Sieseby, das weiße Dorf an der Schlei. Für uns zählt es schon lange zu den schönsten Orten in der Schleiregion. Dieses Mal wollten wir das Dorf allerdings aus einer ganz anderen Perspektive erleben, und zwar nicht von Land aus, sondern vom Wasser.
Wir waren mit dem Boot unterwegs und machten in Sieseby Station. Ein ganz neues Erlebnis für uns – denn so schön das Dorf von der Landseite aus ist, aus Richtung Schlei wirkt es noch einmal ganz anders.

Sieseby vom Wasser aus
Schon bei der Anfahrt bot sich uns ein wunderschöner Anblick. Die Sonne strahlte über dem weißen Dorf, als wollte sie die Häuser am Ufer noch einmal ganz besonders hervorheben. Sieseby lag vor uns, dahinter die Schlei, und für einen Moment sah alles fast ein bisschen zu schön aus, um wahr zu sein.
Mit Sonnenbrille bewaffnet näherten wir uns dem kleinen Anleger. Die Sonne war allerdings so hell, dass wir zunächst gar nicht richtig erkennen konnten, wo wir eigentlich anlegen sollten. Und dann waren da noch die Kinder. Zwei Mädchen plantschten vergnügt im Wasser und hatten offensichtlich ihren Spaß. Da wollten wir mit unserem Boot natürlich auf keinen Fall für eine unfreiwillige Dusche sorgen. Irgendwie hat dann aber doch alles geklappt und wir konnten in Sieseby anlegen. Wobei „anlegen“ vielleicht ein wenig zu gemütlich klingt.

Eine kleine Kletterpartie
Vom Boot aus mussten wir über das Geländer des Anlegers klettern, um an Land zu kommen. Eine Leiter oder etwas Ähnliches gab es damals jedenfalls nicht. Das Geländer, das schon ein wenig in die Jahre gekommen war, weckte bei uns nicht unbedingt grenzenloses Vertrauen. Aber da wir alle noch recht gelenkig waren, haben wir diese kleine Kletterpartie natürlich gemeistert. 😉
Erobern trifft es also tatsächlich ganz gut. Sieseby wollte schließlich erst einmal erklommen werden.
Einfach mal langsam machen
Wir waren zu viert unterwegs und wollten nicht unser gesamtes Gepäck vom Boot mitschleppen. Deshalb teilten wir uns kurzerhand in zwei Gruppen auf. Ralph und ich blieben zunächst am Boot. Wir holten unsere mitgebrachten Stullen heraus, saßen am Wasser und schauten den Kindern beim Plantschen zu. Trotz ihres fröhlichen Lachens lag eine herrliche Ruhe über dem kleinen Anleger.

Nur ab und zu wurde sie unterbrochen, wenn Fahrradfahrer am Steg anhielten, um schnell noch ein Erinnerungsfoto zu machen. Ansonsten: Wasser, Boote, Sonne und dieses wunderbare Gefühl, gerade nirgendwo anders sein zu müssen. Das Hin- und Herschaukeln der Segelboote auf der Schlei wirkte beinahe meditativ. Manchmal braucht es eben gar nicht viel, um runterzufahren.

Und dann kam der Hund
Irgendwann kam ein Mann auf den Steg und steuerte direkt auf einen Hund zu, der sich schützend vor der Sonne unter einer Bank im Schatten niedergelassen hatte. Wir dachten zunächst, der Hund würde zu den beiden Mädchen gehören. Kurz darauf sprang der Mann ins Wasser und drehte ein paar Runden in der Schlei. Der Hund blieb zurück. Und baute sich vor uns auf. Dann begann er uns mit einer ziemlich heiseren Stimme anzukläffen
Nun bin ich ja bekanntlich nicht unbedingt jemand, der an einem Hund einfach vorbeigehen kann, wenn dieser offensichtlich etwas zu erzählen hat. Also quatschte ich ihn an und versuchte herauszufinden, was er denn nun eigentlich von uns wollte.

Sein Kläffen klang schon fast erbärmlich. Das fanden offenbar auch die beiden Mädchen, die inzwischen neugierig zu uns herüberkamen. „Bestimmt will er Gassi gehen“, meinte eine von ihnen. „Aber sein Herrchen ist ja schwimmen.“
Hmm. Das könnte natürlich sein. Oder er hatte einfach Hunger. Da ich zufällig noch den letzten Happen meiner Stulle in der Hand hatte, entschied ich mich für die pragmatische Variante und hielt ihn dem Hund hin.
Er verputzte ihn dankbar. Und legte sich anschließend völlig zufrieden vor unsere Füße. Als würde er schon immer zu uns gehören. Das nennt man dann wohl 1 A betteln. 😉

Ein kleiner Plausch am Steg
Irgendwann kam sein Herrchen wieder aus dem Wasser und wir kamen miteinander ins Gespräch. Wir plauderten über das fantastische Spätsommerwetter, die Schlei und alles, was man eben so erzählt, wenn man sich irgendwo am Wasser begegnet. Es sind oft genau diese kleinen, völlig ungeplanten Begegnungen, die von einem Ausflug hängen bleiben. Und während wir uns unterhielten, kam schließlich unsere Ablösung. Jetzt waren wir an der Reihe, Sieseby zu erkunden.

Durch Sieseby im Spätsommer
Wir machten uns auf den Weg und ließen den kleinen Anleger hinter uns. Der Sommer war noch deutlich zu spüren, aber gleichzeitig kündigte sich der Herbst bereits ganz leise an. Das Rascheln der Blätter war lauter geworden. Die Trockenheit ließ sich nicht mehr übersehen und auch die Heckenrosen hatten inzwischen ihr Fruchtkleid angelegt. Trotz der sommerlichen Temperaturen lag schon etwas Herbstliches in der Luft. Diese besondere Zeit zwischen den Jahreszeiten, in der der Sommer noch nicht ganz gehen möchte, während der Herbst bereits vorsichtig anklopft.
Das weiße Dorf wirkte an diesem Tag fast ein wenig schläfrig. Hier und da hörte man Stimmen, ansonsten war es erstaunlich ruhig. Wir schlenderten durch die Straßen, schauten uns die alten Reetdachhäuser an und ließen uns einfach treiben. Denn genau dafür eignet sich Sieseby wunderbar. Man braucht keinen großen Plan. Ein Ort, an dem man bleiben möchte

Allmählich machten wir uns wieder auf den Rückweg zum Boot. Doch so richtig trennen mochten wir uns noch nicht. Immer wieder blieb unser Blick auf der Schlei hängen. Das Wasser glitzerte in der Sonne, die Boote schaukelten sanft vor sich hin und auf dem Steg war eigentlich überhaupt nichts Besonderes los. Und trotzdem hätte man hier stundenlang sitzen können.
Wenn unsere Bootstour nicht noch weitergegangen wäre, ich glaube, wir hätten tatsächlich bis zum späten Abend auf diesem Steg sitzen und einfach nur aufs Wasser schauen können. Sieseby ist so ein Ort. Ein Ort, an dem man sich ohne große Mühe vorstellen kann, einfach ein bisschen länger zu bleiben. Vielleicht sogar ganz.

Sieseby – diesmal vom Wasser aus
Unser Besuch in Sieseby hat uns wieder einmal gezeigt, dass ein und derselbe Ort ganz unterschiedlich wirken kann. Von Land aus lieben wir das weiße Dorf mit seinen Reetdachhäusern, den Gärten und der ruhigen Dorfstraße. Vom Wasser aus bekommt Sieseby noch eine andere Seite. Die Häuser liegen direkt an der Schlei, die Boote schaukeln vor dem Ufer und der kleine Anleger wird plötzlich selbst zu einem Ort, an dem man verweilen möchte.
Und vielleicht ist genau das der eigentliche Sommertagstraum: Nicht möglichst viel sehen, sondern einfach einmal irgendwo ankommen und denken: Hier könnte ich jetzt noch ein bisschen bleiben.
Noch mehr Sieseby entdecken
Wer Sieseby noch nicht kennt und mehr über die Geschichte des weißen Dorfes, seine Reetdachhäuser, die alte Feldsteinkirche und die besondere Geschichte des Ortes erfahren möchte, findet alles in unserem Beitrag „Sieseby – ein weißes Juwel an der Schlei“.
Denn manchmal lohnt es sich, einen Ort nicht nur einmal zu besuchen, sondern ihn aus verschiedenen Perspektiven neu zu entdecken.
Abenteuer Bootsausflug auf der Schlei…
Die Rücktour von Lindaunis nach Maasholm…
Buchtipp: Ankerplätze an der Schlei

Erscheinungsdatum: 05.05.2021
Gebundene Ausgabe: 104 Seiten
Autoren: Claudia Kerpa, Ralph Kerpa
Preis: 39,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
ISBN: 978-3753403397
Verlag: Books on Demand










8 Kommentare zu „Ein Sommertagstraum in Sieseby“
Liebe Claudia,
was für ein hübscher Ort – danke fürs Vorstellen!
Wir müssen unbedingt bald mal wieder an die Schlei und dann vor allem auch nach Sieseby.
Liebe Grüße
Eva
Liebe Eva,
Sieseby ist echt ein Traum. Für uns mit das schönste Dorf an der Schlei. Ihr müsst euch das unbedingt mal angucken.
Liebe Grüße,
Claudia
Ach, ja, Sieseby, ganz wunderbar (vor allem in der Nachsaison). Da fühlt man sich wie bei Rosamunde Pilcher :-). Besonders gefällt mir der kleine Pilgerweg. Er ist gut ausgeschildert und mit ein paar „Achtsamkeitsübungen“ versehen. Einen schönen Tag und liebe Grüße, Stefanie
Moin Stefanie,
stimmt. Obwohl ich es noch nie erlebt habe, dass Sieseby überlaufen war.
Der Pilgerweg ist in der Tat süß.
Schönen, sonnigen Herbstanfang,
Claudia
Liebe Claudia,
wieder so ein wunderschöner Ort der herrlich im Dornröschenschlaf versunken zu sein scheint. Vielen Dank für Deinen anschaulichen Bericht und die traumhaften Bilder (Danke, Ralph). Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, in so einer Idylle zu leben – aber eher im Sommer als im Winter… 😉
Da das nie der Fall sein wird, muss ich meine Wunsch-Urlaubs- und Anschauliste erweitern und sie wird länger und länger!
Liebe Grüße
Martina
Liebe Martina,
Sieseby ist wirklich ein Dorf zum Träumen. Was mich dort immer so fasziniert ist, dass alles so herrlich zusammen passt. Da ist von Kopf bis Fuß alles stimmig. Vor allem sehen die Häuser so zauberhaft aus, dann der Steg… ach… 😉
Ich glaube, ich könnte dort dauerhaft leben, aber wer weiß… es gibt ja noch andere schöne Orte an der Schlei.
Euch noch einen zauberhaften Abend.
Liebe Grüße,
Claudia
Moin ihr Lieben,
was für eine wunderbare Traumtour!!! + so klasse geschrieben + bebildert,
hach… man meint, man wäre selbst dabei gewesen 😉 Danke für´s Mitnehmen! 🙂
Sieseby is schon ein ganz besonderes Fleckchen an der Schlei.
Liebe Grüsse
Christa
Moin liebe Christa,
Dankeschön. 😉 Du weißt doch, wir nehmen dich gerne mit. Aber du hast Recht, Sieseby hat irgendwie etwas ganz bezauberndes.
Dir noch ein zauberhaftes Wochenende.
Liebe Grüße,
Claudia