Ghosting – Wenn Antworten ausbleiben

Zum Abschluss noch einmal über den Kniep und um die Odde // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Kennst du das auch? Du schreibst eine Nachricht. Vielleicht eine ganz normale Frage. Vielleicht etwas, das dir wichtig ist. Du bist im Austausch mit jemandem – beruflich oder privat – und eigentlich fühlt sich alles stimmig an. Und dann kommt… nichts. Keine Antwort. Kein „Ich melde mich später“. Kein „Passt gerade nicht“. Nur Stille.

Ich habe ehrlich gesagt lange überlegt, ob ich dieses Thema hier mal mit aufnehmen soll, aber uns beschäftigt es einfach und daher möchte ich es mal ansprechen. Denn Ghostig haben wir in den letzten Jahren nicht nur einmal erlebt, sondern es häuft sich. Gerade nach der Corona-Zeit scheint Verbindlichkeit brüchiger geworden zu sein. Menschen tauchen auf, zeigen Nähe, Interesse, Wärme und verschwinden kommentarlos. Und ich weiß, dass wir damit nicht allein sind.

Zum Abschluss noch einmal über den Kniep und um die Odde // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Oft beginnt es ganz harmlos. Man hat einen Austausch, ein gutes Gespräch, vielleicht sogar ein Gefühl von Verbundenheit. Und dann – Stille. Plötzlich kommt keine Antwort mehr auf eine E-Mail oder auf eine WhatsApp. Absolut kein Reagieren. Nicht mal eine Rückmeldung auf eine konkrete Frage. Das passiert uns nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Umfeld und dabei war man im Austausch. Es war nicht einseitig, auch kein Monolog. Und plötzlich sitzt man mit einer offenen Frage und einem irritierenden Schweigen da.

Die leise Verunsicherung

Was Ghosting – dieses kommentarlos aus dem Kontakt Verschwinden – so schwierig macht, ist nicht nur der Abbruch selbst. Es ist die Nicht-Kommunikation, die viele Fragen hinterlässt.

Ich weiß nicht wie es dir damit geht, aber wir fragen uns schon, ob wir etwas Falsches gesagt haben könnten? Oder ob die Frage vielleicht unpassend war? Habe(n) ich (wir) zu viel erwartet? Bin ich/wir vielleicht zu viel?

Zum Abschluss noch einmal über den Kniep und um die Odde // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Meist gehöre ich zu den Menschen, die noch einmal nachfragen. Freundlich, vorsichtig, denn ich möchte ja nicht nerven. Doch irgendwann höre ich auf und zieh mich zurück. Nicht, weil es mir egal ist, sondern weil ich mir bzw, wir uns irgendwann schlichtweg blöd vorkommen. Und das ist nicht nur ein blödes Gefühl, sondern unbefriedigend. Ja, mitunter auch verletzend.

Wenn Verbindlichkeit unverbindlich wird

Besonders irritierend ist, dass dieses Verhalten kein Einzelfall mehr zu sein scheint. Es betrifft Geschäftskontakte, Kooperationen, Freundschaften, Bekanntschaften und manchmal sogar Beziehungen. Menschen treten in dein Leben. Es wirkt harmonisch, interessiert, zugewandt. Und ohne erkennbaren Anlass ziehen sie sich zurück. Es gab keinen Konflikt, keinen Vorfall und leider auch kein klärendes Wort. Nur Rückzug. Vielleicht ist es Bequemlichkeit. Vielleicht Konfliktvermeidung. Meinetwegen auch Überforderung. Doch für die Person auf der anderen Seite bleibt ein Fragezeichen und das wiegt oft schwerer als eine ehrliche Absage.

Warum Schweigen so weh tut

Ein „Nein“ kann man verarbeiten. Eine Erklärung kann man einordnen. Selbst ein Abschied kann würdevoll sein. Aber Schweigen lässt Raum für Spekulationen und in diesen Raum ziehen oft die eigenen Selbstzweifel ein. Dabei sehnen wir uns im Grunde alle nach demselben, und zwar Respekt, Klarheit und zumindest ein Mindestmaß an Verbindlichkeit.

Uns fällt es jedes Mal aufs neue schwer, damit umzugehen. Ein Umstand, der sich – gefühlt seit Corona eingeschlichen hat – und mittlerweile in allen Lebenslage zu finden ist. In unserem Bekanntenkreis gibt es viele, denen es ähnlich geht und auch in den sozialen Netzwerken war es immer wieder mal Thema und trotzdem tritt Ghosting weiterhin auf. Ob gewollt oder ungewollt. Dabei sind wir doch alle soziale Wesen. Wir brauchen Orientierung im Miteinander. Kommunikation ist doch kein Luxus, sondern sie ist die Basis von unseren Beziehungen.

Dunkle Wolken ziehen auf // Foto: MeerART

Zugegeben, es fällt nicht immer leicht auf alles zu antworten, aber dennoch bemühen wir uns. Schon aus Respekt und weil wir selbst wollen, dass auch wir respektiert bzw. wahrgenommen werden. Vermutlich beschäftigt uns das Thema Ghosting auch deshalb so sehr, denn es breitet sich aus wie ein Virus. Ich verstehe auch, dass es nicht jedem immer leicht fällt auf alles eine Antwort zu haben. Manchmal sind Themen unangenehm und man findet nicht die passende Antwort. Oder die Antworten werden aufgeschoben und damit wurde es immer schwieriger den Faden wieder aufzunehmen. Vielleicht fehlt auch manchmal schlichtweg die Zeit. Das ist alles möglich und verständlich, aber das Nichtantworten hinterlässt Spuren – insbesondere bei sehr empathischen Menschen.

Ghosting ist kein reines Täter-Opfer-Thema, sondern scheint ein Spiegel unserer Zeit zu sein. Einer Zeit, in der alles schnell geht – nur die Verantwortung für zwischenmenschliche Klarheit manchmal nicht.

Wir wünschen uns diesbezüglich wieder mehr Menschlichkeit

Was wäre, wenn wir wieder mutiger kommunizieren? Wenn wir sagen: „Es passt gerade nicht.“ Wenn wir ehrlich antworten, auch wenn es vielleicht mal unbequem sein kann. Wenn wir wieder begreifen lernen, dass eine kurze Rückmeldung mehr Wert hat als perfektes Schweigen.

Zum Abschluss noch einmal über den Kniep und um die Odde // Foto: MeerART / Ralph Kerpa

Verbindlichkeit bedeutet nicht, für alles Zeit zu haben, aber es bedeutet, den anderen nicht im Ungewissen stehen zu lassen. Vielleicht können wir uns alle wieder ein kleines Stück mehr daran erinnern, dass hinter jeder Nachricht ein Mensch mit Gefühlen sitzt, der sich Gedanken macht. Und manchmal ist eine einfache Antwort nichts Geringeres als ein Akt von Respekt. Findest du nicht auch?

Meer, Wohnen & Genießen

Verliebt in den Norden - weil der Norden glücklich macht.

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