Co-Working the International Edition

Einfach mal Grenzen überschreiten

Ein schöner und sonniger Herbsttag im dänischen Tønder // Foto: MeerART

Es war schon immer ein Wunsch von uns, dass, wenn wir in einer Grenzregion leben, auch von beiden Ländern partizipieren möchten. Und damit meine ich nicht nur das Reisen, sondern Land und Leute richtig kennenlernen. Mehr noch, wir möchten private und berufliche Freundschaften schließen. Ob das geht?

Seitdem wir in Nordfriesland leben und damit zur deutsch-dänischen Grenzregion gehören, haben wir unser Nachbarland natürlich schon mehrfach besucht. Es macht riesigen Spaß, die vielen schönen Landstriche zu entdecken und so langsam wächst auch unsere Neugierde, wie unsere dänischen Nachbarn wohl so ticken. Aber wie stellt man das an, wenn man der dänischen Sprache nicht mächtig ist? Wie sollen wir uns verständigen?

Ein schöner und sonniger Herbsttag im dänischen Tønder // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Schon beim Lesen der Ortsnamen kräuseln sich unsere Nackenhaare, denn wir haben bisher nicht die geringste Ahnung, wie man diese Zungenbrecher aussprechen soll. Ich meine, ich bin zwar nicht auf den Mund gefallen, aber da muss ich zugeben doch unsicher zu sein. Immerhin will ich nicht voraussetzen, dass mein Gegenüber deutsch spricht. Komme ich mit Englisch weiter? Fragen über Fragen, auf die wir so langsam Antworten finden. Und das alles begann durch einen glücklichen Zufall.

Vom Beachcamp zum Co-Working

Im September nahmen wir beide wieder am Beachcamp in St. Peter-Ording teil. Ein Barcamp, das von Inga und Christian Wiele ins Leben gerufen wurde und mittlerweile hohe Wellen schlägt. So hoch, dass diese auch in Dänemark angekommen sind, denn zum ersten Mal nahmen auch Dänen teil. Was für eine Chance.

Co-working mit der deutsch-dänischen Beachcamp 2018 Delegation in Tønder // Foto: MeerART

Eine Chance, die wir natürlich nutzten und so fand schon während des Beachcamps ein reger Austausch statt. Dabei wurden erste Berührungsängste abgebaut. Nicht zuletzt auch deshalb, weil alle teilnehmenden Dänen so gut deutsch sprachen.

Was das angeht ist Dänemark uns um Längen voraus, denn in den meisten Schulen ist Deutsch und Englisch fester Bestandteil im Schulunterricht. Aber es gibt noch einen weiteren Vorteil auf der dänischen Seite. Da Dänemark so ein kleines Land ist, werden/wurden ausländische Filme nicht synchronisiert, das heißt, sie haben die Fremdsprachen immer im Ohr, während im Untertitel die dänische Übersetzung mitlief bzw. mitläuft. Um so trauriger finde ich es, dass wir auf der deutschen Seite (zumindest auf die Grenzregion bezogen) die dänische Sprache nicht als Schulfach haben/hatten – nicht mal als Wahlfach.

Ein schöner und sonniger Herbsttag im dänischen Tønder // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Zu unserer Freude blieb es nicht nur beim ersten Kennenlernen. Schon kurz nach dem Beachcamp trafen wir uns mit Lillian an der deutsch-dänischen Grenze zu einem Kaffee. Wir lernten uns näher kennen und tauschten uns darüber aus, wie wir dem anderen im jeweiligen Land Hilfestellungen geben können. Ein nettes Miteinander begann und mit Sicherheit wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir uns getroffen haben.

Ein schöner und sonniger Herbsttag im dänischen Tønder // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Des weiteren ergab sich noch eine Möglichkeit zum deutsch-dänischen Austausch, denn aufgrund des Beachcamps ist noch eine weitere Idee geboren worden. Ditte hatte nicht nur ganz spontan eine Session zum deutsch-dänischen Austausch gehalten – wofür ich sie übrigens sehr bewundert haben – sondern auch die Idee, zu den in Dänemark ohnehin schon stattfindenden Co-Working-Days auch einen internationalen einzuführen. So entstand der erste Iværksætterarbejdsdag (dt. Unternehmertag) / Co-Working the International Edition in der Mind Factory in Tønder. Alle, die sich für einen weiteren deutsch-dänischen Austausch interessieren, haben so die Möglichkeit sich näher kennenzulernen.

Die Mindfactory vom Campus Tønder // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

In der Einladung stand u.a.: „There will be time for sparring, talking, working whatever. I expect the language to be a mix of what comes easier: German, Danish or English, propably a mix.“ Oh je, dachte ich mir. Das letzte Mal, dass ich Englisch gebraucht habe, ist zwanzig Jahre her – also irgendwo eingestaubt in meinem Hirn – und dänisch?! Dass ich das nicht kann, sagte ich bereits und dennoch wollte ich unbedingt dabei sein.

Die eigene Komfortzone verlassen

Ralph wollte eigentlich auch dabei sein, konnte aber nicht, da er an diesem Tag noch einen wichtigen Kundentermin hatte. Also nahm ich allen Mut zusammen und fuhr allein. bzw. verabredete mich mit zwei entzückenden Mädels (Inga und Nina) und wir fuhren gemeinsam nach Dänemark. (Mädels, die Story mit dem Abholen lasse ich mal unter uns. ;-))

Co-working mit der deutsch-dänischen Beachcamp 2018 Delegation in Tønder // Foto: MeerART / Claudia Kerpa

Es war ausgemacht, dass sich alle Teilnehmer zuerst in einem Café treffen und wir den Co-Working-Day bei einem gemeinsamen Frühstück starten. Eine tolle Idee, denn beim Essen ist so ein Austausch irgendwie immer gleich viel einfacher. Beim Frühstücken waren wir noch zu sechst, also Lillian, Ditte und Mikkel aus Dänemark und wir drei Mädels von der nordfriesischen Westküste. Und was soll ich sagen, es war ein wirklich sehr lustiges und mutmachendes Zusammentreffen. Wir haben uns ausgetauscht und viel gelacht, festgestellt, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt, aber auch kulturelle Unterschiede. Einfach spannend.

Co-working mit der deutsch-dänischen Beachcamp 2018 Delegation in Tønder // Foto: MeerART / Claudia Kerpa

Später fuhren wir gemeinsam in die Mind Factoy by Ecco. Dort setzten wir nicht nur den Austausch fort, sondern bekamen viel erklärt und durften noch weitere Personen kennenlernen. Ich muss schon sagen, es lag jede Menge Spirit in der Luft und wir alle möchten diesen grenzübergreifenden Austausch fortsetzen, denn wir sind uns darüber einig, dass wir gemeinsam so viel mehr erreichen können und wollen.

Co-working mit der deutsch-dänischen Beachcamp 2018 Delegation in Tønder // Foto: MeerART / Claudia Kerpa

Ich war von dem Tag richtig beflügelt und glücklich. All das hätte ich nicht erlebt, wenn ich meine Komfortzone nicht verlassen hätte, um mich auf das Neue einzulassen. Ja, ihr lest richtig, denn auch ich habe Ängste, aber wie ihr lesen könnt, lohnt es sich sie zu überwinden. Ja, ich kann mir sogar vorstellen die dänische Sprache zu lernen, auch wenn diese angeblich zu den eher schwierig zu lernenden Sprachen gehören soll.

Ein schöner und sonniger Herbsttag im dänischen Tønder // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Und wenn ihr mögt, lassen wir euch auch in Zukunft an unseren deutsch-dänischen Erlebnissen teilhaben. Einfach, um Mut zu machen und Grenzen, die in der Regel nur in den Köpfen bestehen, zu überschreiten.

2 Gedanken zu „Co-Working the International Edition

  1. Moin liebe Claudia,

    deine gemachten Erfahrungen kann ich nur noch bekräftigen.
    Seit einigen Jahren bin ich mit der dänischen Bildhauerin Bodil Arbjerg Lundby befreundet. Und unsere Gespräche sind auch immer ein kunterbuntes Gemenge aus Deutsch – Englisch – Dänisch. Es ist herrlich 🙂
    Unsere Hauptsprache ist Englisch. Wenn mir eine Vokabel fehlt, sage ich den deutschen Begriff, den Bodil meist versteht. Umgekehrt – wenn Bodil die englische Vokabel fehlt, sagt sie das dänische Wort und ich verstehe es meist.
    Es ist schon witzig, aber es funktioniert ganz wunderbar.

    Weiterhin viel Spaß beim Kennenlernen und Erkunden unserer dänischen Nachbarschaft
    wünscht dir bzw. euch
    Ellen

    1. Moin liebe Ellen,

      danke für deine Zeilen, dann kannst du mich/uns ja bestens verstehen. Mir macht dieses Kuddel-Muddel richtig Freude und ich bin schon gespannt auf die nächsten Treffen. Eines davon wird demnächst auch bei uns im Atelier sein. Das dürfte nicht nur muggelig, sondern auch richtig hyggelig werden. 😉 Ich freu mich schon sehr darauf.

      Das mit dir und deiner Freundin hört sich ebenfalls nach sehr viel Spaß an. Bei uns gibt es leider noch ein absolutes Ungleichgewicht, denn die Dänen sind mit ihrem Deutsch natürlich viel weiter, als wir mit unserem dänischen Kenntnissen. Da ist echt Handlungsbedarf, aber ich bin schon dabei mir erste Ssprachkenntnisse anzueignen. Doch bis ich so unverblümt losplaudern kann und auf Hilfestellung der Dänen hoffen kann, wird es wohl noch eine Weile dauern. 😉

      Danke dir und hyggelige Grüße,
      Claudia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Deine neusten Beiträge bewerben