Es gibt Orte, die uns nicht laut begrüßen, sondern leise berühren. Orte, an denen der Wind durch die Baumwipfel streicht, das Meer in der Sonne glitzert und plötzlich all das, was im Alltag so schwer erscheint, ein wenig leichter wird.
Genau so ein Ort ist der Küstenwald Sønderskov nahe Sønderborg. Zwischen Steilküste, alten Buchen und den vom Meer gezeichneten Bäumen entsteht eine besondere Stimmung aus Ruhe, Wandel und neuer Kraft. Gerade die herabgestürzten Baumriesen entlang der Küste haben uns tief beeindruckt. Manche von ihnen wirken auf den ersten Blick wie Sinnbilder der Vergänglichkeit und tragen doch bereits neues Leben in sich.

Auf dieser Etappe des Gendarmstien geht es von Sønderborg in Richtung Klinting Hoved. Dafür sind wir mit dem Wagen auf die andere Seite der Brücke gefahren und haben unser Auto am Ende des Hiort Lorenzens Vej abgestellt, um von dort aus zu Fuß weiterzugehen.

Wir folgten dem kleinen Pfad nahe der Küste. Nicht weit von unserem Startpunkt beginnt ein beeindruckender Küstenwald – der Sønderskov –, der sowohl zum Auftanken als auch zum Innehalten einlädt. Da sich dieser Wald oberhalb einer Klippe befindet, eröffnen sich immer wieder wunderbare Aussichtspunkte. Einer davon liegt gleich am Anfang des Küstenwaldes.

Wir blieben einen Moment stehen, um die Szenerie auf uns wirken zu lassen. Der Buchenwald leuchtete in seinem frischen Frühlingsgrün, während unterhalb der Klippe viele abgestorbene Bäume wie Zeitzeugen einer längst vergangenen Zeit lagen. Das Meer glitzerte in der Sonne. Alles wirkte friedlich und befreiend.


Diese Landschaft lädt zum Innehalten ein. Alles, was von außen auf uns einprasselt, rückt für einen Moment in den Hintergrund. Kein Müssen, keine To-dos, sondern einfach nur Stille.
Der Zauber der Küstenwälder
Wir gingen weiter in den Wald hinein und der Pfad führte oftmals sehr nah an der Klippe entlang. Immer wieder blieben wir ehrfürchtig stehen und blickten hinab. Unten am Strand lagen zahlreiche Bäume, die von Wind und Wellen bereits bleich gewaschen wurden. Manche hingen noch immer an der Klippe und schlugen dennoch erneut aus. Bilder wie diese zeigen eindrucksvoll, wie kraftvoll und zugleich wundervoll die Natur ist.

Die herabgestürzten Bäume symbolisieren, wie endlich das Leben ist und wie wichtig es sein kann, es sich nicht unnötig schwer zu machen, sondern bewusster zu genießen. Denn was könnte wichtiger sein als man selbst und die eigene Gesundheit?


Absolute Naturverbundenheit
Wir folgten weiter dem Gendarmstien und kamen an einigen ehemaligen Fischerhäusern vorbei, die weit entfernt vom Trubel der Stadt, mitten in beinahe unberührter Natur, wie kleine Ruhepole wirkten. Auch diese Häuser trotzen – genau wie der Küstenwald – Wind und Wetter. Ganz nah am Wasser, den Jahreszeiten und dem Wind ausgesetzt. Welche Geschichten diese Häuser und die Menschen, die dort wohnen, wohl erzählen könnten?

Hinter den Häusern lag versteckt ein kleiner See. Geschützt von den umliegenden Bäumen hatten es sich dort zahlreiche Wasservögel gemütlich gemacht, die man zwar nicht sehen, aber deutlich hören konnte.

Von hier aus hat man die Wahl, ob man dem Gendarmstien weiter um den See folgt oder am Strand entlangläuft. Für den Hinweg hatten wir uns für den Wald entschieden.


Je tiefer wir in den Wald hineingingen, desto stiller wurde es. Der Wind vom Meer war kaum noch hörbar. Nur vereinzelte Vogelstimmen begleiteten uns.

Die Ruhe strahlte förmlich auf uns ab. Wir spürten weder Stress noch Hektik, sondern fühlten uns vollkommen verbunden mit der Natur.
Schlafen in der Natur
Als wir den kleinen See beinahe umrundet hatten, veränderte sich die Landschaft langsam. Der Wald wurde lichter. Es schien, als würden hier Bäume, die ursprünglich nicht hierhergehörten – wie beispielsweise Fichten –, nach und nach entfernt werden.

Dann stieg uns plötzlich der Geruch von Rauch in die Nase. Am Ende des Weges erreichten wir wieder die Küste und entdeckten direkt am Wasser einen kleinen Shelterplatz: „Klinting Hoved Primitiv Overnatningsplads“. Eine Familie hatte es sich dort mit einem kleinen Lagerfeuer gemütlich gemacht, das gerade langsam herunterbrannte – daher wohl auch der feine Rauchgeruch in der Luft.

In Dänemark findet man sie oft: kleine Plätze mitten in der Natur, an denen das Übernachten erlaubt ist und man der Natur ganz nah sein kann. Genau das finden wir besonders schön. Denn die Natur schenkt einem unglaublich viel Kraft. Gerade in diesen hektischen und teils unruhigen Zeiten sollte man viel öfter hinausgehen. In die Natur. Dort verweilen. Zur Ruhe kommen.

Es ist längst bekannt, wie stresslindernd sowohl das Meer als auch der Wald wirken können. Und wie wunderbar ist es bitte, wenn man mit einem Küstenwald gleich beides miteinander verbinden kann? Wir fühlen uns dort immer pudelwohl und vollkommen geerdet.
Eine Richtung, zwei Wege
Würde man dem Gendarmenpfad weiter folgen, käme man auf dem Weg nach Høruphav noch an einem weiteren beeindruckenden Naturschutzgebiet vorbei: Trillen.

Doch da dies bereits unsere zweite Etappe an diesem Tag war, entschieden wir uns dafür, ganz gemütlich zurückzugehen. Wieder hatten wir die Wahl: durch den Wald oder am Strand entlang. Da wir in diesem Moment unterschiedliche Bedürfnisse hatten, entschieden wir uns jeweils für unseren eigenen Weg.

Ralph hatte Lust, noch einmal durch den Wald zu laufen, während ich das Bedürfnis verspürte, am Strand entlangzugehen. So konnten wir beide noch einmal ganz bewusst für uns die Stille und die Natur genießen.

Ich setzte mich für eine Weile auf den Stamm eines umgestürzten Baumes und blickte hinaus aufs Meer. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich dort noch Stunden sitzen können. Ein absolutes Gefühl von Freiheit.

Und während ich so aufs Meer hinausschaute und umgeben war von all den gestürzten Bäumen, deren Stämme beinahe wirkten, als wollten sie den Strand schützend in die Arme nehmen, wurde mir wieder einmal bewusst, dass in jedem Wandel auch ein Neuanfang steckt. Dass selbst Zeiten, die uns herausfordernd erscheinen, oft ein verborgenes Potenzial für Neues in sich tragen. Wir müssen nur mutig genug sein, die vielen kleinen Wunder darin zu entdecken.

Am Ende des Sees trafen Ralph und ich wieder aufeinander und gingen den restlichen Weg gemeinsam zurück. Doch bevor wir die Heimreise antraten, setzten wir uns noch auf eine Bank und genossen ein kleines Picknick im Grünen, bevor wir – von der Natur beseelt – den Heimweg antraten.
Vielleicht auch interessant:
Die leise Kraft des Wandels am Dybbøl Strand








