Warum wir uns immer öfter allein fühlen

Die Nordseeinsel Föhr in der Nebensaison - Kleine Stippvisite in die Friesische Karibik // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Wann hast du dich das letzte Mal wirklich gesehen gefühlt? Und damit meine ich nicht das man dich in den Sozialen Netzwerken geliked, kommentiert oder mit einem schnellen Emoji bedacht hat, sondern wirklich gesehen. „Einsamkeit ist längst kein Randthema mehr – sie betrifft immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft.“

In den Medien wird dieses Thema immer häufiger angesprochen, denn Einsamkeit ist längst kein Phänomen mehr, was nur alte Leute betrifft. Sie breitet sich zunehmend in der gesamten Gesellschaft aus. Aber warum ist das so? Fühlen wir uns durch die sozialen Netzwerke denn nicht besser vernetzt als je zuvor? Schließlich haben viele von uns hunderte, wenn nicht sogar tausende sogenannte Freunde und Bekanntschaften überall auf der Welt.

Leider suggerieren die sozialen Netzwerken zwar Nähe, doch oft bleibt sie oberflächlich.

Mitten im Leben – und doch allein

Tatsächlich finde ich diese Entwicklung spannend und zugleich erschreckend. Als wir mit MeerART angefangen haben, haben wir uns auch viel in den unterschiedlichsten Netzwerken gezeigt. Über viele Jahre hinweg sind dort spannende Kontakte entstanden. Es hat Spaß gemacht, sich auszutauschen und sich mit Themen zu zeigen, die einem am Herzen liegen. Uns war dabei aber immer bewusst, dass es einen Unterschied zwischen sozialer Vernetzung und realem Leben gibt.

Mittlerweile leben wir jedoch in einer Zeit, in der wir jederzeit erreichbar sind. Nachrichten, Stories, Kommentare – alles in Sekunden. Auch beruflich finden viele Kontakte überwiegend digital statt. Und doch fühlen sich immer mehr Menschen innerlich isoliert.

Wenn die Westerhever Sandbank ruft // Foto: Ralph Kerpa

Social Media verspricht Nähe, doch oft bleibt sie flüchtig. Viel schlimmer ist jedoch, dass wir uns ständig vergleichen. Viele definieren sich nur noch durch Likes und Follower und verlernen das zwischenmenschliche Miteinander.

Viel zu oft misst man sein eigenes Leben an sorgfältig inszenierten Momenten anderer. Man fragt sich leise, ob man selbst genug erlebt, genug erreicht, genug ist. Und während man nach außen funktioniert, wächst innen etwas, das schwer wiegt, und zwar eine stille Leere. Nicht in materieller Hinsicht, oft auch nicht sichtbar, aber für den Betroffenen deutlich spürbar.

Das wiederum finde ich sehr beängstigend, denn hier beginnt oft ein Teufelskreis. Viele Menschen wissen gar nicht mehr, wie sich echte Nähe anfühlt. Und das hat Folgen. Die Folge ist Einsamkeit.

Einsamkeit hat viele Gesichter

Sie begleitet dich überall hin. Und oft lächeln sie. Sie sitzt im Café zwischen lachenden Stimmen. Sie fährt mit in der Bahn, Schulter an Schulter mit Fremden. Sie liegt abends neben uns im Bett, während wir noch einmal durch Social Media scrollen – in der Hoffnung, irgendwo ein kleines Gefühl von Verbindung zu finden. Und vielleicht ist genau das das Erschreckende, denn man sieht sie kaum, aber sie ist immer da.

Wenn die Westerhever Sandbank ruft // Foto: Ralph Kerpa

Die Scham, darüber zu sprechen

Einsamkeit ist ein Thema, über das kaum jemand freiwillig spricht. Wer einsam ist, glaubt oft, er sei selbst das Problem. Sei zu empfindlich, zu kompliziert oder nicht interessant genug. Also schweigt man. Man geht arbeiten, man trifft Menschen und man postet vielleicht sogar fröhliche Bilder, obwohl einem zum Heulen zumute ist. Aber nicht nur das, viele fühlen sich innerlich abgeschnitten.

Diese Diskrepanz kostet Kraft und sie betrifft längst nicht nur einzelne Gruppen. Sie betrifft Jugendliche genauso wie Erwachsene. Menschen mit großem Freundeskreis ebenso wie jene, die eher zurückgezogen leben. Einsamkeit macht keinen Unterschied. Sie ist leise und doch allgegenwärtig.

Wenn digitale Nähe echte Begegnung ersetzt

Das Handy ist allzeit bereit, aber der wirkliche Austausch wird seltener. Was ich besonders traurig finde ist, dass man Menschen jeden Altes oft gemeinsam am Tisch sitzen, während jeder auf sein Display blickt, anstatt miteinander zu sprechen. Genau wie wir immer wieder beobachten, dass fast jeder immer nur noch mit einem Smartphone vor der Nase herumläuft. Die Mutter, die den Kinderwagen schiebt und gleichzeitig auf ihr Handy schaut. Der Hundebesitzer, der mit seinem Tier spazieren geht, aber kaum noch im Kontakt mit ihm ist. Kinder und Jugendliche, die sich fast nur noch über ihre Smartphones austauschen.

Wenn die Westerhever Sandbank ruft // Foto: Ralph Kerpa

Ein echtes Gespräch braucht Zeit. Es lebt vom Blickkontakt, von der Geduld und dem ehrlichen Interesse am Gegenüber. Digital geht alles viel schneller, doch Tiefe entsteht nicht im Vorüberwischen. Und was noch viel schlimmer ist, dass viele inzwischen verlernt haben, wie sich echte Resonanz anfühlt. Dieses Gefühl, dass jemand wirklich zuhört. Dass jemand bleibt und dass jemand nachfragt, und zwar nicht aus Höflichkeit oder für ein Like, sondern aus echtem Interesse.

Was wir wirklich brauchen

Wir Menschen sind soziale Wesen und wir brauchen Zugehörigkeit, Berührungen und Wärme. Vor allem das Gefühl, gemeint zu sein. Doch was kann man tun, um das wieder stärker in unser Leben zu holen? Vielleicht beginnt Veränderung im Kleinen. Indem das Smartphone nicht ständig griffbereit ist, sondern bewusst beiseitegelegt wird. Indem wir versuchen, ein Gespräch bewusst zu führen ohne nebenbei zu scrollen. Wie wäre es mal mit einem Anruf statt einer schnellen Nachricht. Oder mit einem aufrichtigen „Wie geht es dir wirklich?“ – und die Bereitschaft, die Antwort auszuhalten.

Und vielleicht auch der Mut zu sagen: „Ich fühle mich gerade einsam.“

Einsamkeit verschwindet nicht durch Perfektion, nicht durch Selbstoptimierung. Und auch nicht durch noch mehr digitale Präsenz. Sie schwindet durch Begegnung.

Vielleicht ist es an der Zeit, wieder genauer hinzusehen. Nicht nur auf Bildschirme, sondern in Gesichter. Nicht nur auf Profile, sondern in Herzen. Vielleicht dürfen wir uns wieder daran erinnern, dass echte Nähe wichtig ist. Sie ist verbindend. Und vielleicht beginnt all das bei uns selbst. Mit einem offenen Blick, mit echtem Zuhören und mit der Bereitschaft, füreinander da zu sein. Damit aus einer stillen Epidemie wieder etwas anderes wachsen kann: Verbundenheit.

Vielleicht beginnt Veränderung genau hier – mit einem offenen Blick, einem echten Gespräch und der Bereitschaft, einander wieder wahrzunehmen.

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