Der Rinderhof Seyer im Dänischen Wohld

Landidylle wie man sie sich wünscht

Der Rinderhof von Maya und Jens Seyer in Osdorf nahe der Ostsee im idyllischen Dänischen Wohld

Von Zeit zu Zeit stellen wir euch immer wieder Menschen vor, die an der Küste leben und uns mit ihrem Schaffen nachhaltig beeindruckt haben. Diesmal durften wir Maya und Jens Seyer vom Rinderhof Seyer besuchen und erleben, dass es sie noch gibt – glückliche Rinder.

Der Rinderhof von Maya und Jens Seyer in Osdorf nahe der Ostsee im idyllischen Dänischen Wohld

Eigentlich ist das total verrückt, was früher einmal selbstverständlich war, muss sich heute erst wieder einen Platz in der Gesellschaft erkämpfen. Dabei sollte das Tierwohl in der Landwirtschaft doch eine Selbstverständlichkeit sein. Sollte!

Der Rinderhof von Maya und Jens Seyer in Osdorf nahe der Ostsee im idyllischen Dänischen Wohld // Foto: MeerART

In Zeiten der Industrialisierung und der Billig-Billig-Mentalitäten bleibt das leider auf der Strecke. Der ewige Preiskampf bringt Landwirte mehr und mehr in Bedrängnis. Oft bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als sich den Bedingungen anzupassen oder gar aufzugeben.

Aus Liebe zu den Tieren

Maya und Jens ging es da nicht anders. Sinkende Milchpreise machten ihnen das Leben schwer. Doch aufgeben kam für sie einfach nicht in Frage. Beide sind Landwirte aus Leidenschaft und teilen die Liebe zu Tieren. 2015 wagten sie dann den Schritt und stellten ihren Milchviehbetrieb auf eine Mutter-Kuh-Haltung um.

Der Rinderhof von Maya und Jens Seyer in Osdorf nahe der Ostsee im idyllischen Dänischen Wohld

Nach und nach zogen Galloways, Jerseys, Angus und Wagyus auf dem Rinderhof Seyer ein. Ihr Ziel, eines Tages möchten sie auch Fleisch von Wangus anbieten, eine Kreuzung aus Angus- und Wagyu-Rind.

Als wir auf den Hof fuhren, begrüßte uns als erstes „Lino“, einer der beiden Hofhunde. Wir waren noch gar nicht ganz aus dem Auto ausgestiegen, als wir weitere tierische Hofbewohner erblickten.

Der Rinderhof von Maya und Jens Seyer in Osdorf nahe der Ostsee im idyllischen Dänischen Wohld

Darunter Pferde, Ponys, Ziegen und Katzen. Manche sind Findelkinder, andere stammen aus dem Tierschutz oder Tierheim. Alle, wie sie da sind, haben auf dem Rinderhof Seyer eine liebevolle Zuflucht gefunden. Das gleiche trifft auch auf so manch ein Rind zu, das anderswo nur den Weg auf den Schlachthof gefunden hätte. Eine richtige kleine Arche Noah, die schon erahnen lässt, dass Tiere hier in guten Händen sind.

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Ralph und ich beschäftigen uns schon seit Jahren mit dem Thema wo unser Essen herkommt. Dabei legen wir besonders viel Wert auf regionale und nachhaltige Lebensmittel. Wir essen zwar nur wenig Fleisch, aber wenn, dann auf alle Fälle nur aus artgerechter Haltung. Da machen wir einfach keine Kompromisse mehr. Von daher hatten wir auch unglaublich viele Fragen an die beiden.

Der Blick hinter die Kulissen

Anfangs saßen wir noch in der Küche zusammen, aber ziemlich bald setzten wir unser Gespräch auf den Weiden fort. Wir wollten natürlich mit eigenen Augen sehen wie die Rinder auf dem Hof leben und gehalten werden.

Der Rinderhof von Maya und Jens Seyer in Osdorf nahe der Ostsee im idyllischen Dänischen Wohld

Dabei fielen uns sofort die tollen und großzügigen Weiden auf, die sich direkt um den Hof befinden. Auf ihnen gibt es sogar kleine Waldstücke und einen Teich, so dass sich die Tiere bei jeder Witterung das passende Fleckchen suchen können. Die Rinder ernähren sich von Gras, von selbst hergestellter Heulage oder Heu und erhalten kein künstliches Zusatzfutter.

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Die Bewegung, frische Luft, gute Pflege und eine hohe Futterqualität sorgen für gesunde und zufriedene Tiere. Als ausgebildete Tierheilpraktikerin behandelt Maya ihre Rinder mit Akupunktur und der nötigen Pflege und kann so weitgehend auf den Einsatz von Medikamenten verzichten.

Eine Rasselbande zum Verlieben

Anfangs noch recht zögerlich, dauerte es nicht lange und die Rasselbande hatte sich um uns geschart. Plötzlich standen wir inmitten von jungen Galloways, Jerseys, Angus und Wagyus. Ein krasses Gefühl, denn die Tiere sind nicht gerade klein. Neugierig und aufmerksam verfolgten sie jeden unserer Schritte.

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Manche von ihnen, ganz besonders die Jerseys, schleckten uns ab. Könnte ja lecker sein. Einige bufften uns sogar recht übermütig an. Die Halbstarken wollten wohl wissen, wie weit sie es mit uns Neulingen auf der Weide treiben können. Ich hatte schon lange nicht mehr so aufgeweckte Tiere gesehen.

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Plötzlich bückelten sie wie von einer Tarantel gestochen über die Weide. Wie sagte Maya: „Jetzt haben sie einen neuen Auftrag, welchen auch immer.“ Nicht gerade leise muhten sie sich gegenseitig zu, um dann wieder auf uns zuzurennen. Was für eine Lebensfreude. Den Tieren geht es richtig gut, das konnte man ganz deutlich sehen. Übrigens habe alle Rinder einen Namen, so wie dieser Playboy hier. 😉

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Eine Weide weiter kamen wir zu Müttern mit ihren Jungtieren. Auch hier wieder keinerlei Scheu. Die Tiere musterten uns aufmerksam. Besonders eindrucksvoll war das Sozialverhalten bei den Robustrindern mit anzusehen. Anfangs stellten sich die Mutterkühe noch schützend vor ihre Jungen.

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Wie bei allen Kindern war deren Neugierde aber so groß, dass sie immer näher kamen. Mir persönlich hatten es die White-Galloways besonders angetan. Für mich sehen die immer aus wie riesige Teddybären, aber ganz ehrlich – ich hätte sie alle knutschen können.

Ein unvergessliches Erlebnis

Als nächstes sollten wir noch sehen, wie die trächtigen Rinder im Stall untergebracht sind. Eine Maßnahme, die die beiden treffen, damit sie die Tiere besser im Blick haben und eingreifen könnten, sollte es einmal Schwierigkeiten bei der Geburt geben. Natürlich könnten die Robustrinder ihre Jungen auch auf der Weide gebären, aber für Maya und Jens fühlt es sich einfach besser an, wenn die Jungtiere geschützt zur Welt kommen. Echte Tierliebe eben.

Der Rinderhof von Maya und Jens Seyer in Osdorf nahe der Ostsee im idyllischen Dänischen Wohld

Als wir uns von der Weide zu den trächtigen Mutterkühen im Stall begaben, meinte Jens noch ganz scherzhaft: „Wer weiß, vielleicht erleben wir ja noch eine Geburt“. Und tatsächlich, genau in dem Moment, als wir zu den Rindern kamen, begann bei einem der Tiere der Geburtsvorgang. Wow – was für ein Gänsehaut-Erlebnis. Wir waren live dabei, als das erste Wangus-Baby auf dem Rinderhof Seyer das Licht der Welt erblickte.

Der Rinderhof von Maya und Jens Seyer in Osdorf nahe der Ostsee im idyllischen Dänischen Wohld

Das allein hatte mir ja schon feuchte Augen beschert, aber als ich erfuhr, dass das Wagnus-Mädchen nach mir benannt wird, also Claudia heißen soll, war ich total gerührt. Was für eine Ehre. Vor allem mit dem Versprechen, dass sie, egal ob die Kleine sich nun als Zuchtrind eignet oder nicht, auf alle Fälle auf dem Hof bleiben und ein glückliches Rinderleben führen darf.

Der Rinderhof von Maya und Jens Seyer in Osdorf nahe der Ostsee im idyllischen Dänischen Wohld

Etwas später zurück in der Küche, durfte ich dann noch eigenhändig den Namen von Claudia auf ihre zukünftigen Ohrmarken schreiben.

Verantwortungsvoll bis zum Schluss

Bis die Wangusherde der beiden aufgebaut ist, dauert es noch eine Weile. Anders sieht es bei den anderen Robustrindern aus, die bereits im letzten Jahr schon reichlich Nachwuchs hatten und sich auf den Weiden stärken können. Wenn dann eines Tages der Zeitpunkt für sie gekommen ist, werden die Tiere im Anhänger – stets zu zweit – zur Fleischerei Einfeld nach Negenharrie transportiert. Maya und Jens ist es sehr wichtig, dass auch dieser Schritt so stressfrei wie möglich für die Tiere ausfällt.

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Das Fleisch wird ausschließlich im eigenen Hofladen vermarktet und ist keine Massenware. Durch die besondere Haltung bieten ihre Rinderrassen Fleisch in höchster Qualität. Davon konnten wir uns bei einem liebevoll vorbereiteten Snack überzeugen – ganz FEINHEIMISCH eben.

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Da der Mensch von Haus aus krüsch ist und lange nicht alles von einem Rind verzehren würde, gefällt uns der Gedanke, dass die beiden zukünftig planen, das Fleisch, das normalerweise übrig bleiben würde, als Hundefutter anzubieten. Eine tolle Idee.

Die beiden haben uns mit ihrem Konzept total überzeugt und wir wünschen ihnen von Herzen ganz viel Erfolg. In unseren Augen ist nur so der Fleischkonsum verantwortungsvoll und vertretbar.

Der Rinderhof von Maya und Jens Seyer in Osdorf nahe der Ostsee im idyllischen Dänischen Wohld

Übrigens: Jeder ist auf dem Rinderhof Seyer herzlich willkommen und darf sich selber umgucken, Fragen stellen und probieren.

Rinderhof Seyer
Alte Ziegelei 4
24251 Osdorf
Tel.: 04346 – 8191
Mail: info(at)rinderhof-seyer.de

 

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Rinderhof Seyer.

6 Gedanken zu „Der Rinderhof Seyer im Dänischen Wohld

  1. Liebe Claudia, lieber Ralph,

    Vielen Dank für den tollen Tag mit Euch!!
    Wir sind sprachlos und bedanken uns für den tollen Artikel und die wunderschönen Fotos!!
    Es ist eine Freude Euch bei der Arbeit zu erleben, ganz toll wie Ihr das macht, vielen Dank!!!
    PS: die kleine Claudia ist schon ganz schön frech 😉
    Liebe Grüße Maya und Jens

    1. Moin ihr Zwei,

      dafür nicht, das Kompliment geben wir gerne zurück.
      Einfach toll wie ihr das mit den Tieren macht. Ich bin abends schon lange nicht mehr mit so einem breiten Lächeln eingeschlafen.
      Gerade bei so einem schwierigen Thema finden wir es toll, Menschen kennenlernen zu dürfen, die verantwortungsvoll mit den Tieren umgehen und man den Tieren das auch ansieht. Danke dafür.

      Oh die kleine Claudi…, das glaube ich. Könnte sie jetzt noch knutschen. <3 😉

      Liebe Grüße und bis bald,
      Claudia und Ralph

  2. Hallo Ihr Lieben,

    was für ein wunderschöner Beitrag, der mir so aus der Seele spricht. Ich freue mich riesig, dass es noch solche Landwirte wie Maya und Jens gibt und hoffe, es werden mehr.
    Was für ein glückliches, wohlverdientes Leben die gesamte Rasselbande hat und auch wenn das ein oder andere unters Messer kommt, so hatte es doch ein schönes Leben. Und Claudia ist ja eine ganz Süße 😉
    Jetzt müssen nur immer mehr Menschen den Respekt vor Tieren und die Achtung vor der Arbeit der Landwirte bekommen und weniger, aber dafür bewusster essen.

    Liebe Grüße
    Martina

    1. Liebe Martina,

      vielen Dank. Das von dir als Vegetarierin, da wirkt das Lob gleich doppelt. 🙂

      Die Rasselbande hat es bei Jens und Maya wirklich sehr gut und wir wünschen uns von Herzen, dass ihrem Beispiel noch viele Landwirte folgen. Das geht natürlich nur, wenn auch die Verbraucher mitspielen, daher sind uns derartige Beiträge zur Aufklärung sehr wichtig.

      Danke dir für deine Anerkennung.

      Herzlichst,
      Claudia

  3. Moin, liebe Claudia
    DANKE für diesen sooo tollen Beitrag und die fantastischen Fotos. Mir kamen richtig die Tränen vor Freude und Rührung… Und dann noch die Geburt von Klein-Claudia….*schnief*
    Auch wir essen sehr sehr wenig Fleisch, aber wenn dann auch nur aus einer solchen Haltung.
    Wir haben uns schon schlau gemacht, wo es Biohöfe und Hoflädchen in unserer ( zukünftigen) Nähe gibt.
    Ich hoffe, dass es bald noch mehr von diesen Herzblut-Landwirten gibt wie Maya und Jens. Wirklich sehr beeindruckend, was die beiden da auf die Beine stellen! Wir werden sie auf jeden Fall einmal besuchen 😉
    Und hier noch ein Tipp in Sachen Haus:
    Reetdachanwesen mit Haupthaus und ELW in Rantrum bei Husum.
    198.000 EUR, 200 qm Wohnfläche und 2.525 qm Land.
    Kannst ja mal reinschaun.

    Herzliche Grüsse in den geliebten Norden
    Sabina

    1. Moin liebe Sabina,

      ach wie schön, das freut uns aber. Uns ging es ganz ähnlich, als wir dort auf dem Hof waren und die Lebensfreude der Tiere hautnah spüren durften. Auch beim Angucken der Bilder kommen die vielen tollen Erlebnisse immer wieder hoch. Die beiden machen das richtig gut und das sieht man den Tieren auch an.
      Wir sind uns sicher, dass diesem Beispiel noch ganz viele Landwirte folgen werden, wenn wir als Verbraucher lernen wieder achtsamer zu sein. Masse und Klasse geht nun mal nicht zusammen. Schön, dass ihr das auch so seht. Und das tolle ist ja, dass es in unserer Region (eure zukünftige Heimat) schon ganz viele Möglichkeiten gibt, wo man gut und nachhaltig einkaufen kann.

      Danke für den Tipp und ganz liebe Grüße in die Schweiz,
      Claudia

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