Das Wattenmeer an der Nordsee

Ein ablaufender Priel am Strand von St. Peter-Ording // Foto: R. Kerpa

Ein faszinierender Lebensraum zwischen Land und Wasser

Über Jahrtausende und im Rhythmus der Gezeiten, entstand an der deutschen Nordseeküste, eines der fruchtbarsten Naturlandschaften der Welt – das Wattenmeer. Es ist gekennzeichnet durch stetigen Wechsel von Wasser und Land. Große Schilder an der Straße weisen auf das UNESCO-Weltnaturerbe hin. Aber was genau ist das Wattenmeer eigentlich?

Die unendliche Weite am Strand von St. Peter-Ording // Foto: R. Kerpa

Als Watt bezeichnet man den bei Niedrigwasser freiligende Grund der Nordsee. Es wir zweimal am Tag während des Hochwasser überflutet und fällt bei Niedrigwasser wieder trocken. Der zeitliche Abstand zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt durchschnittlich sechs Stunden und zwölf Minuten. Das Wattenmeer erstreckt sich über eine Länge von 450 Kilometern, von den Niederlanden über die gesamte deutsche Nordseeküsten bis hin zur dänischen Stadt Esbjerg und ist somit das Größte der Erde. Vom Festland aus erreicht das Wattenmeer eine Ausdehnung von bis zu 40 Kilometern in die offene See hinaus, d.h. dass z. B. bei Niedrigwasser, an der deutschen Nordseeküste, eine Fläche von ca. .3500 Quadratkilometern trocken fällt.

Blick auf die Nordsee von Strand in Westerhever ab ablaufenden Wasser // Foto: MeerART

Der deutsche Teil des Wattenmeeres ist bis auf die großen Schifffahrtsrouten, wichtiger Flussmündungen, als Nationalpark geschützt. Der dänische und niederländische Teil unterliegen verschiedenster Schutzmaßnahmen. Seit 2009 gehört der schleswig-holsteinische, der niedersächsische und der niederländische Bereich zum UNESCO-Weltnaturerbe. 2011 wurde auch der hamburgische Teil mit in die Welterbeliste aufgenommen.

Wattlandschaft bei Ebbe vor St. Peter Ording // Foto: MeerART

Geologisch gesehen ist das Wattenmeer eine sehr junge Landschaft und verdankt seine Entstehung der Eiszeit. Ursprünglich bestand die Nordseeküste aus Sandern (Schotterebene) und Moränen (Schuttablagerunden der Gletscher), die von Eiszeitgletschern aus skandinavischen Gesteinen geformt wurden. Heute ist es der Naturraum der Geest (Sandablagerungen). Für die Entstehung des Wattenmeeres ist ein stetiger Sedimentzufluss aus Flüssen und Meeresströmungen, der sich im Schutz der Küsten ablagert, unabdingbar.

Ein Krebs im Watt vor St. Peter Ording // Foto: MeerART

Für viele mag der bei Ebbe endlose Wattboden, mit seinen typischen, durch Strömungen und Wellenbewegungen gekräuselten Gemarkungen, karg und unwirklich erscheinen, doch das Wattenmeer, mit seinen Salzwiesen und Muschelbänken ist für mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten ein vielfältiger Lebensraum. Jährlich werden zehn Millionen Zugvögel angelockt, die hier brüten oder sich für ihre Weiterreise stärken. Trotz der für viele Organismen tödlichen Salzkonzentration, weist das grüne Vorland der Salzwiesen, eine enorme Vegetationsdichte auf.

Salzwiesen an der Nordseeküste am Strand von St. Peter-Ording // Foto: MeerART

Das Bild der Nordseeküsten wird bestimmt durch das Weichbodenwatt mit seinen drei Sedimentzonen: dem Schlickwatt, dem Mischwatt und dem Sandwatt. Das Schlickwatt, das dem barfuß laufenden Besucher zwischen den Zehen hervor quillt, – was ich besonders lustig finde, während Ralph das gar nicht mag 😉 – gehört zu den wertvollsten Lebensräumen im Wattenmeer. Dieser ist auch für die ständige Eintrübung des ufernahen Wattenmeer verantwortlich. Im Misch- und Sandwatt trifft der Wattbesucher so typische Bewohner wie den Wattwurm, oder auch verschiedene Muscheln und Schnecken an.

Naturschutzgebiet an der Nordsee // Foto: MeerART

Wenn sich das Wasser bei Ebbe aus dem Watt zurückzieht, fließt es nur scheinbar ebenmäßig von den weiten Ebenen des Wattbodens ab. Bei näherem Hinsehen kann man zahlreiche kleine Rinnsale und Verästelungen erkennen, die das zurückweichende Wasser mitunter zu mächtigen und reißenden Prielen zu führen. Während sie für die Schifffahrt als Fahrwasser unentbehrlich sind, stellen sie für Wattwanderer eine ernstzunehmende Gefahr dar.

Ein Warnschild am Strand von St. Peter Ording // Foto: MeerART

Im Gegensatz zur Einschätzung vieler Touristen, füllt sich das Wattenmeer bei Flut nicht gleichmäßig, sondern die Priele laufen zuerst voll. Rinnen, die bei Niedrigwasser nur wenige Zentimeter tief waren, können sich in wenigen Minuten zu veritablen Flüssen auswachsen. Priele weisen aufgrund ihrer oftmals großen Wassermengen hohe Fließgeschwindigkeiten auf, die selbst beste Schwimmer überfordern und deshalb jedes Jahr mehrere Tote fordert.

Salzwiesen – Ein Wunder der Natur

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