Heiligenhafen – zwischen Traum und Wirklichkeit

Wenn aus „nur gucken, aber nicht anfassen“, plötzlich „anfassen erlaubt“ wird

Frühlingsimpressionen aus Heiligenhafen/Graswarder auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Eine Sache ist wohl bei fast allen Menschen tief verwurzelt, die Tatsache, dass Dinge, die unerreichbar scheinen ganz besonders erstrebenswert sind. Doch was ist, wenn sie plötzlich erreicht werden können, verlieren sie dann an Reiz?

Frühlingsimpressionen aus Heiligenhafen/Graswarder auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Bisher hatten wir an der Ostsee immer eine Landzunge mit einer ganz besonderen Magie. Häuser, die, wie auf einer Perlenkette aufgezogen, am Strand stehen und für jede Menge Wunschträume verantwortlich sind. Die Rede ist von den Häusern am Strand von Graswarder in Heiligenhafen.

Frühlingsimpressionen aus Heiligenhafen/Graswarder auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Die Häuser sind in Privatbesitz und bis auf ein, zwei auch nicht für Urlauber buchbar. Sollte mal eines zum Verkauf stehen, ja auch das gab es schon, dann ist es für Ottonormalverbraucher natürlich unerschwinglich. Und trotzdem oder gerade deshalb, wünschten sich viele – uns eingeschlossen – so ein Haus zu besitzen.

Frühlingsimpressionen aus Heiligenhafen/Graswarder auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Mein Lieblingsobjekt war ja immer das blaue Haus. Inzwischen könnte ich mich auch gut und gern mit einem der weißen oder sogar dem orangefarbenen Haus arrangieren. Welches es auch immer wäre, eines stände für uns außer Frage, von wegen Ferienresidenz, wir würden dort wohl dauerhaft wohnen.

Baustelle mit Hotels und Ferienwohnungen in Heiligenhafen auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Neue Ferienhäuser im Hafen von Heiligenhafen

Bisher standen die Häuser immer mutterseelenallein am Strand. Seit einiger Zeit rücken ihnen aber kleine Kopien auf den Hals. Heiligenhafen rüstet auf, und zwar kräftig.

Baustelle mit Hotels und Ferienwohnungen in Heiligenhafen auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Direkt am Hafen entstehen lauter neue Ferienhäuser im ähnlichen Stil. Weiße, blaue, gelbe, kleine Einzel- oder Doppelferienhäuschen. Durch die großen Fensterfronten wirken sie recht modern. Auch sonst finde ich sie eigentlich ganz imposant. Der Stil gefällt mir.

Baustelle mit Hotels und Ferienwohnungen in Heiligenhafen auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Auch die Art, wie die Gärten angelegt werden, gefällt uns gut. Hier und da ein paar Kiefern und ansonsten Dünengräser. Das passt wenigstens zur Landschaft. Seit unserem letzten Besuch ist die Baustelle schon ganz schön vorangeschritten. Einige Häuser sind sogar schon bezogen, andere noch im Bau.

Baustelle mit Hotels und Ferienwohnungen in Heiligenhafen auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Bisher habe ich das eigentlich immer noch als ganz harmonisch empfunden, trotz der neuen Bebauung. Was uns allerdings total schockiert hat, sind die neuen Hotels gleich nebenan. Das Beach Motel aus St. Peter-Ording baut hier zwei neue Hotels: die Bretterbude und das Beach Motel Heiligenhafen.

Baustelle mit Hotels und Ferienwohnungen in Heiligenhafen auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Das Beach Motel ist uns aus St. Peter-Ording bekannt und gefällt uns richtig gut. Frisch, jung und modern. Doch die neuen Objekte hier in Heiligenhafen haben uns aufgrund ihrer Größe und Lage richtig erschreckt. Das Beach Motel Heiligenhafen gleicht schon fast einem kleinen Dorf.

Baustelle mit Hotels und Ferienwohnungen in Heiligenhafen auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Das totale Kontrastprogramm zu den kleinen, aber feinen Ferienhäusern. Dem beschaulichen Graswarder wird nun ein hippes Konzept übergestülpt. Nicht falsch verstehen, ich mag das Konzept vom Beach Motel, jedoch zweifel ich, ob das hier die richtige Lage ist. Hätte es nicht besser zu Steinwarder gepasst, wo eh schon alles größer und pompöser ist?

Baustelle mit Hotels und Ferienwohnungen in Heiligenhafen auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Was wird nun aus Graswarder?

Verliert es dadurch seinen Reiz? Wird das bisher so unnahbare nun gewöhnlich? Wir schreiten noch einmal zurück zu den altbewährten Traumdomizilen. Auch hier hat sich von der Landseite einiges verändert.

Frühlingsimpressionen aus Heiligenhafen/Graswarder auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Gefühlt rückt die Baustelle durch eine Naturschutzmaßnahme bis an die alten Häuser von Graswarder heran. Die Heckenrosen entlang des Weges wurden entfernt und zum Teil schon durch Dünengräser ersetzt.

Frühlingsimpressionen aus Heiligenhafen/Graswarder auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Das scheinen auch die Hausbesitzer zum Anlass genommen zu haben, um ihre Vorgärten ebenfalls vom Gestrüpp zu befreien. Bisher konnte man vom Wegesrand nie so gut auf die Häuser schauen. 😉

Frühlingsimpressionen aus Heiligenhafen/Graswarder auf der Halbinsel Wagrien an der Ostsee // Foto: MeerART

Wir sind echt gespannt, wie sich Heiligenhafen und vor allem Graswarder, entwickeln werden, wenn alle Baustellen fertiggestellt und die Touristen die Hotels und Ferienwohnungen entern.

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Aber nicht nur das Bild von Graswarder hat sich verändert, auch in Steinwarder gibt es einige Neuerungen. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

18 Gedanken zu „Heiligenhafen – zwischen Traum und Wirklichkeit

  1. Liebe Claudia,
    vielen Dank für Deinen sehr interessanten Bericht. Ich kenne Heiligenhafen vor dieser Baumaßnahme und bin ein wenig traurig und vor allem sehr nachdenklich.
    Denn was zur Zeit überall (!) in Deutschland an Stränden und Häfen der Nord- und Ostsee an Ferien-Großobjekten entsteht, finde ich bedenklich aus vielen Gründen und ich könnte entsprechend viel schreiben.
    😉
    Aber ich bin Dir und Ralph sehr dankbar, dass Ihr immer unterwegs seid und auf diese Veränderungen aufmerksam macht. Ob jemand auch wach wird und die Notbremse zieht bei all den Bauprojekten…
    Viele liebe Grüße und genießt die Sonne heute
    Martina

    1. Liebe Martina,

      sehr gerne.
      Mir geht es ähnlich. Du weißt, wir haben schon viel über die Vor- und Nachteile debattiert. Der Bauboom kann einem zum Teil auch ganz schöne Angst einjagen. Viel zu oft wird nur an das schnelle Geld und nicht langfristig gedacht.
      Während ich sonst auf derartige Bauprojekte immer total erschrocken reagiere, bin ich diesmal echt geteilter Meinung. Heiligenhafen selber kann diesen Zuwachs wohl verkraften, aber über die Standortverteilung bin ich sehr erschrocken. Wenn im Hafen nur die kleinen Reetdachhäuschen gebaut worden wären, dann hätte es – meiner Meinung nach – sogar einen schönen Übergang von den alten, verträumten Häusern am Strand zu der Modernität einer wachsenden Stadt gepasst. Das aber auch die Bretterbude und das Beach Motel dort (in der Größe) gebaut werden durften, finde ich ein No Go. Das beziehe ich aber rein auf den Standort. Beide Hotelkonzepte finde ich gut, denn sie sind jung und modern. Auch an so eine Zielgruppe sollte gedacht sein. Perfekt wäre es gewesen, man hätte sie in Steinwarder gebaut. Erstens gibt es dort schon große Komplexe, die alle eine Verjüngungskur vertragen und zweitens, wäre es der Natur nicht zu sehr an die Pelle gegangen.
      Außerdem finde ich es auch einen Widerspruch für den Urlauber. Die kleinen Reetdachhäuser sind doch eher für Ruhesuchende gedacht. Ob die Lust haben dort Urlaub zu machen, wenn nebenan Skater und Co. die Gegend unsicher machen. Ich weiß ja nicht.

      Aber es ist wie es ist, wir können es nicht ändern. Letztendlich ist es der Urlauber, der entscheidet, ob und was angenommen wird.

      Ganz liebe Grüße,
      Claudia

  2. Oh jeh…wir haben die Bauarbeiten letztes Jahr verfolgt. Ich hoffe nicht, dass die Ruhe und Idylle auf Graswarder leidet. Die Häuschen gefallen mir ganz gut, allerdings gebe ich euch Recht, dass so ein riesen Hotel dort nichts zu suchen hat. 🙁

    1. Moin liebe Britt.

      Das sind eben genau unsere Befürchtungen. Wäre es dort nur bei den kleinen Häusern geblieben, dann – denke ich – wäre alles viel schöner gewesen. Die beiden Hotels – wie gezagt vom Konzept nicht schlecht – aber absolut nicht passend an dieser Stelle. Für mich der total Widerspruch zu den kleinen Häusern. Wer so ein kleines Häuschen mietet, will doch eher Ruhe haben und nicht Halli-Galli.

      Liebe Grüße,
      Claudia

  3. Als gebürtige Heiligenhafnerin bin ich eigentlich nur traurig und entsetzt, wie ein so idyllisches Fischerstädtchen mit kleinem Hafen und einer wunderschönen „Landzunge“ Strand sich verändert….wenn ich dort nicht Freunde und Familie hätte, wäre es sicher kein Reiseziel mehr; alles verbaut, vom Ort aus kein Blick mehr auf das Meer,der Strand verbaut, Hotels bis in die Dünen, wer auf dem klotzig-protzig-sinnlos Steg heiratet, findet seine Namen zwischen Herren- und Behindertentoilette…romantisch…baden in der Ostsee? Von der tollen Brücke kaum möglich, zumindest nicht für jedermann. Aber vlt sonnt der heutige Tourist sich lieber auf einer der Holzliegen, an denen andere dann vorbeischlendern, um….ja, um was zu tun oder zu sehen???

    1. Moin Moin!

      Das glaube ich dir sogar. Als Anwohner sind derartige Bauprojekte und Veränderungen erst recht ein Schreck. Mich schockt daran am meisten, dass es auf einmal – vorausgesetzt die Kasse klingelt – dann doch klappt, dass in Naturschutzgebieten gebaut werden darf. Wofür hat man die dann? Klar müssen auch Veränderungen her. Viele Orte besonders an der Nord- und Ostsee leben vom Tourismus und lange genug hat SH geschlafen und zu wenig bis gar nichts getan. Uns erschrecken dabei aber immer wieder die Großbauprojekte, die oft nur auf schnelles Geld aus sind. Irgendwie scheint von den Bonzen keiner zu merken, dass die Urlauber, die zu uns an die Küste kommen, die Ruhe lieben und keinen Ballermann wollen wie in Spanien. Viele Urlauber, die regelmäßig genau deshalb gekommen sind, werden vergrault. Ob das richtig ist.Langfristig und nachhaltig gedachte Veränderungen wären viel sinnvoller. Aber uns fragt ja keiner. 😉

      Liebe Grüße,
      Claudia

  4. Wir sind über das neue Projekt „gestolpert“ und haben uns dort informiert und Exponate mitgenommen. Eine tolle Anlage, die sehr exklusiv wirkt und als Immobilie zur Weitervermietung für einige Jahre gedacht ist. Mich hat aber auch das Hotel sehr gestört ! Ein Klotz !! Allerdings pellt sich Heiligenhafen grad sehr. Der Bauträger hat auch in der Stadt noch ein großes Objekt. Toll geplant. Wir haben uns jedoch anders entschieden 🙂

    1. Liebe Imke,
      gegen die kleinen Häuser habe ich auch so gar nichts, die passen sogar noch richtig gut. Ich finde allerdings die beiden Hotels an der Stelle fehl platziert. Wären die nach Steinwarder gekommen, dann hätte ich – zumindest sehe ich das so – viel besser gepasst und die Ecke sogar noch aufgewertet.
      Tja… Wunschdenken.

      Liebe Grüße,
      Claudia

  5. Purer Wahnsinn ist das. Sie machen den Charakter vom Hafen kaputt.Wir sind gerne dort spazieren gegangen um die tollen Häuser und den Hafen zu bewundern. Wir waren jetzt mal schockiert und traurig über den Bauwahn in Heiligenhafen.Das tut doch nicht nötig und es zieht uns nicht mehr dahin „frown“-Emoticon

  6. Hallo Ihr zwei. Ich kann mich nur für den tollen Beitrag bedanken. Ihr habt wieder sehr viel Info’s gegeben. Zum Thema Bebauung und Geldgier wurde ja schon alles gesagt. Ich kann mich nur anschließen, das es schade um die Ex-Idylle ist. Liebe Grüße an Euch aus Nürnberg 😉

    1. Lieber Axel,

      sehr gerne. Du weißt, wir haben sehr viel Spaß an solchen Beiträgen und hoffen, dass ab uns zu mal kleine Äuglein geöffnet werden. 😉

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Claudia

  7. Liebe Claudia, liebe andere Kommentatoren,
    ok, hier wurde zuletzt im April 2016 reingeschrieben. Jetzt ist August, was an der Sache nix ändert. Mein Mann und ich waren 13 Jahre lang mit unserem Segelboot in Heiligenhafen.
    Wir haben die Idylle dort sehr genossen. Besonders den Graswarder, mit seinem natürlichen Flair liebten wir. Das ist nun alles vorbei. Diese Neubauten sind scheußlich!!!!! Die Häßliche Seebrücke verschandelt den Ausblick. Anständig angeln geht ja von diesem Monstrum aus auch nicht. Baden bei der Brücke oder von der Brücke aus? Nee!!!
    Alles eng und nicht wirklich schön bebaut. Kein Meerblick mehr, keine Entspannung. Alles ist auf oberflächlichen Massentourismus ausgelegt – und dabei nicht mal preiswert!
    Die Idylle ist weg und wir sind es auch!!! Wir haben Heilgenhafen verlassen.
    Viele Grüße
    Bettina

    1. Liebe Bettina,

      ja die Veränderungen sind wirklich oft nicht schön. Schon gar nicht wenn auf Masse statt Klasse geachtet wird. Wir sind ja der Meinung, dass in dem Hafen die kleinen Häuschen gereicht hätten. Die ganzen großen Hotels passen da einfach nicht hin. So fällt es für Ruhesuchende immer schwerer sich Plätze zu suchen. Die Ostsee verkommt an vielen Stellen zum Ballermann, was wirklich sehr schade ist. Wie gut, dass es ganz im Norden noch viele Stellen gibt wo es nicht so ist.

      Trotzdem vielen Dank für deine Zeilen.
      Vielleicht gefallen dir andere Orte, die wir vorgestellt haben. Würde uns freuen.

      Herzliche Grüße,
      Claudia

  8. Du willst Urlaub machen, wo du alles findest, was niemand braucht? Wo die Natur verbaut und betoniert wird? Wo Häuser, Läden und Hotels fast am Strand stehen, der gar kein Strand mehr ist, wo Sand aus Dänemark gebraucht wird, um dir etwas Sandstrand zu bieten, wo eine überdimensionale Holzbrücke mit ungemütlichen Sitz- und Liegemöglichkeiten die natürliche Umgebung verdrängt hat, wo zwischen den Toiletten die Eheschließungen verzeichnet werden, ……dann kann ich Heiligenhafen empfehlen. Heute nach einiger Zeit mal wieder da gewesen – wer lässt so etwas zu???!!!!

      1. Da ist eine – im Moment ausgestorbene – zugepflasterte Zweitstadt entstanden, die angeblich das Landschaftsbild nicht stört und die Baumwipfelhöhe nicht übersteigt. Fakt aber ist, dass die natürliche Umgebung verschandelt bzw zerfurcht wurde und dass es kaum Bäume gibt (deren Wipfel sind allerdings deutlich überschritten). Das ganze Gesamtwerk ist überproprtioniert und lässt schon von Weitem erkennen, dass es ein Projekt für wenige ist, deren Interessen Immobilien und andere Investitionsgeschäfte – also nur Geld und Gewinn für den persönlichen Bedarf – sind. Nichts mit Mehrwert für Land und Leute. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wer dort gerne seine Freizeit verbringen soll….Jedenfalls nicht öfter als einmal! Aber sicher gibt es schön Pläne für weitere Investitionen; vlt einen Freizeitpark und ein Schwimmbad? Denn das, was von dem ursprünglich Schönen übrig ist, ist wenig und wenig einladend. Wer will schon um so einen Koloss von Brücke herum baden, spielen, sich Sonnen,……

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