Ein Tag in St. Peter-Ording – zwischen Leichtigkeit und einem Barfuß-Marathon.
Wenn wir erst einmal die lange und manchmal etwas nervige Autofahrt Richtung St. Peter-Ording hinter uns gebracht hatten, begann der Tag für uns schon mit einem Lächeln. Wann immer wir an unseren Lieblingsstrand in Böhl fuhren, wartete Helmut schon mit seinem freundlichen Wesen darauf, die Kurtaxe und Parkgebühren für den Strand zu kassieren. 😉
Es sind oft genau diese kleinen Begegnungen, die einen Ort vertraut machen.
Barfuß ins Glück – der Weg ins Naturschutzgebiet
Endlich das Auto abgestellt, begann bei uns das Kribbeln im Bauch. Endlich wieder an diesem tollen, endlosen Strand sein. Vor lauter Vorfreude konnten wir uns manchmal gar nicht entscheiden, in welche Richtung wir zuerst laufen sollten.
An diesem Tag hatten wir uns für die linke Seite in Richtung Naturschutzgebiet entschieden. Schuhe aus, noch schnell eine Stulle mampfen und los.
Wie sah das Watt heute aus? Was gab es zu entdecken? Wo stand das Wasser und was hatte die Nordsee wieder alles angespült? Und natürlich die Frage, welche Motive uns diesmal begegnen würden.

Vor uns lief eine Gruppe, die an einer Wattwanderung teilnahm. Hinter uns war eine Gruppe hoch zu Ross unterwegs und wir mittendrin. Irgendwo dazwischen, barfuß im Sand und mit dem Blick auf die Nordsee, fühlten wir uns einfach frei.
Den Stress des Alltags erst einmal in die Ecke stellen. Die Füße ins Wasser halten, den Himmel und sein Wolkenspiel beobachten und einfach weiterlaufen.
Nach gut zwei Kilometern trieb es uns diesmal aus irgendeinem Grund dann doch in die andere Richtung.

Wir liefen in Richtung Dorf, dorthin, wo wir bei einem vorherigen Besuch noch die tollen Sandbänke und den weißen Sandstrand gesehen hatten.
Kurz darauf kamen uns zwei Urlauber entgegen und fragten, wann das Hochwasser komme. Wir erklärten ihnen, dass es noch ungefähr zwei bis drei Stunden dauern würde und sie ihren Spaziergang problemlos fortsetzen könnten.

Unerwartete Wendung: Der Priel und die große Frage
Wir selbst überquerten den Priel und liefen weiter. Hier und da blieb unser Blick an etwas hängen, das fotografiert werden wollte. Das Licht war so gleißend, dass wir immer wieder überlegten, ob die Pfahlbauten in Bad bereits im Wasser standen oder ob uns nur eine optische Täuschung einen Streich spielte.
Egal. Einfach weiter. Und irgendwie auch ein bisschen kreuz und quer.
Zwischen Böhl und Bad gibt es eine Stelle, an der der Sand so fein ist, dass man sich beinahe wie in der Karibik fühlt. Bis auf die Palmen natürlich. Die fehlen. 😉
Perfekt, um loszulassen und die Zeit für einen Moment zu vergessen.

Irgendwann trieb uns das schlechte Gewissen dann doch zum Rückweg. Und was soll ich sagen? Als wir wieder am Priel ankamen, war dieser inzwischen kräftig vollgelaufen. Für uns gab es hier kein Durchkommen mehr.
Keine Ahnung, ob es euch schon einmal ähnlich ergangen ist, aber in diesem Moment überkommt einen dann doch eine leichte Panik. Immer am Priel entlang wurden unsere Schritte schneller – natürlich in der Hoffnung, irgendwo noch eine Möglichkeit zum Überqueren zu finden, ohne dafür bis nach Bad laufen zu müssen.

Plan B – oder lieber Plan Z?
Wir blickten auf das Warnschild und fragten uns, ob es wirklich so gefährlich sein konnte. Sollten wir es versuchen oder lieber doch nicht?
Da wir unser Fotoequipment dabei hatten, entschieden wir uns glücklicherweise für die vernünftige Variante und liefen weiter Richtung Bad. Irgendwo musste es doch noch einen Weg über diesen Priel geben.
Wir wagten sogar einen Abstecher über die Dünen Richtung Salzwiesen. Aber auch dort war kein Durchkommen.

Auf der anderen Prielseite sahen wir die Badegäste fröhlich plantschen. Sie waren so nah und doch so fern. Uns blieb tatsächlich nichts anderes übrig, als weiter in die entgegengesetzte Richtung unseres eigentlichen Ziels zu laufen.
Mittlerweile vom Hunger und Durst getrieben, kamen wir mit müden Beinen in Bad an. Und nun? Taxi nehmen oder zu Fuß auf dem Deich zurücklaufen?
Die Barfuß-Odyssee auf dem Deich
Uns packte der Ehrgeiz. Wir entschieden uns, den Weg zu Fuß zurückzulaufen. Barfuß, wohlgemerkt. Damals ahnte noch keiner von uns, dass hier der eigentliche Albtraum erst beginnen würde.
So einen pickeligen Asphalt hatte von uns nämlich keiner erwartet.
Am Anfang ging es noch. Aber Kilometer für Kilometer wurde der Untergrund gemeiner und wir spürten wirklich jeden einzelnen Stein unter unseren Sohlen.

Urlauber warfen uns mitleidige Blicke zu. Aber was sollten wir tun?
Rechts die Salzwiesen, links Weiden und Wald – einen wirklich angenehmeren Weg gab es für uns in diesem Moment nicht. Umkehren hätte ebenfalls nichts gebracht.
Zwischen Fluchen und völliger Erschöpfung mussten wir uns irgendwann eingestehen, dass man manchmal doch lieber nachgeben sollte und anderen den Ehrgeiz überlässt. 😉
Autsch! Dornen, Krämpfe und ein kleiner Trost
Als endlich der erste Grünstreifen in Sicht kam, schöpften wir Hoffnung. Vielleicht würde es sich dort besser laufen. Tat es auch. Zumindest ein bisschen.
Dafür lernten wir die Dornen der Wildrosen kennen, die sich zunächst gut versteckt im Gras befanden und sich wenig später ihren Weg in unsere Füße bahnten.
Aua!

Die Dornen gezogen, liefen wir mit leicht blutigen Füßen weiter. Schön war anders. Dazu stellten sich die ersten Wadenkrämpfe ein und das Ende war noch lange nicht in Sicht.
Aber immerhin kamen wir dabei dem Böhler Leuchtturm so nah wie nie zuvor. Bisher hatten wir ihn immer nur vom Strand aus gesehen.
Ab hier konnten wir wenigstens unbeschadet durch das Gras der Salzwiesen laufen. Das tat richtig gut und kühlte die Füße sogar ein wenig.
So langsam kamen wir dem Strandparkplatz näher. Und ich kann euch sagen: Wir waren noch nie so froh, endlich wieder am Auto zu sein. 🙂
Fazit: Zwischen Glücksgefühlen und Grenzerfahrung
Was als entspannter Strandtag begann, endete in einem echten Barfußabenteuer. Und ja – auch wenn wir am Ende völlig erschöpft waren, waren wir ein kleines bisschen stolz auf uns.
St. Peter-Ording hatte uns mal wieder gezeigt, wie schnell aus einem leichten, unbeschwerten Tag ein echtes Erlebnis werden kann. Mit allem, was dazugehört: Watt, Wind, Sand unter den Füßen, ein bisschen Abenteuer – und einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung. 😉
Leider waren wir so kaputt, dass wir es versäumt haben, unsere Füße zu fotografieren. Vielleicht wäre das sowieso das passendste Bild dieses Tages gewesen. 😉
Noch ein Wort für deinen Besuch
Was wir an diesem Tag gelernt haben? Das Watt ist wunderschön, aber es ist eben auch eine Landschaft, die sich ständig verändert. Wasserstände, Priele und Wege, die eben noch problemlos passierbar schienen, können kurze Zeit später ganz anders aussehen.
Unser Barfuß-Marathon ist deshalb vor allem eines: eine persönliche Geschichte aus einem unserer vielen Tage in St. Peter-Ording und keine Empfehlung, es uns nachzumachen.
Wer St. Peter-Ording entdeckt, sollte sich für das Watt und die Gezeiten ausreichend Zeit nehmen, aktuelle Hinweise beachten und bei Unsicherheit lieber einmal mehr auf die örtlichen Informationen schauen.
Denn eines ist sicher: Für uns gehört gerade diese Mischung aus Weite, Natur und dem Respekt vor den Kräften der Nordsee bis heute zu dem, was St. Peter-Ording so besonders macht.









