Die Honigmanufaktur Flügelchen

Agnes Flügel – die Honigfrau aus dem Norden

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: R. Kerpa

Wir haben uns im Laufe der Zeit ja schon vieles angesehen, aber noch nie haben wir so lange auf einen Termin warten müssen und noch nie hat uns ein Termin derart nachhaltig beeindruckt wie der Besuch bei der Honigmanufaktur Flügelchen.

Kennengelernt haben wir Agnes letztes Jahr auf der Nachhaltigkeitsmesse Förde +Fjord. Das war im Herbst und die aktivste Zeit der Honigbienen schon vorbei. Also mussten wir warten, denn bei den Bienen spielt der Rhythmus der Natur die Hauptrolle. Wir verabredeten uns fürs Frühjahr, wenn die Sonne warme Strahlen vom Himmel schickt, der Raps blüht und die Bienen wieder voll aktiv sind.

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: R. Kerpa

Honig ist bei uns seit vielen Jahren nicht nur ein fester Bestandteil im Leben, es brennt uns auch auf der Seele aufzuklären, wie es derzeit um die Honigbiene bestellt ist. Was kaum einer mitbekommt ist, dass die Bienen uns so nach und nach wegsterben und das hat weitreichende Folgen. Wir als Menschen sind auf die Honigbienen angewiesen, denn kein anderes Insekt ist so effizient und wichtig bei der Bestäubung von Blüten. Mit ihrer Bestäubung sorgen die Bienen für den Fortbestand von 80 Prozent unserer heimischen Blumen, Kräuter und Früchte.

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: R. Kerpa

Die Honigmanufaktur Flügelchen liegt auf der Halbinsel Schwansen, nur einen Steinwurf von der Ostsee entfernt und eingebettet von zahlreichen Rapsfeldern. Eigentlich ein perfekter Ort, sollte man meinen. Als wir auf den Hof fuhren und aus dem Auto ausstiegen, hörten wir das Summen der Bienen. Wow, was für ein beruhigendes Geräusch. Man möchte sich einfach nur ins Gras setzen und den fleißigen Bienen bei der Arbeit zuschauen bzw. zuhören. Agnes verriet uns, dass sie genau das ganz oft macht.

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: MeerART

Für unser Gespräch setzten wir uns in den Garten, ganz nah bei den Bienen. Wir löcherten Agnes mit unseren zahlreichen Fragen, die sie uns völlig tiefenentspannt und geduldig beantwortete. Fragen hatten wir in der Tat viele, denn erst neulich hatten wir eine Reportage zu den Bienen gesehen. Imker erklärten, dass es den Stadtbienen oft besser geht als den Landbienen. Schlimmer noch, viele Landbienen müssen sogar hungern. Wie kann das sein?

Die Antwort liegt leider klar auf der Hand. Ein Grund ist die monotone Landwirtschaft, ein anderer, der massenhafte Einsatz von Pestiziden. Seitdem überall auf dem Land in Massen Raps angebaut wird, ist das oft auch die einzige Nahrungsquelle.

Frühlingsimpressionen von der Schlei // Foto: MeerART

Wenn dieser verblüht ist, gibt es nichts mehr für die Bienen und sie müssen hungern. Eine Horrorvorstellung, die uns ganz schön ans Herz geht. Dazu kommt noch, dass der meiste Raps nicht für die Nahrungsindustrie, sondern für die Biogasanlagen benötigt wird und deshalb auch in die offene Blüte gespritzt wird. Ein Desaster. Agnes gab uns noch einen weiteren Hinweis, woran man erkennen kann, welche Auswirkungen das viele Giftspritzen mit sich bringt.

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: R. Kerpa

Wenn man früher mit seinem Auto über die Landstraße oder Autobahn gefahren ist, dann musste man in der Regel des öfteren bei der Tankstelle anhalten und die Windschutzscheiben von Ungeziefer befreien, die während der Fahrt gegen die Scheiben geklatscht sind und zum Teil recht mühselig wieder entfernt werden mussten. In der Tat, wir mussten mit Schrecken feststellen, dass wir unsere Scheibe schon lange nicht mehr säubern mussten, und das, obwohl wir so viel unterwegs sind. Dieses alarmierende Beispiel geht mir sogar bis jetzt noch nicht aus dem Kopf.

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: R. Kerpa

Aber nun erstmal wieder zurück zu Agnes und ihrer tollen Arbeit. Der Umstand, der sie zu den Bienen gebracht hat ist ein Wink des Schicksals gewesen, der nur vom Leben selbst geschrieben werden kann. Wer mehr darüber erfahren möchte, Agnes hat ein Buch Die Honigfrau: Wie ich meinen Träumen Flügel verlieh“ geschrieben. 

Anfangs war es nur ein Hobby, heute hat sie 50 Bienenstöcke, die sie bewirtschaftet. An den Bienenstöcken erzählte uns Agnes wie die Bienen leben und arbeiten. Welche Funktionen sie haben, dass jeder Stock seine eigene Königin hat, die am Tag bis zu 2.000 Eier legt.

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: R. Kerpa

Wir erfuhren, dass die Sommerbiene nur sechs Wochen lebt und schon direkt nach dem Schlüpfen feste Aufgaben hat. Als erstes gehört dazu die eigene Schlupfkammer zu reinigen, damit diese wieder sauber ist und erneut eine Larve heranreifen kann. Einfach irre zu sehen, dass dieses chaotisch anmutende Durcheinander durchaus System hat.

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: R. Kerpa

Wir entdeckten Bienen, die gerade frisch geschlüpft waren und andere, die in den Stock –mit sogenannten Pollensäckchen – an den Beinen zurück kamen. Mit einer Art Tanz wird so den anderen Bienenmitgliedern mitgeteilt, wo sie die reiche Beute gemacht hat, um was genau es sich handelt und wie die anderen dort hinkommen, um ebenfalls mit reicher Beute zurückzukehren. Unter anderem erfuhren wir auch, dass sich Bienen am Stand der Sonne und an markanten Stellen, wie zum Beispiel Baumgruppen, orientieren, um zum eigenen Stock zurückzufinden. Einfach der Hammer.

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: R. Kerpa

Was uns auch sehr faszinierte war, dass wir mitten in dem Bienenschwarm standen, als Agnes uns zeigte, wie man den Reifegrad des Honigs prüfe und die Bienen überhaupt keine Notiz von uns nahmen. Völlig friedlich gingen sie ihrer Arbeit nach. Andere mögen lachen, aber wir fanden das sehr bewegend.

Das Besondere an Flügelchen Honig ist, dass er nicht nur mit viel Liebe geerntet wird, sondern einige Sorten mit leckeren Aromen wie Espresso, Zimt, Vanille, Zitrone, Minze, gerösteten Mandeln und Haselnüssen verfeinert werden, die dem Honig ein ganz besonders Geschmackserlebnis verleihen – FEINHEIMISCH eben.

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: R. Kerpa

Wir durften die natürlich probieren und die waren so lecker, dass ich den Geschmack noch während der Heimfahrt auf der Zunge schmecken konnte. Das war mir so noch nicht passiert.

Flügelchen Honig könnt ihr entweder direkt online auf der Seite von Flügelchen Honig bestellen, bei den zahlreichen Partnern vor Ort oder direkt auf dem Hof kaufen. Mit jedem Kauf könnt ihr sogar noch etwas Gutes tun, denn Flügelchen unterstützt mit 5 Cent pro Glas die Arbeit des Netzwerks Blühende Landschaft.

Reportage über die Honigmanufaktur Flügelchen von Agnes Flügel // Foto: MeerART

Honigmanufaktur Flügelchen
Agnes Flügel
Seestraße / Immenhorst 2
D-24369 Waabs / Ortsteil Großwaabs
Tel: +49 4352 / 94 89 87

Lust auf „Flügelchens kleine Bienenkunde“? Jedes Jahr bietet Agnes Flügel Seminare an, bei denen ihr gemütlich bei Bienenstich und Kaffee  in die spannende Welt von Maja & Co. eintauchen könnt.

Ein ganz dickes Dankeschön an dich Agnes, dass du dir die Zeit für uns genommen hast und uns so viel erklärt hast.

Noch ein Nachtrag:

Mit diesem Beitrag möchten wir nicht nur ein tolles Produkt vorstellen, sondern wir wünschen uns, dass dieser auch als Weckruf dient, auch die kleinsten Lebewesen auf unserer Erde wahrzunehmen und zu schützen. Die Honigbiene kann sehr gut ohne uns leben, können wir das auch ohne die Honigbiene?

Neben dem Beispiel mit der Windschutzscheibe können wir leider noch ein weiteres hinzufügen. Diesen Beitrag habe ich in unserem heimischen Garten geschrieben, der schon seit Jahren bienenfreundlich angelegt ist. In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal noch keine einzige gesehen, obwohl alles grünt und blüht. Auch die Hummeln und Wildbienen kann ich an einer Hand abzählen. Ist es vielleicht gar nicht mehr fünf vor zwölf, sondern schon fünf nach zwölf?!

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11 Gedanken zu „Die Honigmanufaktur Flügelchen

  1. Liebe Claudia,
    danke schön für diesen sehr interessanten Bericht. Aber dass es den Bienen leider schlecht geht und sie in Gefahr sind, weiß ich schon. Es wird bereits seit einiger Zeit darüber berichtet (z. B. in den Magazinen im Bio-Supermarkt). Ich finde es sehr gut, dass Ihr noch einmal weitreichend darüber berichtet und auch über „Flügelchen“ (wie passend) Agnes Flügel. Was für eine schöne Arbeit!
    Was mir aber noch nicht aufgefallen ist, ich aber beim Lesen festgestellt habe ist, dass ich auch bisher noch keine Biene und nur eine einzige Hummel in diesem Jahr gesehen habe auf unserer Terrasse. Das macht mich ein wenig traurig.
    So sehr ich mich auch an den Rapsfeldern immer erfreut habe, jetzt sehe ich sie mit etwas anderen Augen. Hat Agnes Flügel gesagt, was der Normalbürger im Alltag tun kann, um den Lebensraum der Bienen zu erhalten?
    Liebe Grüße
    Martina

    1. Liebe Martina,

      sehr gern.
      Ja, Gott sei Dank ist das Thema um die Bienen nicht neu und es wird schon sehr viel darüber berichtet. Was wären wir ohne sie.
      Wenn ich dann aber höre, dass in der EU darüber diskutiert wird das Spritzen von Glyphosat wieder zu erlauben, wird mir ganz schlecht. Die Diskussionen finde ich total irrelevant, denn der Beweis wie schädlich das Unkrautvernichtungsmittel ist, liegt anhand der Bienen doch auf der Hand. Es geht doch nur wieder ums Geld.
      Ganz besonders die beiden Beispiele mit den Insekten auf der Windschutzscheibe vom Auto und die Tatsache, dass es kaum noch Bienen in heimischen Gärten gibt (wie du ja selber auch beschreibst und sogar wie wir in der Stadt lebst) sollte einem zu denken geben.

      Der Name ist bei Agnes in der Tat Programm. 😉 Auch ihre Geschichte wie sie überhaupt zur Biene kam. Ich glaube, der Name „Flügelchen“ war auch mit ausschlaggebend dafür sie als Imkerin anzufragen. 🙂 Auf jeden Fall war es total spannend uns das alles erklären zu lassen und die Bienen bei ihrer Arbeit zu beobachten. Was für tolle Tiere, habe mich richtig in sie verliebt.

      Eine Sache können wir „Normalbürger“ in der Tat machen. Wenn wir Gärten oder einen Balkon zur Verfügung haben, dann Blumen pflanzen, die bienenfreundlich sind. Oft wird das sogar schon auf den Etiketten der Pflanzen erwähnt. Wichtig für die Tiere ist, dass sie den ganzen Sommer über ausreichend Nektar sammeln können, darum sollten Pflanzen gewählt werden, die auch zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten blühen. Uns ist über die Jahre aufgefallen, dass unser alter Efeu, der immer im Spätherbst blüht, wenn es kaum noch etwas anderes gibt, voll ist mit Bienen und anderen Insekten. Dort schlagen sie sich den Bauch vor dem Winter noch einmal richtig voll. 😉 Ein irres Gewusel.

      Ganz wichtig ist natürlich auch keine Unkrautvernichter oder Schädlingsbekämpfungsmittel einzusetzen. Egal wie die verharmlost werden, es ist alles pures Gift.

      Kleiner Tipp noch am Rande, wenn du eine geschwächte Biene oder Hummel findest, oft kann man ihnen wieder auf die Beine helfen, wenn man ihnen eine Zuckerlösung anbietet. Einfach ein wenig Zucker in Wasser auflösen und den Kleinen auf einem Teelöffel anbieten. Wirkt oft wunder. 😉

      Ganz liebe Grüße,
      Claudia

      1. Liebe Claudia,
        danke für den Tipp mit der Zuckerlösung. Ich gebe zu, beim Kübel bepflanzen für unsere Terrasse habe ich noch nie darauf geachtet, ob es bienenfreundliche Pflanzen sind – also Vogelfreundlich sind sie. 😉 Da ich demnächst die Terrasse mit noch mehr Kübeln bestücke, achte ich auf jeden Fall darauf und werde gleich mal schauen, ob ich noch mehr Infos über „für Bienen leckere“ Pflanzen bekomme.
        Eine Schande, dass bei uns immer alles tot gespritzt wird auf den Feldern! Ich verstehe nicht, warum das nicht noch stärker begrenzt wird, das verseucht die Erde, das Grundwasser und natürlich letztendlich uns…
        Liebe Grüße
        Martina

  2. Was für ein toller Bericht und Schöne Bilder. Dankeschön. Ja wenn es um die Bienen schlecht bestellt ist,sehe ich schwarz für unsere Lebensmittel und das Obst. Wir haben es selbst in der Hand. LAst doch einfach mal die Blumen stehen und mäht nicht alles immer so sauber und ordentlich. Dann haben die Bienen mehr zum Futtern und wir Obst und auch Honig.

    1. Liebe Gerti,

      das ist in der Tat kein gutes Zeichen. Unsere Artenvielfalt wird dadurch drastisch reduziert.
      Da fällt mir noch etwas ein. Öfters auch mal Flächen mit Wildblumenwiesen bereitstellen. Das hilft ungemein und sieht auch richtig schön aus.

      Liebe Grüße,
      Claudia

  3. Sehr schöner Bericht – Ihr habt tolle Ideen;-). Die Stiftung Naturschutz hat gerade einen Trachtkalender für SH herausgegeben: „Blüten für die Bienen“. Eine Übersicht über rund 200 wichtige, heimische Trachtpflanzen. Er informiert über ihre Nektar-und Pollenwerte, Eignung als Honigtauspender, Blühzeiträume, Blütenfarben….sende ich Euch gerne per Post zu und mehr auch unter http://www.stiftungsland.de , lg S

  4. Ich habe neulich auf irgendeinem Markt „Flügelchen“ Honig mit Minze gefunden und gekauft, und der schmeckt soooo lecker. so habe ich eben Deine Seite geöffnet, und bin überrascht und begeistert vom Text und von den schönen Photos. Am liebsten würde ich mich gleich ins Auto setzen und Dich besuchen, aber nun ist Winter und ich denke, die Bienen halten Winterschlaf, und ich im fortgeschrittenen Alter und nicht mehr so mutig, mit meinem Polo durch die Winterlandschaft bis zu Dir zu fahren. Also verschiebe ich das auf den Sommer. Aber nach Deinen Produkten werde ich jetzt hier in Hamburg fahnden und werde hoffentlich finden, was ich suche. Wunderbar, dass es Dich und Deine Bienen gibt! viel Erfolg weiterhin.

    1. Moin Friederike,

      schön, dass dir Flügelchen Honig und unser Beitrag gefällt.
      Darüber wird sich Agnes, die Imkerin sicherlich sehr freuen. Nur damit es nicht zur Irritationen kommt, wir sind MeerART und nicht Flügelchen Honig. Wir haben, weil wir den Beruf der Imkerin so spannend finden, lediglich einen Beitrag über die Imkerin und ihre Arbeit geschrieben.

      Liebe Grüße,
      Claudia

      1. Liebe Claudia von MeerArt,
        herzlichen Dank für die Info, ja ich finde die Arbeit der Imkerin auch spannend. Dir und Euch wünsche ich noch schöne Advent Tage und ein frohes Weihnachtsfest.

        Lieben Gruss

        Friederike

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