Zwischen Steilküste und Strand – unterwegs auf dem Gendarmenpfad
Nachdem wir eher aus Versehen in Kragesand gelandet waren und dort schon erste, intensive Eindrücke eines weiteren Abschnitts des Gendarmenpfades sammeln durften, wuchs die Vorfreude auf diesen Teil der Strecke umso mehr. Diesmal sollte es für uns zu Fuß von Broager Strand in Richtung Gammelmark gehen.
Unser Auto konnten wir bequem auf einem Parkplatz nahe des heutigen Campingplatzes abstellen – ein guter Ausgangspunkt für die Entdeckungstour. Praktisch und im Winter keineswegs selbstverständlich ist ein öffentliches WC, das geöffnet war. Gerade bei kalten Temperaturen meldet sich dieses Bedürfnis ja doch etwas häufiger. 😉

Am Parkplatz stießen wir auch auf ein Infoschild, das erzählte, dass dieser Ort schon viele Geschichten gesehen hat. Wo heute Camper stehen, befand sich einst das Ausflugslokal „Spar Es“ (Pik Ass). Von hier aus gab es früher sogar eine Fährverbindung nach Alsen und Kegnaes. Das Restaurant war ein beliebtes Ziel für Tagesgäste aus Sønderborg und wurde von zwei Schwestern betrieben, die im Volksmund „Spar Damer“ – Pik-Damen – genannt wurden. Ihre Spezialität waren wohl gebratene Jungkrähen.


Heute scheint diese Zeit weit entfernt. Die Krähen jedenfalls machten einen recht entspannten Eindruck, genau wie die zahlreichen Möwen, die das Areal für sich beanspruchten. Abgesehen davon war es still. Kaum Menschen, viel Raum, viel Luft.
Eine Strandsauna am Parkplatz ließ uns kurz träumen, denn bei diesen frostigen Temperaturen wäre das sicher ein perfekter Ort gewesen, um sich aufzuwärmen.



Die Steilküste von Stensigmose – ganz nah an der Abbruchkante
Mit einer Stulle in der Hand machten wir uns auf den Weg. Unser erstes Etappenziel war die Steilküste von Stensigmose (Stensig Moor). Der Weg dorthin war bereits ein Erlebnis für sich. Der Gendarmenpfad wurde hier zu einem schmalen Pfad, der sich teilweise steil bergauf und bergab, oft sehr nah an der Abbruchkante entlangschlängelte. Ein beeindruckendes Schauspiel. Der Blick von oben über die Förde oder hinab zum steinigen Strand war schlicht atemberaubend. Bei dem klaren Winterlicht konnten wir am Horizont sogar Sønderborg und die Mühle von Dybbøl erkennen.

Im Sommer wäre dieser Punkt vielleicht unser Tagesziel gewesen. Doch im Winter waren wir gut beraten, uns bewusst für Teilabschnitte zu entscheiden. Das bedeutete auch, den gleichen Weg wieder zurückzugehen – was sich als Geschenk entpuppte. Denn so zeigte sich der Gendarmenpfad gleich aus zwei Blickwinkeln. Die Sonne stand tief, warf lange Schatten und tauchte die Landschaft in immer neue Lichtstimmungen.

Die Steilküste von Stensigmose ist nicht nur landschaftlich besonders, sondern auch geologisch bedeutsam. Die Ablagerungen aus der Zwischeneiszeit machen diesen Ort für Fachleute hochinteressant. Hier wurden 1906 und 1969 Teile von Kiefern und Stoßzähnen eines Mammuts gefunden. Diese und weitere Funde sind heute im Ziegeleimuseum Cathrinesminde zu sehen.


Doch nicht nur urzeitliche Tiere fanden diesen Ort attraktiv. Schon vor mehr als 4.500 Jahren, in der Jungsteinzeit, ließen sich Menschen hier nieder. Der fruchtbare Boden und die Jagdmöglichkeiten in den angrenzenden Wäldern machten die Küste zu einem idealen Lebensraum.
Donnerkeile, Strand und bewusste Schritte
Durch die geologische Geschichte der Region – die Kreidezeit liegt hier über 65 Millionen Jahre zurück – lassen sich mit etwas Glück Donnerkeile finden. Dabei handelt es sich um versteinerte Überreste von Tintenfischen. Früher glaubte man, sie seien bei Blitzeinschlägen vom Himmel gefallen.

In der Steinzeit nutzte man Donnerkeile gern als Amulette. Im Dänischen heißen sie vettelys, abgeleitet vom Wort vætte – Wicht. Übernatürliche Wesen, die nachts in Mooren und Wiesen leuchten sollten. Zusammen mit versteinerten Seeigeln galten Donnerkeile als Schutz vor Blitzen, Trollen und anderen dunklen Mächten. Heute sind sie vor allem kleine, besondere Erinnerungen an Tage am Meer.

Der Weg selbst blieb abwechslungsreich. Mal führte er direkt am steinigen Naturstrand entlang, dann wieder oberhalb der Steilküste, über Treppen, eine schmale Brücke, durch Wald oder etwas abseits der Küste. Egal wo – der Gendarmenpfad lädt dazu ein, bewusst da zu sein.


Gammelmark – immer noch ein Stück weiter
Als wir Gammelmark Strand erreichten, ließen wir den Ort selbst links liegen und folgten weiterhin dem Gendarmenpfad – von der Gammelmark Klippe bis zu einer kleinen Landzunge kurz vor dem Gammelmark Lillestrand. Für einen Moment verließen wir den Weg, um ein Stück am Strand entlangzugehen. Die Aussicht auf die Bucht und das gegenüberliegende Ufer war so schön, dass wir immer wieder stehen blieben, schauten, atmeten.

Eigentlich hätten wir längst umdrehen wollen. Doch die Neugier – was wohl hinter der nächsten Ecke wartet – war stärker. Also gingen wir weiter, bis wir einen kleinen Anleger entdeckten. Fischerboote lagen an Land, daneben einige Fischerbaracken. Erst auf dem Rückweg, als wir wieder auf den Gendarmenpfad einbogen, entdeckten wir ein „Privat“-Schild. Vom Strand aus war davon nichts zu sehen – man möge uns diesen kleinen Umweg verzeihen.

Der Rückweg schenkte uns diese Etappe ein zweites Mal. Neue Perspektiven, neues Licht, andere Eindrücke. Wir können es nur immer wieder betonen, Ausflüge wie den an den Gendarmenpfad sind keine reinen Sommerziele. Sie sind zu jeder Jahreszeit ein Genuss. Und wir freuen uns schon sehr darauf, weitere Abschnitte zu erkunden.
Praktische Tipps – kurz & knapp
Ist der Abschnitt auch im Winter gut begehbar?
Ja, mit festem Schuhwerk. Einige Passagen sind schmal und nah an der Abbruchkante – Trittsicherheit ist wichtig.
Gibt es Parkmöglichkeiten?
Ja, nahe des Campingplatzes am Broager Strand. Auch im Winter gut nutzbar.
Gibt es Toiletten unterwegs?
Am Parkplatz bei Broager Strand gibt es ein öffentliches WC, das auch im Winter geöffnet sein kann.
Eignet sich die Strecke für Teilabschnitte?
Unbedingt. Gerade im Winter ist es sinnvoll, bewusst kürzere Strecken zu wählen und den gleichen Weg zurückzugehen.
Ist der Gendarmenpfad hier abwechslungsreich?
Sehr. Steilküste, Strand, Wald, Brücken und weite Ausblicke wechseln sich ständig ab.








