„Was bleibt, ist Liebe. Und genau deshalb fällt der Abschied so unendlich schwer.“ Ich möchte heute einen sehr persönlichen Beitrag mit euch teilen – es geht um Trauer. Um die Trauer um ein geliebtes Tier, das nach seinem Tod eine riesige Lücke hinterlässt. Ich schreibe diesen Beitrag, weil die Trauer um ein Tier in unserer Gesellschaft oft unterschätzt wird.
Es ist jetzt fast eine Woche her, dass wir unsere geliebte kleine Maus gehen lassen mussten. Sina war für uns nicht nur ein Haustier, sondern ein Familienmitglied – unsere Seelenkatze.
Seit ich ein kleines Mädchen bin, begleiten mich Katzen durch mein Leben. Sie haben mir immer Halt gegeben, Vertrauen geschenkt und mich mit einer stillen, bedingungslosen Liebe erfüllt. Doch das, was wir mit Sina erleben durften, ging noch einmal tiefer.

Nach dem Verlust unseres Dickerchens brauchten wir zunächst Zeit, um zu trauern. Als wir bereit waren, entschieden wir uns, wieder einer Katze aus dem Tierheim ein Zuhause zu schenken. Eigentlich wollten wir ein älteres Tier aufnehmen – eines, das es schwerer hat, vermittelt zu werden. Doch es kam anders. Als wir das Katzenzimmer betraten, waren wir überwältigt. So viele Tiere, die ein Zuhause suchten und wir konnten uns nicht entscheiden. Also gingen wir wieder hinaus.
Die Tierheimleiterin fragte uns, ob wir auch ins Zimmer mit den Kitten schauen möchten. Eigentlich wollten wir das nicht. Und doch gingen wir hinein. Dort war sie. Ein kleines Wesen, das uns nicht mehr von der Seite wich. Sina.

Sie hatte – wie ihre Geschwister – keinen leichten Start ins Leben. Gefunden in einer Tüte, krank und unterkühlt, wurde sie im Tierheim liebevoll aufgepäppelt. Und an diesem Tag entschied sie sich für uns. Nicht wir haben sie gewählt. Sie hat uns gewählt. Und so zog sie bei uns ein.
Kein einfacher Start
Sina war quirlig, frech und voller Lebensenergie und doch trug sie die Spuren ihres schweren Anfangs in sich. Der Katzenschnupfen machte ihr zu schaffen, sie fraß schlecht, ein Auge blieb dauerhaft trüb. Aber all das spielte für uns keine Rolle. Wir liebten sie, genau so, wie sie war. Mit viel Geduld, Fürsorge und Liebe wurde aus diesem kleinen, kämpferischen Wesen ein fester Teil unseres Lebens.

Da wir viel von zu Hause arbeiteten, verbrachten wir unendlich viel Zeit miteinander. Und Sina genoss jede Sekunde davon. Sie war unser kleines Model. Sobald Ralph die Kamera in die Hand nahm und sie das Klicken hörte, lief sie sofort ins Bild – ganz egal, was eigentlich fotografiert werden sollte. Sie wollte immer dabei sein.
Große und kleine Abenteuer
Die ersten Jahre waren nicht immer leicht. Es gab Herausforderungen, Begegnungen mit anderen Katzen, gefährliche Situationen. Einmal kam sie schwer verletzt nach Hause – mit einem aufgerissenen Bauch. Bis heute wissen wir nicht, was genau passiert ist. Aber wir wissen, dass sie gekämpft hat. Und dass sie überlebt hat. So wie so oft.

Und nicht nur wir haben sie gerettet – sie hat auch uns getragen. Es gab Zeiten in unserem Leben, in denen wir nicht wussten, wie wir unseren Weg gehen sollen. Und dann war sie da. Still. Nah. Da. Dafür sind wir ihr unendlich dankbar.
Glück im neuen Zuhause
Der Umzug nach Nordfriesland veränderte alles. In unserem neuen Zuhause blühte Sina auf. Sie entdeckte den Garten, wurde mutiger, stärker und begann, ihr Revier selbstbewusst zu verteidigen.

Sie war nicht mehr das kleine, verletzliche Wesen von früher. Sie war gewachsen und sie war glücklich. Für mich war sie mehr als nur eine Begleiterin – sie war mein Schatten. Wo ich war, war auch sie. Und genau das fehlt jetzt so sehr.
Ein Abschied auf Raten
Vor einem Jahr bekamen wir die Diagnose: Niereninsuffizienz. Unheilbar. Uns war klar, dass wir uns auf einen Abschied vorbereiten mussten – auch wenn niemand sagen konnte, wann dieser Zeitpunkt kommen würde. Wir haben alles getan, um ihr ein würdevolles, schönes Leben zu ermöglichen. Und das hatte sie. Trotz der Krankheit. Trotz aller Veränderungen.

Das letzte Jahr war intensiv. Voller Nähe, voller Liebe, aber auch voller leiser Angst.
Die letzten Wochen
Der Winter wurde zu ihrem letzten. Sie wurde anhänglicher, suchte noch mehr unsere Nähe. Heute wissen wir, dass sie gespürt hat, was kommt. Wir hofften bis zuletzt auf mehr Zeit. Auf einen weiteren Sommer. Doch dieser Wunsch blieb unerfüllt. Ihr Zustand verschlechterte sich. Die Anfälle wurden häufiger. Und irgendwann wussten wir: Wir müssen eine Entscheidung treffen.
Der letzte Weg
Die letzten Tage waren geprägt von Abschieden. Von vielen kleinen „letzten Malen“. Das letzte Mal auf dem Schoß. Das letzte Mal in der Sonne. Das letzte gemeinsame Wochenende.
Am Ende ging alles sehr schnell. Wir wollten ihr Leid ersparen und gleichzeitig ihre Angst so gering wie möglich halten. Doch nicht alles lag in unserer Hand.

Ihre Panik in den letzten Momenten begleitet uns noch heute. Und auch die Zweifel, aber wir wissen tief in uns: Wir haben aus Liebe gehandelt. Am 31.03.2026 ist Sina gegangen. Und zurück bleibt eine Stille, die kaum auszuhalten ist.
Was bleibt
Die Trauer ist groß. Überwältigend. Sie fehlt überall. In jedem Raum. In jedem Moment. Für uns war sie nicht „nur eine Katze“. Sie war Familie. Über 15 Jahre lang. Wir sind dankbar für jeden einzelnen Tag mit ihr. Für ihre Nähe. Für ihr Vertrauen. Für ihre bedingungslose Liebe. Und wir möchten dieser Trauer Raum geben. Für uns. Für Sina. Und für all die Menschen, die wissen, wie sehr ein Tier das eigene Herz berühren kann.
Was bleibt, ist die Erinnerung und die Liebe, die niemals vergeht.
Und vielleicht ist genau das etwas, das wir uns alle immer wieder bewusst machen dürfen: Die Trauer um ein Tier ist keine „kleine“ Trauer. Sie ist echt. Sie ist tief. Und sie ist berechtigt.
Denn Tiere begleiten uns auf eine ganz besondere Weise. Sie stellen keine Fragen, sie urteilen nicht – sie sind einfach da. Tag für Tag. Still, treu und voller Vertrauen. Und genau deshalb hinterlassen sie Spuren, die weit über das Sichtbare hinausgehen.
Wenn sie gehen, bleibt nicht nur die Stille. Es bleibt ein Platz im Herzen, der sich anders anfühlt als zuvor. Trauer braucht keinen Vergleich und keine Rechtfertigung. Sie darf da sein – genauso, wie sie kommt. Mit Tränen, mit Erinnerungen, mit leisen Momenten und auch mit Dankbarkeit.
Und vielleicht ist es genau diese Liebe, die wir fühlen, die zeigt, wie wertvoll diese gemeinsame Zeit war. Denn was wir geliebt haben, dürfen wir auch betrauern.
Ihr seid damit nicht allein.








