Schleswig: Liebe auf den zweiten Blick

Wie uns Schleswig an der Schlei verführte

Impressionen aus der Kreisstadt Schleswig an der Schlei // Foto: MeerART

Gibt es so etwas wie Liebe auf den zweiten Blick auch für eine Ortschaft? Absolut. Wie gut, dass wir so eingestellt sind, alles und jedem eine zweite Chance zu geben, sonst hätten wir die Wikingerstadt Schleswig nicht so lieben gelernt, geschweige denn so viele schöne Dinge gesehen wie heute.

Ob wir bei unserem ersten Besuch in Schleswig von unserer eigentlichen Tour schon zu kaputt waren oder damals einfach von der falschen Seite gestartet sind, lässt nicht nicht mehr feststellen. Natürlich hat nicht jede Stadt nur eine Schokoladenseite, das wäre zu schön um wahr zu sein, doch damals wurden wir mit der Stadt nicht so recht warm. Oder anders gesagt, wir haben die Vielfältigkeit der Stadt einfach nicht erkannt. Ausgenommen das verträumte Fischerviertel von Holm, das hatte uns sofort fasziniert.

Impressionen aus der Kreisstadt Schleswig an der Schlei // Foto: MeerART

Schon lange stand auf unserer „to-do-Liste“ ein Besuch beim Ostseefjord Schlei, denn so eine herzliche Einladung wollten wir einfach nicht abschlagen. Gleichzeitig wollten wir die Chance nutzen und die Stadt näher kennen lernen. Da auch die Wetteraussichten für diesen Tag sonnig angekündigt waren, konnte ja nichts mehr schief gehen. Wie sich später noch herausstellen würde, spielte das Wetter allerdings Katz und Maus mit uns.

Das Fischerviertel Holm in Schleswig // Foto: MeerART

Nach unserem netten Besuch beim Team von Ostseefjord Schlei mit vielen neuen Eindrücken stand unsere Stadtbesichtigung auf dem Plan. Schade nur, dass sich der blöde Hochnebel nicht so recht verziehen wollte. Während wir so durch die Altstadt schlenderten, lasen wir so süße Straßennamen wie „Apotherkergang“, „Hafengang“ und „Töpferstraße“.

Impressionen aus der Kreisstadt Schleswig an der Schlei // Foto: MeerART

So vielversprechend die Namen klangen, sahen auch die rosenverzierten Häuser in der Altstadt aus. Eines niedlicher als das andere. Zu dumm nur, dass es ausgerechnet jetzt zu nieseln anfing. Wobei, im Nachhinein sage ich Gott sei Dank, denn ansonsten hätte uns wohl nichts in den St.-Petri-Dom verschlagen.

Impressionen aus der Kreisstadt Schleswig an der Schlei // Foto: MeerART

Schon von außen wirkt der Dom samt Nebengebäude mehr als imposant, von innen verschlägt er einem buchstäblich die Sprache. Kein Wunder, dass dieses prunkvolle Gebäude zu den bedeutendsten Baudenkmälern Schleswig-Holsteins zählt. Der Schleswiger Dom ist Bischofskirche für den Sprengel Schleswig und Holstein der Nordkirche und die Hauptkirche der Region.

Der St. Petri-Dom zu Schleswig // Foto: MeerART

Im Inneren fühlten wir uns richtig klein. Gefühle wie Ehrfurcht, Faszination und Unbehagen lösten sich ab. Ganz besonders, als wir vor den Grabkammern standen. Das ist schon irgendwie ein komisches Gefühl, wenn du weißt, dass vor dir Menschen in den riesigen Särgen liegen. Neben den vielen alten Kunstwerken ist aber auch Platz für moderne Kunst.

Der St. Petri-Dom zu Schleswig // Foto: MeerART

So befindet sich im Innenhof des Schwahl (kühlen Ganges) die Ausstellung „Das Kreuz – Zeichen und Symbol“ des Künstlers Andreas Dorfstecher. Der Schwahl ist eines der bedeutendsten Bauwerke seiner Art im ganzen Ostseeraum. Es diente dem Domkapitel als Prozessionsgang und als Raum für geistliche Veranstaltungen, wie z.B. Totenmessen.

Impressionen aus der Kreisstadt Schleswig an der Schlei // Foto: MeerART

Unser Wettergott meinte es aber gar nicht gut mit uns. Statt der versprochenen Sonne hatten wir nun Regen und davon nicht zu knapp. Also flitzten wir zu unserem Auto zurück und suchten uns ein schönes Plätzchen mit Blick auf die Schlei, um uns mit einem kleinen Picknick zu stärken. Gelandet sind wir „Auf der Freiheit“, einem Stadtteil von Schleswig, in dem ganze Wohnquartiere neu entstanden sind und noch entstehen. „Ihr Wohntraum am Wasser“ lautet der Slogan für das neue maritime Viertel und bringt der Stadt einen ganz neuen Look.

Die Mühle Nicola an der Schlei in Schleswig // Foto: MeerART

Mein persönlicher Wohntraum stand ein Stück weiter, die Mühle „Nicola“. Wow, ist die schön. Sollte ich mal im Lotto gewinnen, wäre die Mühle samt Nebengebäude mein absoluter Wohntraum. Die Mühle Nicola ist Bestandteil einer Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das historische Kulturdenkmal als „funktionierendes Museum“ der Öffentlichkeit zu erhalten und zugänglich zu machen. Das hier hergestellte Vollkornmehl soll dazu verwendet werden, um auf traditionelle Art Brot herzustellen. Das Vollkornmehl wird in der Backstube von ODINS Gasthaus verarbeitet. Was für eine klasse Verbindung zwischen „Kultur“ und „Gesundheit“.

Impressionen aus der Kreisstadt Schleswig an der Schlei // Foto: MeerART

Zum Nachmittag bildeten sich die ersten Wolkenlücken und wir starteten einen zweiten Versuch. Nach der Altstadt rund um den Dom wollten wir unbedingt noch einmal in das Fischerviertel von Holm. Dazu werde ich aber noch wieder einen extra Beitrag machen, sonst wird dieser hier zu lang.

Allmählich wird mir immer bewusster, dass der Slogan „LANGSAMZEIT“, den man für die Schleiregion gewählt hat, mehr als zutreffend ist.

Impressionen aus der Kreisstadt Schleswig an der Schlei // Foto: MeerART

Auch eine Stadt wie Schleswig lässt sich nämlich nicht im Schnelldurchgang erkunden. Um die vielen Sehenswürdigkeiten zu erleben und zu genießen braucht man vor allem eines – Zeit. Und zu sehen gibt es hier wirklich reichlich. Ob am Hafen oder ein Stück weiter bei den Königswiesen, überall gibt es kleine Highlights, die das Auge erfreuen und entdeckt werden wollen.

Impressionen aus der Kreisstadt Schleswig an der Schlei // Foto: MeerART

Von den Königswiesen, die Müßiggang und Spielfreude auf ganz tolle Weise vereinen, hat man wieder einen tollen Blick auf den Dom. Müßiggang, weil man hier toll spazieren gehen oder auf einer Bank verweilend, den Blick auf die Schlei und die Möweninsel genießen kann und Spielfreude, weil es hier viel Raum für Kinder und Jugendliche gibt, wo sie sich sportlich betätigen und vergnügen können.

Das Stadtmuseum Schleswig // Foto: MeerART

Und als ob das alles nicht schon spannend genug wäre bietet Schleswig noch weit mehr. Zu den Dingen, die man sich unbedingt angucken sollte, zählt auch das Stadtmuseum mit seinem wunderschönen Adelshof. Hinter den historischen Mauern des Palais warten Stadtgeschichte und Geschichten aus über 1.200 Jahren.

Das Schloss Gottorf in Schleswig // Foto: MeerART

Oder das Schloss Gottorf, was einst die Residenz der Gottorfer Herzöge war. Sie waren es, die Schleswig im 16. und 17. Jahrhundert zum kulturellen Zentrum Nordeuropas machten. Heute beherbergt das Schloss die Landesmuseen für Kunst und Archäologie. Zu den berühmtesten Ausstellungsstücken zählen zweifellos die Moorleichen.

Ganz zu schweigen von der wikingerzeitlichen Hafenstadt Haitabu, die über zweieinhalb Jahrhunderte das politische, ökonomische und auch religiöse Geschehen an der Schnittstelle zwischen Nord- und Ostsee prägte.

Die Wikingerstadt Schleswig ist wirklich vielfältig. Eins steht schon mal fest, wir müssen unbedingt wieder kommen und uns alles selbst noch einmal genauer ansehen, denn Langsamzeit ist nun wirklich das “A“ und „O“ hier.

14 Gedanken zu „Schleswig: Liebe auf den zweiten Blick

  1. Hallo Ihr beiden,
    der Beitrag hat wieder die volle Sehnsucht in mir erweckt, diesen schönen Ort zu besuchen und mich selbst zu entschleunigen. Allein von der Beschreibung her fühlte ich mich schon nicht mehr so gehetzt. Da muss ich demnächst unbedingt mal hin.

    Es fasziniert mich auch immer wieder, dass es so viele schöne historische Plätze in Deutschland trotz der Zerbombungen aus dem zweiten Weltkrieg gibt. Man kann gar nicht genug hinsehen.

    1. Liebe Ilona,

      vielen Dank für deine lieben Zeilen.
      Ich stimme dir voll zu, bin selber immer völlig fasziniert wie schön wir es in Deutschland haben. Vor allem die vielen kulturellen Schätze, die oft sehr liebevoll wieder hergerichtet wurden.

      Wir freuen uns, wenn auch wir dich anstecken konnten. Schleswig ist so facettenreich, da sollt wirklich für jeden etwas dabei sein.

      Herzliche Grüße,
      Claudia

  2. Liebe Claudia,
    da ich mit einem Bein in Rente steh und mir für den Herbst des Lebens eine schöne Bleibe suche,
    mit viel Wasser, Kultur und wenig Randale, werde ich mir nach Deinem Bericht über Schleswig die Stadt mal genauer anschauen. Es scheint, als träfe sie nach Deinen Erlebnissen meine Auswahlkriterien recht gut. Solltest Du noch weitere Hinweise für mich haben, insbesondere zu dem Charakter und Lebensweise der Einwohner, so lass es mich bitte wissen.
    Herzliche Grüße aus dem Süden
    Axel

    1. Lieber Axel,

      vielen dank für deinen netten Kommentar. Das hört sich aber nach einem sehr schönen Plan an. Ich kann mir die Stadt Schleswig sehr gut dafür vorstellen, aber wohl nicht nur die. Manches muss man tatsächlich erst einmal mit dem zweiten Blick entdecken, aber je mehr wir von der Schleiregion kennen lernen, desto faszinierter sind wir eigentlich. Auch wir stellen uns hier eine neue Bleibe für uns vor. Wer weiß, vielleicht sind wir sogar bald Nachbarn.

      Wir können uns gern näher über diese Region austauschen. Vielleicht helfen dir auch weitere Beiträge, die wir bereits über die Region geschrieben haben.

      Herzliche Grüße,
      Claudia

  3. Moin Moin, liebe Claudia
    Da bin ich mal wieder….
    Was für ein Segen, dass ich eure Seite für mich entdeckt habe!! Ihr seid eine tolle Hilfe bei der Suche nach einer geeigneten Region für unseren Neustart im Hohen Norden. Schleswig scheint ja wunderschön zu sein, wir sind allein von den Bildern schon ganz angetan. „Zufällig“ haben wir im Ort ein Haus gefunden, was zum Verkauf steht…. Kurz vor Ostern machen wir uns nun auf den Weg von der Schweiz in die Schlei-Region zur Besichtigung!
    Danke für diesen tollen Bericht. Wenn auch schon etwas älter, hat er sicher nichts an Aktualität verloren. 😉 Ich werde wieder berichten.

    1. Moin liebe Sabina,

      das freut uns natürlich ganz besonders.
      Mensch, da fiebert man ja jetzt nicht nur für sich selbst, sondern auch für euch mit. 🙂
      Bin gespannt wo ihr und wir am Ende landen werden. Wir hatten letzte Woche wieder einen Besichtigungstermin unweit von Kappeln. Die Lage war zwar toll, aber das Haus für den Zustand einfach zu teuer. Die Gespräche mit den Maklern sind allmählich sehr ernüchternd. Immobilien sind knapp und es wollen immer mehr in den Norden ziehen, die tatsächlich auch bereit sind jeden Preis zu zahlen. Das nutzen die Verkäufer natürlich aus und verlangen oft viel mehr, als das Objekt wert ist. Wenn man dann auch noch sanieren muss, verschlingt das schnell ganz viel Geld. Puh… wir sind derzeit jedenfalls total gefrustet. Hoffentlich habt ihr mehr Glück.

      Übrigens, nach unserem Termin waren wir noch bei meinem Dad in Malente und als wir durch den Ort fuhren waren die Cafés trotz Nebensaison gut besucht. Also, wie ich schon sagte, einfach selber fühlen und nicht auf andere hören. 🙂

      Jetzt bin ich gespannt, was du uns von Schleswig berichten wirst.

      Herzliche Grüße,
      Claudia

      1. Moin liebe Claudia
        Was die Immobilienpreise in der Region angeht sprichst du mir aus der Seele…unglaublich!! Da werden abgewohnte Häuser mit hohem Sanierungsbedarf in Dörfern mit schlechter Infrastruktur angeboten…..aber zu Preisen, dass einem die Augen tränen. Wir sind daher auch von einem Reetdachhaus abgekommen, wenn auch schweren Herzens.
        In Malente wird grad ein hübsches Backsteinhaus angeboten unter dem Titel: Top saniertes Häuschen im Grünen. Preis so ca. 279.000 EUR. Ich weiss aber, dass die auf 200.000 runter gehn würden. Es müsste noch nicht mal was renoviert werden. Ich kenne ja euer Budget und eure Vorstellungen nicht, aber du kannst ja mal einem Blick drauf werfen. Das Haus wird bei immoscout24 angeboten. Wir haben damit schon geliebäugelt, aber da wir einen grossen Hund haben ( und noch ein zweiter dazu kommt) ist es für uns etwas zu klein.
        Malente käme durchaus auch noch in Frage für uns, wir sind da offen. Im Sommer sind wir ja in den Ferien dort und werden in alle Richtungen suchen und besichtigen. Sofern etwas angeboten wird, was passen könnte…
        Jetzt muss ich dich aber mal was fragen, da du ja ein echtes Nordlicht bist: Warum haben die Häuser im Norden alle keinen Keller und (fast) nur Carports anstatt geschlossener Garagen? Wir kennen das von hier gar nicht. Gibt es dafür einen bestimmten Grund ?

        Ich wünsch dir einen wunderbaren Tag
        Liebe Grüsse
        Sabina

      2. Moin liebe Sabina,

        ja so ist es in der Tat. Schlimm ist nur, dass sie die auch loswerden. Es gibt genug Leute mit Geld, denen es egal ist. Die kaufen und sanieren von Grund auf. Das können wir leider zeitlich und finanziell nicht leisten.
        Danke für den Tipp, aber Malente kommt für uns nicht in Frage. Unser Hauptaugenmerk liegt auf Nordfriesland und Angeln.

        Und nu zu deiner Frage.. ja, ich bin ein waschechtes Nordlicht und Schleswig-Holsteinerin. 🙂 Deine Frage ist bezüglich der Keller ist ziemlich leicht zu beantworten. Die meisten Häuser haben keinen Keller, da – nicht nur aufgrund der Küstenlage – der Grundwasserspiegel sehr hoch ist. Wie das aussieht, wenn man trotz hohem Grundwasser doch einen Keller durchsetzt, konnten wir uns bei dem letzen Objekt nahe Kappeln angucken. Da standen drei Pumpen im Keller, um den halbwegs trocken zu kriegen. Das ist nun wirklich keine Maßnahme.
        Bezüglich der Garagen weiß ich keine plausible Antwort bzw. das ist mir noch nicht so aufgefallen.

        Liebe Grüße,
        Claudia

  4. Moin liebe Claudia
    Wir sind nun wieder zurück in der Schweiz und mit dem Ort Schleswig erging es uns genau so wie euch. Am ersten Tag fand ich alles ziemlich schrecklich, besonders die Region um die Schuby/Moltkestrasse, wo sich die Immobilie befindet die wir uns ansehen wollten. Wir haben uns diesem hübschen Ort aber auch von der falschen Seite genähert. Die kleine Stadtvilla liegt in einer ruhigen Seitensrasse und die Altstadt ist zu Fuss erreichbar. Mit dem Hafen geht es mir genauso wie dir, alles sehr auseinander gezogen… Zur Zeit wird in den Königswiesen gebaut, natürlich Luxus-Appartements mit Schleiblick! Neben dem Monstrum Wikingerturm aus den 70 igern wird das wohl eine weitere Bausünde werden. Dennoch hat Schleswig so viel Schönes zu bieten. Euer Blog ist uns wirklich eine ganz grosse Hilfe. Vielen Dank an dich und Ralph. Seine Fotos vom Holm, der Alststadt und dem Dom haben uns ein innerliches „JA“ hervor gezaubert, denn genau so haben wir alles vorgefunden. Leider hat das Wetter auf unserer weiteren Erkundungstour Richtung Kappeln und Eckernförde überhaupt nicht mehr mitgespielt. Ein wunderbarer Kuchen und lecker Latte haben uns in einem kleinen Café in Kappeln aber schnell versöhnt. Unserer Doggenhündin wurde sogar eine Decke und ein Napf Wasser gebracht. Die Menschen haben wir insgesamt als sehr offen und zugänglich erlebt, mit einem sehr trockenen und absolut umwerfendem Humor. In einem Anglerladen am Hafen von Kappeln hörten wir: Mann, wasn Schietwedder draussen heut. Der Besitzer: Och, hier drin geiht dat….
    Wir wurden von Menschen auf der Strasse wegen unserer Hündin angesprochen und es ergaben sich die nettesten Gespräche. Diese Holsteiner Gemütlichleit ist wirklich wunderbar.
    Auch wir suchen wie ihr schon länger ein neues Zuhause. Man muss echt Kompromisse machen, soweit es das Budget und die eigenen Vorstellungen zulassen. Dein Dad hat sich ja nun ausgeklinkt, das hat die Situation für euch auch wieder verändert.
    Für uns könnte es die kleine Stadtvilla in Schleswig sein. Wir müssten uns ganz extrem verkleinern, das heisst vekaufen, verschenken und Ballast abwerfen…. LOSLASSEN…
    Liebe Grüsse
    Sabina

    1. Moin liebe Sabina,

      oh je, euer Urlaub schon wieder vorbei?!
      Dein Bericht klingt ja recht erlebnisreich. Das mit Schleswig ist schon komisch, es gibt so schöne Ecken wie die Altstadt, den Holm, direkt an der Schlei und dann wieder so viel Hässliches und leider auch sehr viel Leerstand in den Geschäften. Ach ja… die Bausünden… sie ziehen sich von der Ostsee wie ein Virus über alles. Leider.

      Das mit der Stadtvilla hört sich doch ganz gut an. Es ist aber nicht zufällig die mit der lila Front? Die so einen Holländer-Giebel hat? Bin jedenfalls sehr gespannt wie ihr euch entscheidet. Und es freut uns sehr, dass wir euch mit unserem Blog auch auf die Art eine Hilfestellung sind. Wer hätte das gedacht. 😉

      Das mit dem Ballast abwerfen ist eigentlich eine feine Sache und wir würden es auch noch viel mehr tun, müssten wir nicht noch arbeiten. Wäre nicht der Wunsch von einem eigenen Atelier und der Bedarf eines Studios nötig, dann würden wir uns wohl auch auf einem Hausboot wohlfühlen. Dafür haben wir aber schon ganz viel anderen Ballast abgeworfen und lassen jeglichen Mainstream komplett links liegen. Das ist auch schon mal eine sehr schöne Errungenschaft.

      Mein Dad hat sich in der Tat ausgeklinkt und will aus der Wohnung in Malente nur noch in der Kiste raus. 😉 Meine Mom ist mit ihrem neuen Lebensgefährten vorerst in Kappeln in einer Mietwohnung untergekommen, aber auch die haben sich jetzt für ein kleines Häuschen in Lindaunis entschieden. Mal gucken, ab wann die da reinkönnen, denn es muss komplett saniert werden.
      Das macht die Suche für uns dann in der Tat leichter, da wir nicht mehr nach so einem großen Objekt gucken müssen. Allerdings ist auch das noch reichlich schwierig, denn wie gesagt, wir brauchen den Platz für unseren Arbeits-Lebenstraum und es muss für uns bezahlbar sein. Müssten wir nur etwas zum Wohnen suchen, dann wären wir wohl auch schon lange fündig geworden.

      Erst vor kurzem habe ich es an anderer Stelle schon geschrieben, so nervig wie die Suche auch ist, aber irgendwie ist es auch eine Reise zu uns. Wir man weiß lieben wir die Nord- und Ostsee und konnten uns bisher nie so recht entscheiden. Warum auch, haben ja beide etwas.
      Schon vor mehr als zehn Jahren fingen wir an uns vermehrt von der Nordsee angezogen zu fühlen, haben uns aber immer dagegen gewährt, da wir für uns überhaupt keine Möglichkeit des Geldverdienens gesehen haben. Aus Vernunft und wegen der besseren Infrastruktur haben wir uns dann immer für die Ostsee entschieden. Zuletzt sogar für die Schlei… alles nur wegen dem blöden Internet.

      Inzwischen ist so viel passiert – wozu u.a. auch MeerART gehört – und wir merken einfach für uns, dass uns eine innere Stimme an die Nordsee ruft. So sehr wir uns auch wegen der Vernunft wehrten, sie ruft einfach. Vielleicht ist auch diese Erkenntnis der Grund, warum die Suche bei uns so lange dauert. Vielleicht mussten wir diese Umwege nehmen, um zu begreifen wo wir hingehören. Zudem kommt auch noch, dass an der Westküste, zumindest auf dem Festland, bisher leider nur außerhalb von Eiderstedt, die Internetinfrastruktur gegeben ist. Also folgen wir jetzt einfach unserem Herzen und suchen gezielt nach einem passenden Objekt in Nordfriesland. Drückt uns mal die Daumen.

      Liebe Grüße,
      Claudia

  5. Moin liebe Claudia
    Du hast Recht, bei euch muss ja neben dem Lebensraum auch noch der Aspekt Geldverdienen und Internet unter einen Hut gebracht werden. Wenigstens müsst Ihr jetzt nur noch auf EURE Bedürfnisse schauen und nicht mehr die familiären Wünsche berücksichtigen. Auch wenn der Plan ein anderer war, gibt es euch doch wieder ein Stück Freiheit mehr bei der Suche. Nordfriesland ist aber eben eine Wüste in Sachen Internet und die Immobilien sind ganz schön teuer. Viele Objekte liegen auch in kleinen Dörfern mit ein paar hundert Seelen, was uns persönlich nicht so zusagt. Ruhig gelegen gerne, aber mit einer gescheiten Infrastruktur sollte es schon sein.
    Die Stadtvilla in Schleswig ist ein erst 7 jähriges Haus im maritimen Stil mit orangen Dachziegeln. Zwar etwas völlig anderes, als das was wir so zu Beginn wollten, aber wir haben uns von starren Vorstellungen verabschiedet. Das Haus wurde in einer Lückenüberbauung erstellt, früher waren da wohl mal Schrebergärten. Daher ist es eine kleine grüne Insel inmitten von gewachsener Wohnstruktur. Direkt am Wasser gibt es ja gar nichts, was uns zusagt oder bezahlbar ist. Aber ein 900 qm Garten ist ja auch nicht die schlechteste Aussicht.
    Das mit dem Leerstand der Läden in der Fussgängerzone ist uns auch aufgefallen, aber darunter leidet wohl nicht nur Schleswig. Sehr viele Klein und Mittelstädte beklagen diese Entwicklung. Zum einen liegt es an den oft viel zu hohen Ladenmieten und zum anderen wohl an dem veränderten Kaufverhalten der Kunden. ( Internet, Grossverteiler). Es soll sich aber wohl bald etwas tun und der ein oder andere Leerstand verschwinden. Besonders grauslig fand ich ja dieses schon ewig leer stehende alte Hertiekaufhaus am Anfang der Fussgängerzone. Das Schleicenter ( was seinen Namen nun wirklich nicht verdient) ist ein weiterer Schandfleck. Aber wie du schon schriebst, keine Stadt hat nur Schokoladenseiten.
    Ich denke, in Schleswig gibt es noch so einiges zu entdecken und wir mögen den Charakter einer Mittelstadt mit guter Infrastruktur. Hans Peter stammt aus Zürich, er hat definitiv genug vom Landleben wie hier. Also suchen wir noch weiter, diese kleine Stadtvilla aber im Hinterkopf behaltend. Ende Juli sind wir dann wieder im Norden und schauen uns weiter um.
    Ich finde es ganz toll, dass ihr eure Suche nach einem neuen Zuhause auch als Suche nach euch selbst seht. Ein wenig geht uns das auch so….
    Bin gespannt, wie es bei euch weiter geht 😉 und freue mich auf neue tolle Fotos und Berichte von euch auf MeerArt.

    Bis bald und liebe Grüsse
    Sabina

    1. Moin liebe Sabine,

      stimmt, ein wenig Freiheit haben wir jetzt wieder gewonnen. Und was die Suche nach uns selbst angeht… ich gehöre ein wenig zu den Leuten, die auch an Schicksal glauben. Es war wohl noch nicht der richtige Zeitpunkt bzw. der richtige Ort. So wie mir früher der Norden zu klein war und ich unbedingt in den Süden wollte, was aus heutiger Sicht Gott sei Dank nicht geklappt hat, wird es wohl auch mit dem Meer so ein. Es macht keinen Sinn sich zu wehren, wenn es ruft. 😉 Dann lieber überlegen wie man es trotzdem packen kann.

      Bezüglich Nordfriesland muss ich dich allerdings korrigieren, zumindest was unsere bisherigen Erfahrungen bei der Immobiliensuche angeht. Dass mit den kleinen Dörfchen, da hast du sicher recht, die gibt es auf der anderen Seite aber auch zu Hauf. Was die Immobilienpreise angeht, da ist die Nordseeseite sogar „noch“ um einiges günstiger, als die Ostseeseite. Natürlich nur auf dem Festland und St. Peter-Ording klammern wir mal aus, 😉 aber ansonsten geht das. Zum Teil ist sogar die Bausubstanz viel besser und Internet ist auch super. Außer Eiderstedt gibt es dort fast über Glasfaser, selbst in den kleinsten Dörfern. Das haben wir wohl vor allem der Windenergie zu verdanken und dass die Nordfriesen eben selbst anpacken. 🙂

      Tja, Abstriche machen wir wohl alle mehr als genug. Zumindest die, die nicht im Geld schwimmen. Bin echt gespannt wie das in einigen Jahren aussieht. Ewig wird das bestimmt nicht so weitergehen. Einige prophezeien schon jetzt, dass auch hier bald die Immobilienblase platzen wird. Bin ja mal gespannt.

      Das heißt ihr guckt jetzt erst noch weiter und entscheidet euch nicht für die Villa? Die wird doch bestimmt nicht allzu lange zum Verkauf bleiben. Ist wohl so wie mit der Mühle, irgendwie würden wir gerne zuschlagen, aber die Angst hier ein Fass ohne Boden zu haben, schreckt uns einfach ab. Schließlich wollen wir unsere Freizeit für MeerART verbringen und nicht für andauernde Sanierungsmaßnahmen.

      Wie auch immer, eines Tages werden wir alle auf unser gefundenes Glück anstoßen. Da bin ich mir sicher. Hoffentlich ganz bald. 🙂

      Liebe Grüße,
      Claudia

  6. Auweia, da hab ich als Schweizer „Landei“ wohl etwas verdreht. Es ist die Ostseeküste, die eher als Internetwüste bezeichnet werden kann, stimmt natürlich. Deswegen habt ihr ja auch den Traum von Fehmarn aufgegeben… Was die Immobilienpreise angeht hab ich an der Nordsee bloss immer so unglaublich teure Häuser gesehn à la Sylt oder solche mit grossen Sanierungsbedarf und gar nicht erst weiter gesucht. Du kennst dich da ja sicher sehr viel besser aus. 😉 Uns zieht es einfach auch eher in Richtung Ostsee, so wie es euch auf die andere Seite zieht. Wenigstens bei der Region sollten wir und ihr keine all zu grossen oder gar keine Kompromisse machen….

    bis bald
    Sabina

    1. Nix da „Landei“. 😉 🙂
      Die nordfriesischen Inseln sind auch in der Tat unbezahlbar. Schlimm genug, dass dort nicht mal mehr die Einheimischen bezahlbare Immobilien finden.
      Da hast du Recht. Wie heißt es immer so schön, das Haus kann man sich backen, die Umgebung nicht.

      Alles Liebe,
      Claudia

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