mag es gar nicht Tiere meinen Willen aufzuzwingen – im Gegeteil.

      Was die Nebensaison an der Küste angeht ist das schon immer ein Streitthema gewesen, (nicht von uns natürlich, sondern generell) denn vielen kommt es gar nicht in den Sinn, das es nichts mit dem Menschen zu tun hat weshalb es die Schilder gibt, sondern mit den Wildtieren die dort zum Beispiel leben, brüten oder rasten. So oft sieht man es, dass die Tiere leider nicht – wie oft behauptet – abrufbar sind, aber wie gesagt… ich möchte darüber nicht urteilen. Mich hat nur ein Schicksal mal ganz besonders zum Nachdenken angeregt… da ging es um eine Hundebesitzerin, die ihr Tier am Strand an der Leine hatte. Ein anderer Hundebesitzer nicht und genau dieser Hund ist angelaufen gekommen, hat einmal zugeschnappt und dem Kleinen an der Leine wohlgemerkt das Genick gebrochen. Dieses Schicksal erschüttert mich genau wie die Umstände, dass so oft Schafe auf dem Deich entweder gerissen oder zu Tode gehetzt werden. Jeder ist für sein Tun selbst verantwortlich und hätte ich einen Hund, dann würde es mir das Herz brechen müsste ich ihn stets und ständig an der Leine führen. Aber ich sehen schon… ich schreibe wieder mehr als ich will. 😉 Also besser gut sein lassen. In diesem Beitrag war es definitiv ironisch gemeint.

      Knuddelige Grüße von der Küste,
      Claudia

  3. Hallo du Liebe

    Ich bin da ganz bei dir 😉 Es ist halt alles eine Frage des Respektes und der Rücksichtnahme. Wo Wildtiere brüten und rasten oder Schafe weiden käme es mir nicht in den Sinn meine Hündin abzuleinen. Und wenn ich sehe, dass ein anderer Hund angeleint läuft, passiert bei mir sofort dasselbe. *Rücksichtsvolles-Miteinander* heisst das Zauberwort. Und das gilt für die Natur, Mensch und Tier gleichermassen. Leider sieht das im Alltag nicht jeder so. Ich bin mir meiner Verantwortung – speziell mit so einem grossen Hund – bewusst und handele danach. Alles eine Frage des gesunden Menschenverstandes 🙂

    Gut gelaunte Grüsse von der regnerischen Schlei
    Sabina

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