Manchmal sind es die falschen Abzweigungen, die uns genau dorthin führen, wo wir eigentlich sein sollten. So war es auch an diesem Tag in Kragesand. Einmal falsch abgebogen und eigentlich auf dem Weg zu einem ganz anderen Teilabschnitt des Gendarmenpfades (dk. Gendarmstien) und doch standen wir plötzlich auf dem Parkplatz, schauten hinaus auf die Flensburger Förde und wussten sofort: Hier möchten wir kurz bleiben.
Ankommen, stehen bleiben, staunen
Das Licht lag weich über dem Wasser, die Förde glitzerte, der Wind war eisig und klar. Dieser erste Blick hatte etwas Beruhigendes und gleichzeitig Aufregendes. Es war, als hätte uns dieser Ort still eingeladen, wenigstens ein paar Schritte mit ihm zu gehen und wir sind dieser unausgesprochenen Aufforderung gefolgt.

Ein kurzer Weg entlang der Förde
Obwohl wir falsch abgebogen waren, konnten wir nicht widerstehen. Wir liefen los, direkt an der Küste entlang, in Richtung Busholm. Der Gendarmenpfad führte hier wieder einmal dicht am Wasser entlang, begleitet vom leisen Rauschen der Förde und dem Wind, der uns eisig um die Ohren pfiff.

Es war kein langer Spaziergang, sondern eher ein Innehalten in Bewegung. Was nach der Autofahrt ganz gut getan hatte. Wir folgten dem Weg bis zu dem Punkt, an dem der Pfad die Küste verlässt und sich langsam in Richtung Wald zurückzieht. Dort drehten wir um. Die Verlockung war zwar groß weiterzugehen, aber die Tage sind im Januar noch nicht allzu lang und wir hatten unser eigentliches Tagesziel noch vor uns.

Kleine Entdeckungen, große Eindrücke
Gerade weil unser Abstecher so kurz war, wirkten die Eindrücke umso intensiver. In Ufernähe entdeckten wir ein hübsches, alleinstehendes Haus mit einem Blick auf die Förde, der uns einen Moment lang träumen ließ. Wie mag es wohl sein hier zu wohnen? Sowohl von der Terrasse als auch vom Wohnzimmer aus könnte man täglich diesen atemberaubenden Blick auf die Förde und den nicht enden wollende Horizont genießen.

Und dann war da noch diese kleine, besondere Entdeckung. Ralph fand unweit des Parkplatzes eine Wellhornschnecke. Ein Fund, der uns beide überraschte, denn bislang kannten wir sie nur von der Nordsee. Diese Wellhornschnecke vom Strand in Kragensand wird auf alle Fälle einen ganz besonderen Platz in meiner Sammlung erhalten.
Eisiger Wind, warmes Gefühl
Es war kalt an diesem Tag. Der Wind schnitt durchs Gesicht, die Hände wurden schnell klamm. Und doch war es genau diese Mischung aus frostiger Luft, hellem Licht und unberührter Natur, die diesen kurzen Spaziergang so besonders machte. Wir fragten uns, wie es hier wohl im Sommer sein mag. Ob Kragesand dann immer noch so still und idyllisch wirkt? Oder ob der Strand dann voller Leben ist? Vielleicht beides. Vielleicht zeigt sich dieser Ort einfach zu jeder Jahreszeit anders.

Unser Abstecher nach Kragesand war kurz, aber reich an Eindrücken. Einer dieser Momente, die bleiben, obwohl sie eigentlich gar nicht geplant waren. Ganz sicher werden wir mit mehr Zeit im Gepäck zurückkehren. Und dann möchten wir auch durch den berühmten Liebestunnel gehen, wenn die Bäume wieder Blätter tragen und sich das Licht grün gefiltert seinen Weg bahnt. Ein Ort, der jetzt schon Lust auf ein Wiedersehen macht.

Tipps zum Entdecken
- Vogelbeobachtungen: Mit etwas Geduld lassen sich entlang der Küste zahlreiche Wasservögel entdecken (Fernglas nicht vergessen)
- Spuren der Eiszeit: Die Landschaft rund um Kragesand erzählt geologische Geschichte – Steilufer und Bodenformationen geben leise Hinweise darauf.
- Zeit mitbringen: Auch wenn der Abschnitt kurz wirkt – er entfaltet seine Schönheit besonders dann, wenn man bereit ist, stehen zu bleiben.








